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Gaskrieg gegen Europa: Putin droht eine herbe Niederlage

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Von: Erkan Pehlivan

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Wladimir Putin droht dem Westen mit einem frostigen Winter. Doch Europa hat vorgesorgt und könnte mit einem blauen Auge davon kommen.

Moskau - Dem Westen droht ein kalter Winter. Nur eine Woche, nachdem der russische Energieriese Gazprom die Gasexporte über Nord Stream 1 nach Deutschland eingestellt hat, droht der russische Präsident Wladimir Putin erneut dem Westen. Die Energielieferungen könnten weiter gedrosselt werden, falls der Westen versuchen sollte, die Öl- und Gaspreise zu deckeln.

Hätten solche Drohungen noch vor wenigen Monaten die Märkte ins Trudeln gebracht und politische Panik ausgelöst, ist es auffällig ruhig. Offenbar hat sich Putin übernommen und könnte seinen Gaskrieg gegen Europa verlieren. Seit dem Ausbruch des Angriffskrieges auf die Ukraine konnte Gazprom die europäischen Märkte in Atem halten. Inzwischen hat das russische Staatsunternehmen die diesjährigen Gaslieferungen nach Europa im Vergleich zu 2021 um insgesamt 40 Prozent reduziert, indem es die Exporte an Großabnehmer einschränkte oder die Lieferungen an Unternehmen oder Länder, die sich dem politischen Druck nicht beugen wollten, ganz aussetzte. In Europa ist dadurch der Gaspreis auf einem Allzeithoch.

Russland: Europa stellt sich auf Taktik von Wladimir Putin ein

Jetzt scheint es so, dass sich Europa auf die Taktik Russlands eingestellt hat. Anders als im Jahr 2021, als die europäischen Gasvorräte zu dieser Jahreszeit nur zu 67 Prozent gefüllt waren, sind die Speicher inzwischen zu 82 Prozent ausgelastet und liegen damit bereits über dem von der EU für den 1. Oktober gesetzten Zielwert von 80 Prozent. Die russischen Lieferungen nach Europa betragen heute weniger als ein Viertel dessen, was Gazprom vor einem Jahr exportiert hat.

Russlands Präsident Wladimir Putin gerät nach Erfolgen der Ukraine im Krieg in die Kritik. (Archivbild)
Russlands Präsident Wladimir Putin gerät nach Erfolgen der Ukraine im Krieg in die Kritik. (Archivfoto) © dpa/Pool TASS Host Photo Agency/AP

Auch die Wirtschaft im Westen hat sich der Situation angepasst. Die Rekordpreise für Energie haben die industriellen Großverbraucher dazu veranlasst, ihre Nachfrage zu drosseln, was dazu beigetragen hat, das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wiederherzustellen. Dennoch ist die Situation für westliche Staaten und ihre Unternehmen alles andere als ideal. Bevölkerung und Unternehmen sind dazu aufgerufen, Energie zu sparen.

Russland: Europäische Haushalte setzen vermehrt auf alternative Energien

Gleichzeitig werden Sonnenkollektoren und Wärmepumpen an Gebäuden aufgebaut, um Energie zu sparen. Auch setzt der Westen vermehrt auf Flüssiggas, von denen fast die Hälfte aus den USA stammte. Sollte wie erhofft der Winter in Europa einen milderer Winter ohne ausgedehnte Kälteperioden haben, könnten die Herausforderungen bewältigt werden. „Wir werden kein Gas, kein Öl, keine Kohle, kein Heizöl liefern - wir werden nichts liefern“, sagte Putin am 8. September auf einem Wirtschaftskongress.

„Uns bliebe nur eines übrig: wie in dem berühmten russischen Märchen würden wir den Schwanz des Wolfes erfrieren lassen“. Das allerdings scheint angesichts der jüngsten Entwicklungen eher unwahrscheinlich. Auch militärisch gerät Russland in dem Ukraine-Krieg immer mehr unter Druck. In den vergangenen Tagen konnte die ukrainische Armee Tausende Quadratkilometer ihres Territoriums zurückerobern. (Erkan Pehlivan)

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