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Wegen Krieg und Krisen: UN und Hilfsorganisationen rufen zu pflanzlicher Ernährung auf

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Von: Sandra Kathe

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Für eine nachhaltige Entwicklung von Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung sei es notwendig, dass weniger Fleisch- und Milchprodukte verzehrt werden, fordern Fachleute in Berlin.
Für eine nachhaltige Entwicklung von Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung sei es notwendig, dass weniger Fleisch- und Milchprodukte verzehrt werden, fordern Fachleute in Berlin. (Symbolbild) © Sven Hoppe/dpa

Vor dem Hintergrund hoher Lebensmittelpreise und der voranschreitenden Klimakrise fordern Forschende und Organisationen ein Umdenken zum Thema Ernährung.

Berlin – Bei einer gemeinsamen Erklärung haben verschiedene Organisationen und Ernährungsfachleute in Berlin öffentlich ein Umdenken beim Konsum von Fleisch- und Milchprodukten gefordert. Grund dafür sind Entwicklungen wie die aufgrund des Ukraine-Kriegs steigenden Lebensmittelpreise sowie die eskalierende Klimakrise. Unter anderem setzte sich etwa der Direktor des UN-Welternährungsprogramms für Deutschland, Österreich und Liechtenstein, Martin Frick, für die Forderung ein.

Nur durch die Reduktion des Konsums von Fleisch- und Milchprodukten sei es möglich zu verhindern, dass die Landwirtschaft immer mehr Ökosysteme zerstöre und damit Klimarisiken wie Extremwetter und Missernten begünstige, warnten auch Fachleute der Hilfsorganisation Misereor sowie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

Verzicht auf Fleisch- und Milchprodukte: Organisationen fordern nachhaltigere Landwirtschaft

In vielen Teilen der Welt seien wegen Dürre, vielen Waldbränden und anderen Klimaschäden Ernteausfälle zu erwarten, wie die Experten warnten. Dennoch werde mehr als die Hälfte des in Deutschland geernteten Getreides an Tiere verfüttert und auf gut 6,5 Prozent der Ackerfläche wüchsen Pflanzen für Biokraftstoffe. „Die Produktion dieser Flächen muss jetzt als Lebensmittel für Menschen genutzt werden“, forderten sie.

„Ein Absenken der Tierhaltung reduziert den Flächenanspruch, schont wertvolle Ökosysteme und reduziert Emissionen“, erklärte auch der Agrarökonom Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Ein geringer Verzehr an tierischen und hochverarbeiteten Lebensmitteln ist nachhaltiger und gesünder“, ergänzte Anja Bosy-Westphal, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin.

Forderung von Wissenschaft und Hilfsorganisationen: Hunger bekämpfen, Betriebe entschädigen

Der Agrarexperte und Vorsitzende des Beirats von Misereor, Felix Prinz zu Löwenstein, sagte, die hohen Getreidepreise könnten kurzfristig gesenkt werden, wenn in Europa die Schweinemast und damit die hohe Nachfrage nach Futtermitteln schnell und effektiv befristet gedrosselt werde – unter Entschädigung der betroffenen Betriebe. Von der Politik forderten die Forschenden und Fachleute zügig „Lenkungsabgaben“ zu erheben und Entlastungspakete zu schnüren, „damit die Nahrungsmittelpreise die wahren Kosten widerspiegeln, ärmere Haushalte aber nicht zusätzlich belastet werden“.

UN-Vertreter Frick mahnte, dass die Zahl der Menschen, die weltweit Hunger leiden, sich in den vergangenen Jahren verdreifacht hätte. Rund 345 Menschen weltweit, vor allem in armen und krisengeplagten Ländern seien betroffen und bräuchten Unterstützung beim Aufbau einer nachhaltigen und unabhängigen Landwirtschaft aufzubauen. (ska mit dpa/AFP)

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