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"Krieg darf um Gottes Willen nicht sein"

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Von: Claudia Michels

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Beim öffentlichen Friedensgebet der christlichen Kirchen auf dem Frankfurter Römerberg haben Teilnehmer zum Protest gegen einen drohenden Irak-Krieg auch die Geschichte US-amerikanischer Machtausübung thematisiert: in Korea, Griechenland, Brasilien und Chile.
Beim öffentlichen Friedensgebet der christlichen Kirchen auf dem Frankfurter Römerberg haben Teilnehmer zum Protest gegen einen drohenden Irak-Krieg auch die Geschichte US-amerikanischer Machtausübung thematisiert: in Korea, Griechenland, Brasilien und Chile. © Bild: Luigi Ungarisch

Tausende von Menschen beteiligten sich am Friedensgebet der Kirchen auf dem Frankfurter Römerberg

Es werden zwischen 4000 und 5000 Menschen gewesen sein, die am Samstag Mittag dem Aufruf der christlichen Kirchen folgten, "Fünf vor Zwölf" (so das Motto der Veranstaltung) ihren Widerstand kund zu tun. "Überlasst Euch nicht einer resignierenden Haltung, widersprecht", mahnte Peter Steinacker, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau. An zwei Unterschriften-Zelten setzten Hunderte ihre Namen in Listen, die "Keine Beteiligung am Krieg gegen den Irak" überschrieben und an die deutsche Bundesregierung adressiert waren: "Wir, die Unterzeichneten, unterstützen die Bundesregierung in ihrem Bemühen, dem Frieden eine Chance zu geben und bitten sie, dies konsequent beizubehalten."

"Die Ohnmacht steht uns ins Gesicht geschrieben", eröffnete Bischof Franz Kamphaus seine Rede, "was sollen wir sagen? Es ist, als ob ein riesiges Räderwerk in Gang gesetzt ist." Niemand aber dürfe sich auf Gott berufen, wenn er zum Krieg rüstet. "Wir haben doch erlebt, dass Eiserne Vorhänge auch ohne Krieg zu überwinden sind", sagte Kamphaus und warnte: "Millionen von Menschen hungern, und auf der anderen Seite werden Millionen von Euro in den Sand gesetzt, auch im Irak. Wir finanzieren den Tod, statt das Leben zu fördern." Er kündigte "gewaltlosen Widerstand" an: "Wir stellen uns in den Weg, nicht zuletzt durch das Gebet."

Kirchenpräsident Steinacker rief die Erinnerung wach an die Zerstörung Frankfurts und des Römerbergs im Zweiten Weltkrieg: "Hier war ein Trümmerfeld, ich habe es erlebt." Bis heute werde um die Toten geweint, noch immer seien nicht alle Wunden verheilt. "Hört die Stimme eines Volkes, das Kriege vom Zaun gebrochen hat, das Juden verfolgt und Bombennächte erlebt hat", sprach der Kirchenrepräsentant die amerikanische Nation an - "tut unseren Widerstand nicht einfach so ab". Ein Irak-Krieg werde nicht nur unendliches Leid über die betroffenen Menschen bringen, sondern auch einen Keil treiben zwischen die islamische Welt und die Menschen des christlichen Kulturkreises.

"Krieg ist keine Fortsetzung von Politik, sondern Ausdruck ihres Versagens", sagte Peter Steinacker unter dem Beifall der Zuhörer. Und weiter: "Was hätte man im Irak verändern können, wenn man nur einen Bruchteil des Geldes in friedliche Mittel gesteckt hätte, das schon heute in die Kriegsvorbereitungen gesteckt worden ist."

Dossier: Krieg gegen Irak?

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