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Der Bürgerkrieg in Syrien dauert bereits neun Jahre an. Eine chronologische Übersicht. 

Neun Jahre Grauen 

Der Krieg in Syrien – Eine Chronologie 

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Seit neun Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien. Eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse. 

  • Seit neun Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien
  • Über die Jahre beteiligen sich immer mehr Nationen und Gruppierungen an dem Konflikt. 
  • Eine Ende ist nicht in Sicht: Zuletzt eskalierte der Konflikt zwischen der Türkei und Russland

Nach den Aufständen in Tunesien und Ägypten Ende 2010 kommt es im Januar und Februar 2011 auch in Syrien im Rahmen des Arabischen Frühlings zu Protesten. Zu Anfang sind es nur kleinere Demonstrationen der syrischen Opposition, auf die die staatlichen Behörden mit Verhaftungen reagieren. Ab März werden Proteste in den Städten Qamischli und Daraa mit Gewalt beendet. Die Demonstranten fordern den Rücktritt des Präsidenten Baschar al-Assad und demokratische Reformen nach dem Vorbild der Revolutionen in Tunesien und Ägypten, sowie die Wahrung der Menschenrechte, Meinungsfreiheit und ein Ende der Korruption. Die Ausschreitungen werden immer heftiger, öffentliche Gebäude werden in Brand gesteckt und Demonstranten von Sicherheitskräften getötet.

2011: Eine Revolution wird in Syrien zum Flächenbrand 

Es ist der Auftakt für einen inzwischen neun Jahre andauernden, blutigen Konflikt. Am 15. März sprühen Teenager die Parole „Das Volk will den Sturz des Regimes“ in der Stadt Daraa als Graffiti an eine Wand. Sie werden kurz darauf verhaftet. Menschen demonstrieren gegen ihre Verhaftung. Am 22. April 2011 kommt es in vielen Städten Syriens zu großen Demonstrationen, erneut werden Menschen getötet. Diesmal vermutlich mehr als 70. Die Städte Homs und Daraa werden als Folge der Proteste abgeriegelt, das Militär setzt schweres Gefährt und Panzer ein. Syrische Scharfschützen schießen auf Demonstranten. Hunderte Menschen sterben in wenigen Tagen. Die Proteste verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Kurz darauf wird in den Städten Aleppo und Hama demonstriert. 

Ein Porträt des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. 

Ende Juli 2011 desertieren tausende Soldaten aus der syrischen Armee und bilden die „Freie Syrische Armee“. Aus ihr geht auch die islamistisch-salafistische Miliz Ahrar al-Scham hervor, die bald darauf einen islamischen syrischen Staat bilden will. Sie fordert damit Seite an Seite mit den Demonstranten den Sturz Assads. Die oppositionellen Gruppen organisieren sich anhand ihrer Religion und Herkunft. Auch im Norden des Landes bilden sich oppositionelle Gruppen: kurdische Milizen übernehmen die Kontrolle über weite Gebiete des Landes. Später formieren sie sich unter dem Namen „Demokratische Kräfte Syriens“ (DKS). 

Ende 2011 meldet die UN-Hochkommissarin Navi Pillay den Tod von mehr als 5000 Zivilisten während der Ausschreitungen. Erste Syrer suchen bereits in  Deutschland Asyl. 

2012: Der Aufstieg der Al-Nusra-Front in Syrien

Obwohl die Regierung Assads sich um Diplomatie bemüht, gehen die Kämpfe um Syrien unvermindert weiter. Bei der Bombardierung der Stadt Homs durch syrische Regierungstruppen werden hunderte Menschen getötet. Eine neue Terrorgruppe, die Al-Nusra-Front, verübt im Januar 2012 eine Reihe von Anschlägen auf syrische Truppen. Die Terrororganisation gehörte zunächst der al-Quaida an, bis sie im Juli 2016 ihre Trennung von der Organisation bekannt gab und sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) anschloss. Nach den Islamisten von Ahrar al-Scham beteiligt sich nun eine weitere religiös motivierte Miliz am Bürgerkrieg in Syrien

Ein im März 2012 ausgehandelter Waffenstillstand bringt keinen Erfolg. Syrische Regierungstruppen greifen weiterhin Städte und Dörfer an. Massaker an der Zivilbevölkerung stehen an der Tagesordnung. Die Täter befinden sich in beiden Reihen, Regierung und Rebellen. Die erste Friedenskonferenz folgt im Juni 2012 in Genf. Die Forderung einer Übergangsregierung steht im Raum. Die Regierung startet als Antwort darauf einen Angriff auf Aleppo. Inzwischen sind mehr als 100.000 Syrer auf der Flucht.  

