1. Startseite
  2. Politik

„Es ist verrückt“: US-Soldat berichtet von unbewaffneten Russen im Krieg

Erstellt:

Von: Karolin Schäfer

Kommentare

Ukrainische Soldaten feuern einen Mörser ab in der kürzlich zurückeroberten Stadt Kupjansk in der Region Charkiw, Ukraine. (Archivbild)
Ukrainische Soldaten feuern einen Mörser ab in der kürzlich zurückeroberten Stadt Kupjansk in der Region Charkiw. (Archivbild) © Kostiantyn Liberov/dpa

Freiwillige aus dem Ausland kämpfen im Ukraine-Krieg Seite an Seite mit dem ukrainischen Militär. Einer von ihnen berichtet von seinen Erfahrungen an der Front.

Kiew – Während die Moral des russischen Militärs neue Tiefstände erreicht, erzielen die ukrainischen Verteidiger im Zuge ihrer großangelegten Gegenoffensive Erfolge. In der südlichen Region Cherson sollen nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj seit Monatsbeginn über 500 Quadratkilometer Land zurückerobert worden sein. Auch in der Oblast Luhansk – vom Kreml inzwischen zu russischem Staatsgebiet annektiert – wurden Siedlungen befreit.

Aber nicht nur ukrainische Staatsbürger:innen bieten Russland die Stirn. Auch zahlreiche Kämpfende aus dem Ausland haben sich dem ukrainischen Militär angeschlossen. Einer von ihnen ist ein US-amerikanischer Veteran, der unter dem Decknamen Jeffrey Barnes bekannt ist.

Ukraine-Krieg: „Ein wahnsinniger Verlust an Menschenleben“

Barnes möchte anonym bleiben, sprach aber über seine Erlebnisse im Ukraine-Krieg mit dem US-Magazin Newsweek. Der 32-Jährige hat Kriegserfahrung, diente vor über zehn Jahren in einem Einsatz im Irak. Auch Teile seiner Familie sind beim US-Militär. Was ihm vom Krieg bleibt, ist vor allem eine posttraumatische Belastungsstörung, schrieb Newsweek.

Vier Monate lang kämpfte er freiwillig Seite an Seite mit dem ukrainischen Militär. Kurz nach der russischen Invasion schloss er sich den Soldaten an, bevor er Ende Juni abreiste. „Das ist ein wahnsinniger Verlust an Menschenleben“, schilderte Barnes seine Erfahrungen gegenüber dem US-Magazin. „In meinem ersten Monat in Kiew habe ich über 100 Druckverbände gelegt. Das ist nichts im Vergleich zu Irak und Afghanistan. Isolierte Kämpfe, herumfahren und darauf warten, dass jemand auf uns schießt. Ich dachte, ich wüsste, was Krieg ist. Nein, nein, nein. Das ist kein Krieg. Das ist Krieg. Es ist einfach verrückt.“

Ukraine-Krieg: Zu Beginn der Invasion herrschte „völliges Chaos“

Der Veteran reiste über die Slowakei in die Ukraine. Zu Beginn des Krieges herrschte „völliges Chaos“ und es gab „keine Organisation“, gab Barnes zu. Viele ukrainische Soldaten, die sich freiwillig meldeten, seien nicht ausgebildet gewesen. Bis auf wenige Ausnahmen bestehe das Regiment Asow ausschließlich aus Ausländern, etwa aus Österreich, Schweden, Frankreich und Finnland, sagte er Newsweek.

Die russischen Soldaten hingegen seien noch schlechter vorbereitet gewesen. Ihre militärische Ausrüstung ist „Müll“, erklärte Barnes. „Bei den meisten Typen, die wir gefangen nehmen, heißt es nicht: ‚Lass die Waffe fallen‘“, so der Asow-Kämpfer. „Die meisten hatten nicht einmal eine.“ Es sei vergleichbar mit einem Videospiel gewesen.

Das russische Militär sei „nicht ausgebildet“ und habe „keine Führung“, so Barnes. „Planung und Aufklärung“ hätten dazu geführt, dass die Ukraine im Rahmen ihrer derzeitigen Gegenoffensive Gebiete zurückerobern konnten. Nun will er wieder zurück in die Ukraine und sich erneut seinen Kameraden anschließen, die Mission sei „unvollendet“. (kas)

Auch interessant

Kommentare