IM GESPRÄCH

Krieg am Golf träfe auch Kabul

Ein Wirtschaftsexperte warnt

Wegen des Truppenaufmarschs gegen Irak hegt Kinnemann "ganz große Befürchtungen". Es stehe dahin, "ob wir überhaupt noch etwas bewerkstelligen können, wenn es zu einem Flächenbrand kommt". In der gesamten Region seien die Nerven gespannt. "Der Schuss kann ungeheuer nach hinten losgehen."

Weiterhin kontrollieren hochgerüstete Warlords mit ihren Milizen weite Landstriche Afghanistans. Kinnemann sieht die Kabuler Regierung aber auf dem richtigen Weg. Ihr sei klar, dass ein Finanzausgleich zwischen Zentrum und Peripherie geschaffen werden müsse, damit regionale Machthaber mit der Hauptstadt kooperierten. Der Fachmann, dessen Arbeit vertraglich mit der staatlichen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn geregelt ist, lobt erste offizielle Abkommen mit den Milizenführern. Er hält es für machbar, mit finanziellen Mitteln die interne Abrüstung zu erreichen. Man könne den Warlords in den nächsten Jahren schwere Waffen abkaufen und eine einheitliche Armee Afghanistans etablieren.

Für ein größeres Problem hält Kinnemann Drogenanbau und -handel: "Es gibt nichts, was nur annähernd so lukrativ ist." Die Bekämpfung von Schwarzmarkt und Schmuggel und ist aus seiner Sicht langfristig nur militärisch möglich. Er verweist darauf, dass es den Taliban gelungen war, mit "brutalen Mitteln" die Opiumwirtschaft fast auf null herunterzufahren.

Positiv hebt der Sonderbeauftragte Berlins die Kooperation mit den US-Partnern hervor: "Sie klappt gut." Auch in den Vereinigten Staaten gebe es "eine Reflexion der Rolle der eigenen Truppen". Das Interesse Washingtons am Aufbau friedlicher Strukturen sei in den vergangenen drei Monaten gewachsen. Kinnemann schließt das auch aus Texten des State Departments. Die US-Verantwortlichen, die in der Vergangenheit in Afghanistan taktische Allianzen kurzfristig geschlossen hätten, seien dabei, aus Erfahrungen zu lernen.

In Kabul selbst sieht Kinnemann viele ermutigende Zeichen des Neuanfangs. Ruinen prägten zwar weiterhin die Fernsehbilder, aber der Hauptstadtalltag sei in vieler Hinsicht erfreulich. Kleingewerbe und Kleinhandel blühten, täglich mache ein neues Restaurant auf. Karsais Kabinett zeige sich aufgeschlossen für moderne Wirtschaftspolitik und habe bei der Neuformulierung des Investitionsrechts fast alle Ratschläge des deutschen Sonderbeauftragten befolgt. Mittelfristig gebe es günstige Geschäftschancen für hiesige Unternehmen - etwa in einem neuen Gewerbegebiet, das bald den Betrieb aufnehme.

Um positive Impulse über die Hauptstadtregion hinaus wirken zu lassen, empfiehlt Kinnemann, das UN-Mandat der Schutztruppen auszuweiten. Das, betont er, sei seine Privatmeinung - und mit keiner Regierung abgestimmt.

Dossier: Krieg gegen Irak?

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