Unterstützer der Al-Nusra-Front während eines Protests gegen Baschar al-Assad im Jahr 2014. 

Oppositionsgruppen berichten von einem Massaker mit 70 zivilen Opfern in der Region Hama. Verantwortlich dafür sollen die Regierungstruppen sein. Ein Attentäter sprengt sich in der Hauptstadt Damaskus in die Luft, wobei Syriens Verteidigungsminister und sein Stellvertreter getötet werden. 

Ende des Jahres 2012 sind über eine halbe Million Syrer aus ihrer Heimat geflohen und vom Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) als Flüchtlinge registriert. Über 135.000 davon in der Türkei, 110.000 im Libanon, 100.000 in Jordanien und etwa 54.000 im kurdischen Teil des Irak. Zu dieser Zeit beginnen auch die ersten Menschen nach Europa zu fliehen. Sie kommen mit Booten über das Mittelmeer. Andere versuchen ihr Glück über Griechenland, Bulgarien, Mazedonien und Rumänien. 

2013: Syrien – Das Land der Kriegsverbrechen 

Inzwischen wird allen beteiligten Parteien Kriegsverbrechen vorgeworfen. Die Zahl der Flüchtlinge nimmt dramatisch zu. Bis April 2013 werden eine Million Syrer registriert, die aus ihrer Heimat flüchten müssen. Auch der Einsatz von Chemiewafffen, die nach der Chemiewaffenkonvention verboten sind, ist Teil der Vorwürfe. Eine Untersuchung von UN-Chemiewaffeninspektoren Ende September legt Indizien dafür vor, dass die Regierungstruppen diese Waffen benutzt hätten. 

In der Zwischenzeit richtet eine radikale, religiös motivierte Gruppierung aus dem Irak ihren Blick auf Syrien. Sie nennt sich „Islamischer Staat im Irak“ (ISI) und will die Kontrolle über weite Teile Syriens übernehmen. Nach ihrer Umbenennung zu „Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIS/ISIL) bekämpft die Gruppierung mit wachsendem Erfolg die übrigen Parteien: Aufständische wie Regierungstruppen. ISIS erobert im Lauf des Jahres 2013 zahlreiche Städte und verübt Massaker an der örtlichen Bevölkerung. Im August fällt die Stadt Raqqa in die Hände von ISIS. Ihr Führer Abu Bakr al-Baghdadi macht die Stadt zu einem seiner Hauptquartiere. 

Durch die immer weiter steigende Zahl an Menschen, die versuchen, Europa über das Mittelmeer zu erreichen, startet Italien im Oktober 2013 die Operation Mare Nostrum, die über 100.000 Menschen retten wird. 

Gruppen wie Ahra al-Scham vereinigen sich im November zur Islamischen Front und stellen damit die größte bewaffnete Gruppierung der Aufständischen dar. Erklärtes Ziel des Bündnisses ist der Sturz Assads und die Errichtung eines islamischen Staates. Dem US-amerikanischen Politologen Joshua Landis zufolge ähnelt die Ideologie der Islamischen Front stark der von al-Quaida. Kooperationen mit der Freien Syrischen Armee sollen ebenfalls erfolgen. Als wichtiger Unterstützer der Islamischen Front gilt Saudi-Arabien. 

Im September verlassen die letzten Chemiewaffenexperten der UN Syrien. Die USA berichten von Beweisen für den Einsatz des Kampfstoffes Sarin. Auch das Untersuchungsteam ist sich sicher, dass das Nervengas in Vororten von Damaskus in „relativ großem Umfang“ zum Einsatz gekommen sei. Die Schuldfrage bleibt jedoch ungeklärt. Angaben der UN zufolge sind bis September 2013 mehr als 100.000 Menschen ums Leben gekommen. 

