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Krieg in der Ukraine: Verschüttet im Theater

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Von: Peter Rutkowski

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Das zerstörte Theater. Foto: Telegram/afp
Das zerstörte Theater. © AFP

Russische Terrorangriffe in der Ukraine reißen nicht ab

Wladimir Putin kann an mehreren Fronten gleichzeitig erfolgreich kämpfen: Er kann seine Streitkräfte offenbar anweisen, punktgenaue Bombardements auf zivile Ziele in der Ukraine zu verüben. Beispielsweise am Mittwochabend auf ein freistehendes Theater in Mariupol, dass mindestens 500 Frauen und Kindern als Schutzraum diente. Bis Donnerstagnachmittag bergen Rettungstrupps einige lebend aus den Trümmern. Wie viele noch verschüttet sind, wie viele tot, weiß niemand zu sagen. Am Morgen ist die nächste russische Rakete in ein Kiewer Wohnhochhaus eingeschlagen: ein Toter. Und es wird nicht der einzige an Tag 22 von Putins Überfall auf die Ukraine bleiben.

Aber wie gesagt: Putin kann noch mehr. Wie zum Beispiel das eigene Land in Schach halten. Am Donnerstag verspricht er in einer Fernsehansprache, Russland zu „säubern“ von „Abschaum und Verrätern“. Von allen, die die russische Gesellschaft spalten und Gewalt verbreiten wollten. Mit anderen Worten: alle, die gegen seinen Krieg sind (den er nicht als solchen bezeichnet sehen will).

Nebenbei weist Moskau die Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs vom Mittwoch zurück, es solle „sofort“ seinen Angriff auf die Ukraine abbrechen. „Kommt nicht in Frage“, schmetterte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag ab. Der IGH ist das höchste UN-Gericht und damit das zentrale Rechtsprechungsorgan der Vereinten Nationen. Die Urteile des Gerichts sind bindend. Eigentlich.

Während die russische Regierung sich weiter international isoliert, erfahren die inzwischen mehr 3,1 Millionen aus der Ukraine Geflüchteten international viel Solidarität. Irland erwartete am Donnerstag 1700 von ihnen, 4500 wurden bis dato in Spanien registriert, Schottland erklärte sich bereit, zum Wochenende 3000 aufzunehmen, mehr als 187 000 sind in Deutschland angekommen, rund 270 000 in Tschechien, Washington erörtert Möglichkeiten, jetzt Geflüchtete zu Verwandten in die USA zu bringen... An diesem Donnerstag sollte der UN-Sicherheitsrat zusammenkommen, um über die humanitäre Lage in der Ukraine zu beraten. Angesichts der russischen Mitgliedschaft dort würde das wohl eine diplomatische Übung bleiben.

Derweil nehmen die Lieferungen von Militärgütern in die Ukraine weiter zu; Kiew selbst hat Tokio gebeten, japanische Satellitentechnik zugänglich zu machen. Kanada hat erstmals Sanktionen gegen Regierungsangehörige in Belarus verhängt wegen deren Unterstützung für die russische Aggression. Großbritannien verlegt Luftabwehrsysteme zum Nato-Partner Polen. Unbekannte haben massive Cyber-Angriffe auf die digitale Infrastruktur der russischen Regierung begonnen.

In diesem Klima zunehmender Hektik – Fachleute erwarten zum Wochenende hin neue Offensiven der russischen Truppen in der Ukraine – sorgen die Aussagen der ukrainischen und der russischen Unterhändler für Vorbedingungen einer friedlichen Lösung für weitere Verwirrung: Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksii Reznikov sagte am Donnerstag, man fertige schon Dokumente aus, die in Kraft treten könnten, wenn Russland einem Waffenstillstand zustimmt. Russische Unterhändler sprechen davon, sie würden „kolossale“ Anstrengungen unternehmen. Nach Meinung westlicher Offizieller gibt es aber weiterhin „eine immense Distanz“ zwischen den beiden Parteien.

Und so schrillen die Sirenen in der Ukraine weiter, sterben dort Menschen weiter. mit afp

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