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Lawrow in der Türkei: Keine Einigung über Getreidekorridor im Ukraine-Krieg

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Das Treffen in der Türkei zwischen Sergej Lawrow und Mevlüt Cavusoglu endet ohne eine Lösung für die Getreideexporte, die noch immer in den ukrainischen Häfen festsetzen.

+++ 14.30 Uhr: Das Treffen zwischen Russland und der Türkei endet mit Schuldzuweisung und Relativierung. Eine Lösung ist weiter nicht in Sicht. Außenminister Sergej Lawrow machte bei einem Besuch in der Türkei am Mittwoch die Ukraine selbst für die Blockade im Schwarzen Meer verantwortlich.

Lawrow machte in Ankara die Ukraine für die fehlende Einigung in Sachen Getreideexporte verantwortlich. Kiew weigere sich weiterhin, die Gewässer rund um die Häfen zu entminen oder die Sicherheit von Durchfahrten von Frachtschiffen zu gewährleisten. das sagte Lawrow nach einem Treffen mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu in Ankara. Konkrete Ergebnisse wie etwa die Einrichtung eines Sicherheitskorridors brachte das Treffen nicht.

Schon so spät? Sergej Lawrow und Mevlüt Cavusoglu gehen nach ihrem Treffen ohne wirkliches Ergebnis auseinander.

Faktisch blockiert die russische Marine seit Beginn des Angriffskriegs auf das Nachbarland vor mehr als drei Monaten die ukrainischen Schwarzmeer-Häfen. Die Ukraine, weltweit der viertgrößte Getreideexporteur, sitzt deshalb auf den eigenen Vorräten fest.

Lawrow zu Besuch in der Türkei - Gespräche über Getreide-Korridor starten

Update vom Mittwoch, 8. Juni, 11.30 Uhr: Die Türkei bemüht sich, in bilateralen Gesprächen mit Russland einen „Getreide-Korridor“ auf dem Schwarzen Meer zu errichten. Darüber würde der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu mit seinem Amtskollegen Sergej Lawrow verhandeln, teilten Vertreter der türkischen Regierung mit. Lawrow war am gestrigen Dienstag (7. Juni) nach Ankara gereist, wo er sich heute mit Cavusoglu trifft.

Türkeis Außenminister Mevlüt Cavusoglu begrüßt seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow.

Der Plan rund um den „Getreide-Korridor“ beinhaltet die Einrichtung einer UN-geführten Einsatzzentrale in Istanbul vor. Von dort soll der Transport von Millionen Tonnen Getreide geregelt werden. Laut Informationen der Tagesschau zeigte sich die Regierung der Ukraine zuversichtlich. Man schätze „die Bemühungen der Türkei zur Freigabe der ukrainischen Häfen“.

Lawrow in der Türkei: Erdogan will grünes Licht von Russland für Militäraktion in Syrien

Ankara - Der russische Außenminister Sergey Lawrow wird am Mittwoch die Türkei besuchen. Auf der Tagesordnung stehen viele Punkte, die er mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu besprechen möchte. Von türkischer Seite sind die Erwartungen hoch. Die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan erwägt eine erneute Invasion in Nordsyrien. Doch dafür muss Russland zustimmen. Das scheint derzeit reine Formsache. zu sein Die Folgen für die Menschen in der Region wären dramatisch, fürchten Menschenrechtler.

Türkei: Medico international warnt vor erneuter humanitärer Katastrophe

„Alleine in der Region Shahba leben rund 100.000 Flüchtlinge, die bei der türkischen Besatzung von Afrin 2018 geflüchtet sind. Bei einer erneuten Invasion in diese Gegend müssten diese Menschen erneut flüchten,“ sagt Anita Starosta von der Menschenrechtsorganisation „medico international“ im Gespräch der FR. Eine Invasion würde das Elend der Menschen in der Shahba Region und in Manbidsch verschlimmern. „Es droht eine humanitäre Katastrophe“, fürchtet Starosta.

Anita Starosta von der Menschenrechtsorganisation „medico international“

„Einknicken vor Erdogan würde USA und Frankreich verärgern2

Ähnliche Befürchtungen äußert auch Kamal Sido, Nahostreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), gegenüber unserer Redaktion. „Hunderttausende Menschen werden die Gegend verlassen und es wird großes menschliches Leid geben“. Sido befürchtet, dass auch Deutschland einer türkischen Invasion in Manbidsch und der Shahba-Region zustimmen wird. Der Nahost-Experte warnt vor einer Zustimmung zu einer solchen türkischen Militäraktion: „Ein Einknicken vor Erdogan würde vor allem die USA und Frankreich verärgern, die sich gegen eine solche Militäraktion in Nordsyrien stellen“, so Sido.

„Erdogan versucht Wögen mit Russland zu glätten“

Der Türkei-Experte und Ex-Diplomat Ömer Murat sieht in dem Besuch von Lawrow in der Türkei auch einen Versuch der Erdogan-Regierung die Wögen mit Russland zu glätten: „Das Nato-Mitglied Türkei beteiligt sich zwar nicht an den westlichen Sanktionen gegen Russland, aber verkauft der Ukraine Drohnen“, sagt Murat. Zudem habe das Veto für einen Nato-Beitritt Schwedens und Finnlands den russischen Präsidenten Wladimir Putin erfreut.

Sichtbarkeit für Erdogan auf internationaler diplomatischer Bühne

Russland belohne den „Ärger“ innerhalb der Nato durch Erdogan. „Erdogan bekommt auf internationaler diplomatischer Bühne eine Sichtbarkeit“, so der Türkeiexperte. Dazu zählten sowohl solche Treffen zwischen Außenministern oder die Türkei als Konferenzgeber bei Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine.

Zudem ist Russland derzeit im Westen diplomatisch isoliert. Auch mit befreundetet europäischen Staaten sind Verhandlungen vor Ort ein Problem. Am vergangenen Montag musste der russische Außenminister seine zweitägige Reise nach Serbien absagen. Bulgarien, Nordmazedonien und Montenegro hatten ihre Genehmigung für die russische Regierungsmaschine verweigert. Ein Treffen in der Türkei kann Russland daher als diplomatischen Erfolg verkaufen

„Kleinste Sanktion aus Moskau würde Türkei stark treffen“

Der Türkei-Experte Ömer Murat warnt allerdings vor einer zu großen Annäherung der Türkei an Russland. „In der Erdogan-Ära hat sich die Türkei im Bereich Energie, Handel und Tourismus von Russland abhängig gemacht“. Derzeit sei die Türkei wirtschaftlich stark angeschlagen. Deswegen würde die kleinste Sanktion aus Moskau die Türkei stark treffen, fürchtet der Ex-Diplomat. (Daniel Dillmann, Erkan Pehlivan)

Rubriklistenbild: © Adem Altan/afp

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