Ende 2013 kämpfen Regierung und Rebellen intensiv um Aleppo, Syriens zweitgrößte Stadt. Radikale Islamisten stellen inzwischen den größten Teil der bewaffneten Offensive gegen die syrischen Regimetruppen. Unter den Islamisten sind viele internationale Dschihadisten, die sich auch ISIS anschließen werden. Ende Dezember 2013 haben 2,3 Millionen Menschen Syrien verlassen. 

2014: Wüstenkrähen – Die Ausrufung des „Islamischen Staates“ 

Im April 2014 steigt die Zahl der Geflüchteten außerhalb Syriens auf 2,6 Millionen. In Europa haben 95.000 Menschen einen Asylantrag gestellt. 

Eine erneute Friedenskonferenz in Genf geht im Februar 2014 ergebnislos zu Ende. Der Bürgerkrieg tobt mit voller Gewalt weiter. Teile der Rebellengruppen beginnen, gegen die immer mehr Gebiete haltende Organisation ISIS vor. Am 29. Juni 2014 erklärt der Führer der Terrororganisation ISIS, Abu Bakr al-Baghdadi, die von ISIS kontrollierten Landstriche im Irak und Syrien zum Kalifat. Mit der Ausrufung geht eine neue Umbenennung einher, ISIS nennt sich nun „Islamischer Staat“. Baghdadi selbst trägt die Bezeichnung „Kalif Ibrahim – Befehlshaber der Gläubigen“. Die Terrororganisation beginnt damit, grausame Hinrichtungen per Video zu dokumentieren und an die Weltöffentlichkeit als Propaganda zu veröffentlichen. Das Ziel des IS: Angst unter den Feinden verbreiten, egal mit welchen Mitteln. 

Die Mitglieder des IS bekennen sich zu einer radikalen Auslegung des sunnitischen Islam. Laut Ideologie soll sich das Kalifat langfristig auf das Gebiet der Staaten Syrien, Irak, Libanon, Israel, Palästina und Jordanien erstrecken. Im Einflussgebiet des IS gelten die Gesetze der Scharia, Frauen werden unter Androhung der Todesstrafe gezwungen, sich zu verhüllen. 

Kämpfer des sogenannten „Islamischen Staats“ in einem Propagandavideo. 

Im Juli 2014 meldete das UNHCR insgesamt 2,9 Millionen Flüchtlinge aus Syrien. Die Sprecherin Melissa Fleming fordert die europäischen Staaten auf, mehr Flüchtlinge aufzunehmen – bis dahin sind es knapp 123.000 Asylbewerber in Europa. Im September werden es drei Millionen Flüchtlinge sein. 

Ein weltweites „Kalifat“
Neben dem in Syrien errichteten „Gottesstaat“ versucht der IS, auch in anderen Ländern Fuß zu Fassen – etwa in Ägypten, Afghanistan, in Nigeria oder Ost-Afrika. Zur Zahl der aktiven Kämpfer des IS gibt es nur Schätzungen, die von einigen zehntausend bis zu hunderttausend reichen. 

Erstmals beginnt die Luftwaffe der USA, Stellungen des IS in Syrien zu bombardieren. Der damalige Präsident Barack Obama versucht, die Kampagne gegen den IS und seine Verbündeten zu internationalisieren. „Die einzige Sprache, die diese Killer verstehen, ist die Sprache der Gewalt“, sagte Obama. Gemeinsam mit einer groß angelegten Koalition würden die USA nun daran gehen, das „Netzwerk des Todes“ zu zerstören. Die US-Journalisten James Foley und Steven Sotloff werden von Terroristen des IS enthauptet und die Tat wird via Video dokumentiert. Der IS forderte in den Videos die USA auf, die Luftangriffe einzustellen und drohte damit, weitere gefangene Journalisten zu enthaupten. Eine angeblich angebotene Freilassung gegen Lösegeld wurde nicht ermöglicht.  

Kurdische Milizen aus der Stadt Kobanê an der türkischen Grenze verteidigen sich im September gegen eine groß angelegte Offensive von IS-Terroristen, die die Kontrolle über die Stadt übernehmen. In wenigen Tagen fliehen fast 150.000 Syrer aus Kobanê in die Türkei. Ende des Jahres 2014 bitten erstmals 40.000 Syrer in Deutschland um Asyl. 

2015: Die große Flucht aus Syrien – Schatten über Europa 

Die Vereinten Nationen berichten Anfang 2015 von 220.000 Toten und 3,8 Millionen geflohenen Syrern. Die Zahl der Flüchtlinge innerhalb Syriens beträgt 7,6 Millionen. Die Spirale der Gewalt dreht sich weiter, militärische Erfolge, wie die Eroberungen von Dörfern und Städten, sind meist nur von kurzer Dauer.  

Internationale Bekanntheit erlangt das Schicksal des jordanischen Piloten Muʿādh al-Kasāsba im Februar 2015. Er stürzt mit seinem F16-Kampfjet über Syrien ab und wird vom IS gefangen genommen. Der IS veröffentlicht ein Video, bei dem der Pilot mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leib verbrannt wird. Als Reaktion daraufhin exekutiert Jordanien eine inhaftierte Terroristin. 

Die Lage in Syrien im Jahr 2015. 

Im Mai gelingt es der Freien Syrischen Armee, die Provinz Idlib vollständig zu besetzen. Dies geschieht mithilfe der Ahrar al-Scham und weiterer Gruppen, darunter auch die Al-Nusra-Front. Parallel dazu besetzt der IS die antike Stadt Palmyra. Die antike Oasenstadt in Homs war zu römischen Zeiten eine Metropole und birgt unzählige archäologische Schätze. Die Terroristen sprengen Tempel und zerschlagen tausende Artefakte des UNESCO-Weltkulturerbes. 

Die Zahl der syrischen Flüchtlinge im Ausland erreicht vier Millionen. Mehr als 150.000 von ihnen erreichen bis August Ungarn. Im selben Monat erklärt das deutsche Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, die Geflüchteten nicht mehr in andere EU-Staaten zurückzuschicken. Zehntausende kommen Anfang September innerhalb weniger Tage nach Deutschland und Österreich. Beide Länder führen wieder Grenzkontrollen ein. Erst nach langen Verhandlungen kann sich die Europäische Union auf eine Quote über die Verteilung von Flüchtlingen einigen. Für Hilfsorganisationen sollen darüber hinaus eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt werden. 

Wer kämpft 2015 in Syrien? 

  • Die Regierungstruppen: Die schlagkräfte Armee des Machthabers Baschar al-Assad ist zu diesem Zeitpunkt stark geschwächt. Von anfänglich 300.000 Mann bleiben weniger als die Hälfte – Nicht einmal ein Drittel des syrischen Territoriums wird von den Regierungstruppen gehalten. 
  • Syrische Rebellen/Opposition: Die zu Beginn nur wenigen lokalen Milizen haben sich über die Zeit zu immer größeren Gruppen zusammengeschlossen. Vor allem dschihadistische Milizen werden das Rückgrat der Rebellentruppen bilden. Die Freie Syrische Armee besteht hauptsächlich aus desertierten Soldaten und gilt als gemäßigt. Unter dem Namen „Dschaisch al-Fatah“ haben sich islamistische Milizen zusammengeschlossen, deren Ziel der Sturz Assads ist. Zu den stärksten Gruppierungen zählen Ahrar al-Sham, die Al-Nusra-Front und die Muslimbrüder. Dem „Dschaisch al-Fatah“ ist die Gruppierung „Bündnis der Islamisten“ übergeordnet, die weitere dschihadistische Milizen unter sich vereinigt. 
  • Der „Islamische Staat“ (IS): Die 2003 aus dem irakischen Widerstand geborene Terrororganisation kämpft in Syrien und im Irak für ein Kalifat. Zahlreiche Islamisten aus der ganzen Welt schließen sich dem IS an. 
  • Kurdische Milizen (YPG/SDF): Im Norden und Nordosten Syriens gibt es größere kurdische Siedlungsgebiete, die von den Volksverteidigungseinheiten (YPG) geschützt werden. Die kurdischen Milizen kämpfen erbittert gegen den IS und können große Erfolge vorweisen, wie etwa in Kobane und Tal Abjad. Die Volksverteidigungseinheiten sind der syrische Arm der türkisch-kurdischen PKK-Miliz und streben nach Autonomie innerhalb Syriens. 

„Islamischer Staat“ beginnt globale Terror-Kampagne 

2015 werden 7,6 Millionen Menschen aus Syrien laut Angaben des UNHCR zu Geflüchteten. 

Im Herbst kündigt Frankreich Luftangriffe auf Stellungen des Islamischen Staates an. Auch die britische Regierung erwägt diesen Schritt. Ende September folgen die ersten Luftangriffe der Franzosen. Zur gleichen Zeit beginnt auch Russland mit Luftangriffen auf Assad-Gegner. Zunächst erweckt es den Anschein, dass Russland gegen den IS vorgehen wolle. Es geht Moskau in erster Linie jedoch darum, das Assad-Regime zu schützen. Außenminister  Sergei Lawrow spezifizierte auf die Frage hin, welche Gruppen außer dem IS als terroristisch gelten: „Diejenigen, die aussehen und handeln wie Terroristen. Ich darf erinnern, dass wir immer sagten, wir würden gegen den Islamischen Staat und andere Gruppierungen kämpfen.“  Am 31. Oktober 2015 stürzt ein Flugzeug über der ägyptischen Halbinsel Sinai ab. An Bord ist eine Bombe explodiert. 224 Menschen sterben. Kurz nach dem Absturz des Linienflugzeugs bekannte sich der IS zu einem Anschlag auf das Flugzeug. Ägypten sträubte sich lange vor der Zugabe eines Terrorakts – aus Sorge um den Tourismus im Land. 

Am 13. November 2015 verüben Terroristen Anschläge auf Paris. Die Angriffsserie richtete sich gegen das Stade de France, Besucher eines Konzerts im Bataclan-Theater sowie gegen Gäste von Bars, Cafés und Restaurants. 130 Menschen werden getötet, 683 verletzt. 

Eine Gedenktafel erinnert an die Menschen, die durch Terroristen des IS am 13. November 2015 getötet wurden. 

Am 30. November arbeitet die EU einen Plan aus, um den Strom der Flüchtlinge nach Griechenland einzudämmen. Um das zu erreichen, solle die Türkei die Grenzen besser schützen. Die EU erklärt sich bereit, für das Unterfangen drei Milliarden Euro bereitzustellen. 

Im Dezember fliegen auch erstmals britische Flugzeuge Angriffe auf Ziele des IS in Syrien. Kurz darauf beschließt der Deutsche Bundestag den Einsatz deutscher Soldaten gegen den IS. 

2016: Ein Abkommen zur Sicherung der Grenzen 

Erneut beginnen Friedensverhandlungen zwischen der syrischen Regierung und dem Verhandlungskomitee der Opposition. Die Gespräche verlaufen fruchtlos, da das Assad-Regime mit russischer Hilfe deutliche Erfolge erzielen kann. Die Konferenz wird am 3. Februar 2016 ausgesetzt, Ende des Monats soll sie erneut stattfinden.

In Griechenland kommen weiterhin viele Geflüchtete an, die Türkei schützt die Grenzen weiterhin nicht ausreichend. Etliche Länder erschweren das Weiterreisen der Geflüchteten auf der so genannten Balkanroute. Der Rückstau führt zu Chaos und zu Gewaltausbrüchen. Bilder von Flüchtlingen, die über Grenzzäune klettern, kursieren in der Presse. 

Am 11. Februar trifft sich in München die International Syria Support Group, bestehend aus den UN, EU, USA sowie der Arabischen Liga, Ägypten, China, Deutschland, Frankreich und vielen anderen Ländern. Auf der Konferenz wird beschlossen, dass eine Einsatzgruppe unter UN-Leitung Hilfsgüter nach Syrien bringen soll. Auch um eine Waffenruhe wird sich bemüht, die am 27. Februar erfolgt und Friedensgespräche ermöglichen soll. Nur die Kämpfe gegen terroristische Gruppierungen, wie dem IS und der Al-Nusra-Front, gehen weiter.  

Ein Scharfschütze der Failaq al-Rahman-Brigade sieht durch das Visier seines Gewehrs. 

Im März melden Regierungstruppen, die Stadt Palmyra wieder erobert und die IS-Kämpfer, die während der Offensive hohe Verluste erleiden, zurückgedrängt zu haben. Zahlreiche Bauwerke sind durch den IS zerstört worden. Die vorerst entstandene Waffenruhe wird von den Rebellen im April aufgekündigt und die Kämpfe gehen mit voller Härte und Brutalität weiter. Am 30. Mai werden die Friedensgespräche von Genf für gescheitert erklärt. Am 22. März werden bei Selbstmordanschlägen in Brüssel 35 Menschen getötet. Der IS bekennt sich zu den Anschlägen. 

Das EU-Türkei-Abkommen wird beschlossen 

Am 18. März wird das EU-Türkei-Abkommen, in der Presse auch als „Flüchtlingsdeal“ oder „Flüchtlingspakt“ bekannt, mit dem Ziel beschlossen, die Zahl der über die Türkei nach Europa kommenden Geflüchteten einzudämmen. Die türkische Regierung soll dafür über 40 Millionen Euro an Hilfsleistungen bekommen. 

Ab Juli ist die von den Rebellen kontrollierte Hälfte Aleppos von den Versorgungslinien abgeschnitten. Es kommt immer wieder zu Versuchen der Rebellen, den Belagerungsring der Regierungstruppen zu durchbrechen. Russland und das Assad-Regime bieten den Rebellen Ende Juli an, Aleppo zu verlassen. Die Oppositionskräfte gehen nicht auf das Angebot ein. Währenddessen spaltet sich die Al-Nusra-Front von der Terrororganisation Al-Quaida ab und nennt sich „Dschabhat Fatah asch-Scham“. 

Ende August startet die Türkei eine Offensive in Nordsyrien. Das erklärte Ziel ist es, den IS sowie kurdische Kämpfer zurückzudrängen. 

Am 10. September wird eine erneute Waffenruhe von Russland und den USA vereinbart, die am 12. September beginnen soll. Erneut ausgenommen sind der IS und die Al-Nusra-Front. Nur sieben Tage später wird der Waffenstillstand vonseiten der syrischen Regierung beendet. Das Assad-Regime startet eine neue Offensive auf die Stadt Aleppo. Ein erneutes Friedensgespräch im Oktober scheitert. 

Aleppo liegt in Ruinen. 

Im November werden die anhaltenden Luftangriffe auf Aleppo von Russland ausgesetzt. Moskau stellt den Aufständischen ein Ultimatum. Die Rebellen sollen die Stadt innerhalb von 24 Stunden verlassen. 250.000 Menschen sind nach UN-Angaben von einer Hungersnot bedroht. Das Ultimatum geht ohne Folgen vorüber – Russland startet eine groß angelegte Offensive auf die Provinzen Homs, Idlib und die Stadt Aleppo. 

Im Dezember verkündet die syrische Armee, die Kontrolle über Aleppo übernomemn zu haben. Den Rebellen wird angeboten, die Stadt zu verlassen. Gerüchte über Kriegsverbrechen in Aleppo werden laut. Die UN beschließt, die Vorgänge in Syrien dokumentieren zu lassen, um etwaige Kriegsverbrecher zur Rechenschaft ziehen zu können. 

Am 30. Dezember tritt beinahe in ganz Syrien eine Waffenruhe, der zwischen der Türkei und Russland ausgehandelt wurde, in Kraft. 

2017: Das Banner des IS steht in Flammen 

In Kasachstans Hauptstadt Astana wird von Russland, der Türkei und dem Iran eine Konferenz zu Syrien abgehalten. Wieder werden Waffenruhen für einzelne Gebiete bestimmt, die immer wieder gebrochen werden. Zehn Monate nach der letzten Konferenz in Genf laufen auch in der in der Schweiz erneute Friedensgespräche. Das Treffen geht im März ergebnislos zu Ende. 

Im Mai erklärt Russland Teile Syriens zu Schutzzonen. In den Gebieten solle ab sofort eine Waffenruhe herrschen. Humanitäre Hilfe soll ungehindert ihren Weg zu den Zivilisten finden können. Der Luftraum über den Regionen wird von Russland bewacht. 

Die Lage in Syrien im Jahr 2017. 

Das kurdische Militärbündnis der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) rückt im Mai nach Raqqa, der wichtigsten Stadt des IS, vor. Im September wird erklärt, die Altstadt von Raqqa sei unter Kontrolle der SDF. Mitte des Monats ist die Stadt vollständig von der Herrschaft des IS befreit. Der IS kontrolliert nun nur noch ein Gebiet zwischen dem Euphrat und der Grenze zum Irak. 

Auf dem G20-Gipfel in Hamburg am 7. und 8. Juli 2017 vereinbaren US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin einen Waffenstillstand für den Südwesten Syriens. Die syrische Armee kann immer mehr Gebiete für sich beanspruchen. 

Mitte September wird eine „Deeskalationszone“ in der Region Idlib von Russland, dem Iran und der Türkei vereinbart. Das türkische Militär errichtet Beobachtungsposten. Die Lufthoheit behält die russische Luftwaffe. 

Am 7. Dezember 2017 verkündet Russlands Präsident Wladimir Putin, ganz Syrien sei von den IS-Terroristen befreit. Weite Teile der russischen Streitkräfte sollen aus Syrien abgezogen werden. 

2018: Syrien – Spielball internationaler Mächte 

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan kündigt im Januar 2018 an, türkische Soldaten würden bei Manbidsch und Afrin gegen kurdische Kämpfer vorgehen. Die Türkei verstößt damit gegen das Völkerrecht, da die Soldaten in syrischen Hoheitsgebiet vordringen. Zudem wurde der Beginn des Einmarsches von Festnahmen von Journalisten begleitet, die kritisch über den Militäreinsatz berichteten. Türkische Artillerie beginnt, die Stadt Afrin zu beschießen. Massive Angriffe von türkischen Kampfflugzeugen folgen. 

Im März 2018 kann die türkische Armee die Stadt Afrin erobern. Die Stadt selbst soll nach Angaben der Türkei nicht verteidigt worden sein, die kurdischen Truppen hätten sich vor der Offensive zurückgezogen. Erdogans Truppen werden von radikalen islamistischen Milizen unterstützt. Zehntausende Kurden müssen aus der Region fliehen. 

Hilfsorganisationen berichten im April von einem Chlorgasangriff auf die Stadt Duma in Ost-Ghouta nahe Damaskus. Duma ist der letzte Ort in der Region, in der Aufständische noch gegen die Truppen des Assad-Regimes kämpfen. Die syrische Regierung steht unter Verdacht, hinter dem Angriff zu stecken. Russische Militärs untersuchen den Ort und bezeichnen die Meldung als „Fake News“. 

US-Präsident Donald Trump reagiert mit Gewalt: als Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgasangriff bombardieren Amerikaner, Briten und Franzosen Ziele in Syrien. Die Angriffe gelten vor allem einem Forschungszentrum in DAmaskus und einem Chemiewaffenlager in Homs. Die syrische Regierung soll damit abgehalten werden, weiterhin Giftgas einzusetzen. Deutschland, Israel, die Türkei und die NATO begrüßen die Angriffe. 

Im Juni beginnen syrische Regierungstruppen mit einer Offensive auf die Rebellengebiete im Südwesten des Landes bei Daraa. Zuvor hatte Russlands Luftwaffe den Druck auf die Rebellen verstärkt. Im Juli legen die letzten Rebellen in Daraa ihre Waffen nieder oder fliehen – damit bleibt die Provinz Idlib die letzte Rebellenhochburg in Syrien

Im Dezember können die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) die letzte IS-Bastion Hadschin in Ostsyrien einzunehmen. Noch immer hält der IS aber Dörfer in der Region. US-Präsident Donald Trump kündigt Ende des Jahres an, dass er plane, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen. 

2019: Angriff auf Idlib und der Einmarsch der Türkei in Syrien

Das syrische Regime geht mit Unterstützung von Russland gegen die letzte Rebellenhochburg des Landes in der Provinz Idlib vor. Schwere Bombardements regnen auch auf zivile Ziele in der Region nieder. Die UNO warnt vor einer humanitären Katastrophe in der Region, die von drei Millionen Zivilisten bewohnt wird. 

Donald Trump revidiert im Februar seine Entscheidung, US-Truppen aus Syrien abzuziehen. Er war von Seiten des amerikanischen Militärs heftig kritisiert worden, weil Washington die syrisch-kurdischen Truppen im Stich ließe, mit denen man den IS bekämpft hätte. 400 amerikanische Soldaten sollen in Syrien verbleiben. 

Syrische Soldaten verbrennen eine Flagge des IS. 

Im März 2019 verkündet die kurdische SDF-Miliz, dass der Islamische Staat endgültig vernichtet wurde. Mit dem Fall des Dorfes Baghuz im Osten des Landes hat der IS sein letztes Territorium verloren. Tausende Kämpfer verschwinden in den Untergrund, um sich auf einen Guerillakrieg vorzubereiten. 

Ende April beginnen die Regierungstruppen mit einer Luft- und Bodenoffensive auf Idlib. Dabei werden auch Krankenhäuser, Schulen und Wohnhäuser bombardiert. Das Assad-Regime versucht derweil, seine Macht in dem kontrollierten Territorium wieder zu festigen und den Wiederaufbau in Gang zu bringen. Die UNO schätzt die Kosten eines Wiederaufbaus auf mindestens 250 Milliarden Dollar. 

Im Oktober beginnt die Türkei eine groß angelegte Offensive in Nordsyrien. Sie beginnt am 09. Oktober 2019 mit Luft- und Artillerieangriffen, gefolgt von Bodentruppen. Sie trägt den Namen „Operation Friedensquelle“ und soll darauf abzielen, Selbstverteidigung gegen eine mögliche terroristische Bedrohung seitens der Kurden zu leisten. Kritiker werfen der Türkei erneut vor, völkerrechtswidrig zu handeln. Präsident Erdogan berief sich dabei auf das Adana-Abkommen zwischen der Türkei und Syrien, das besagt, dass türkische Truppen im Falle einer terroristischen Bedrohung bis zu 15 Kilometer auf syrischen Territorium vordringen dürfen. Am 17. Oktober einigen sich die Türkei und die USA auf eine Waffenruhe. 

Eine Frau hält sich schützend die Hand vors Gesicht. Kurdische Streitkräfte haben Feuer gelegt, um die Sicht türkischer Flugzeuge einzuschränken. 

Der Anführer des weitestgehend zerschlagenen IS, Abu Bakr al-Baghdadi, wurde im Rahmen eines US-Militäreinsatzes in der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober 2019 in Barischa getötet. 

Anfang Dezember werden die Luftangriffe auf die Provinz Idlib verstärkt. Ende des Jahres fliehen weitere 235.000 Menschen aus der Region Idlib. Viele Vertriebene benötigen aufgrund des Winters dringend humanitäre Hilfe und Unterkünfte, teilt das UN-Nothilfebüro Ocha per Twitter mit. Viele Hilfsorganisationen hätten ihre Arbeit in Teilen der Provinz Idlib jedoch aufgrund der Angriffe einstellen müssen.

Der türkische Präsident Erdogan hatte Europa vor einer neuen Migrationswelle gewarnt. Die Militäroperation gegen Rebellen in der Provinz Idlib hatte bereits im April begonnen. Schon in den ersten Monaten nach Beginn der Offensiven mussten schätzungsweise 400.000 Menschen ihre Heimat verlassen. Die heftigeren Angriffe seit Anfang des Monats verschärfen die Fluchtsituation noch einmal.

2020: Kampf um Idlib – Spannungen zwischen Türkei und Russland 

Die Türkei droht dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad mit Vergeltung, sollten Regierungstruppen in der umkämpften Provinz Idlib weiter die türkische Armee angreifen. Die syrische Armee rückt mit russischer Unterstützung verstärkt gegen die von dschihadistischen Milizen dominierten Rebellen in der Provinz Idlib vor. Der syrische Machthaber Assad ist entschlossen, die Region wieder unter seine Kontrolle zu bringen. Die Türkei hingegen unterstützt die Rebellen. Syrische Regierungstruppen erobern mehrere Städte und Dörfer im Westen der Provinz Aleppo erobert.

Als Reaktion auf die andauernden Angriffe auf Idlib hat die Türkei die Grenzen für unzählige Geflüchtete geöffnet. Die Türkei werde die Grenzen nicht länger für Geflüchtete schließen, „die nach Europa wollen“, sagte ein ranghoher Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Bereits zuvor hatten türkische Medien berichtet, die Türkei habe ihre Grenzen zu Griechenland und Bulgarien „geöffnet“.

Von Marvin Ziegele

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