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Die Crypto AG in der Schweiz.

„Operation Rubikon“

Krieg der Chiffrier-Maschinen

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Eine Dokumentation des ZDF zeigt den „größten Coup des Bundesnachrichtendienstes“.

Auch 20 Jahre nach dem Ende der BND-Geheimdienstoperation mit dem Decknamen Rubikon sind die Protagonisten noch begeistert von ihrer Aktion: „Es sei noch einmal in aller Deutlichkeit gesagt: Die Hauptkunden von uns – wir haben sie alle betrogen und ihnen dabei auch noch reichlich Geld abgenommen“, heißt es in einer 2011 verfassten schriftlichen Aufarbeitung des Rubikon-Projekts.

BND: Chiffriergeräte wurden manipuliert

Die „Hauptkunden“, das waren mehr als 100 Staaten in Westeuropa, Asien, Afrika und Südamerika, die seit Anfang der 1970er Jahre bei der Schweizer Crypto AG angeblich unknackbare Chiffriergeräte für den Funkverkehr ihrer Regierungen und Militärs eingekauft hatten. Tatsächlich aber waren diese Chiffriergeräte zuvor so manipuliert worden, dass der deutsche Bundesnachrichtendienst und die amerikanische CIA die gesamte Kommunikation mitverfolgen konnten. Was nämlich damals niemand ahnte – die Crypto AG gehörte zu gleichen Teilen den beiden Geheimdiensten.

BND und die Operation Rubikon

Im vergangenen Monat ist durch Recherchen des ZDF, der „Washington Post“ und des Schweizer Fernsehens SRF die spektakuläre Operation Rubikon aus der Hochzeit des kalten Krieges bekannt geworden. Kurz nach der Jahrtausendwende hatten ehemalige Beteiligte von BND und CIA damit begonnen, ihr Wissen über Ablauf und Hintergründe der Aktion aufzuschreiben. Seit 2012 liegt beim BND eine in vier Exemplaren aufgelegte umfangreiche Ausarbeitung zu Rubikon vor, in blaues Leinen gebunden und mit goldenem Aufdruck. Eine Kopie des Manuskripts wurde vor einiger Zeit den an dem Rechercheprojekt beteiligten Journalisten zugespielt. Sie können nun erstmals öffentlich die Geschichte der Crypto AG erzählen, die schon seit den 1950er Jahren enge Kontakte zu US-Nachrichtendiensten pflegte, bevor sie 1970 von BND und CIA komplett übernommen wurde. Dem Coup, mit dem auch verbündete westliche Regierungen wie die aus Irland, Italien, Portugal und Spanien ausspioniert wurden, hatte der damalige Bundeskanzler Willi Brandt (SPD) zugestimmt.

TV-Tipp

Am Mittwochabendum 20.15 Uhr zeigt der Sender ZDF Info die 60-minütige Dokumentation „Geheimoperation Rubikon. Der größte Coup des BND“.

Dem BND, der bis 1993 an der Crypto AG beteiligt war, brachte die Operation Rubikon nicht nur eine Menge an Informationen aus aller Herren Länder – zeitweise beherrschte die Crypto AG 80 bis 90 Prozent des Weltmarktes für Chiffriergeräte – ein, sondern auch richtig viel Geld. So machte die Firma mit ihren manipulierten Crypto-Geräten in der besten Zeit zwischen Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre einen jährlichen Umsatz von einer halben Milliarde D-Mark. Erst 1988 brach der Profit ein. Bis dahin kassierten die Firmeneigner einen jährlichen Gewinn nach Steuern von bis zu 70 Millionen D-Mark.

BND: Operation Rubikon forderte Menschenleeben

Das Geld wurde in alter Agentenmanier geteilt. Dazu trafen sich je zwei Vertreter von BND und CIA in einer Tiefgarage im schweizerischen Zug und tauschten Koffer mit Bargeld aus. Daheim in Deutschland wurde der Crypto-Gewinn über Tarnkonten in den BND-Haushalt geschleust – „geschickterweise erst nachdem die jährlichen Haushaltsgelder vom Kanzleramt zugewiesen waren, so dass das Firmengeld für den Dienst eine zusätzliche Summe darstellte“, frohlockt der Autor des BND-Papiers noch zwanzig Jahre später und ergänzt, dass Haushaltsausschuss und Bundesrechnungshof von dieser schwarzen Kasse natürlich keine Ahnung gehabt hätten.

Allerdings forderte die Operation Rubikon auch Menschenleben aufseiten der beteiligten Geheimdienste. So wurde 1992 der deutsche Geschäftsmann Werner Graf im saudischen Riad durch eine Autobombe getötet. Das Regime schob das Verbrechen zwar angeblich rivalisierenden Alkoholschmuggelbanden in die Schuhe, aber wahrscheinlicher ist ein politischer Hintergrund: Der BND hatte Graf im Jahre 1987 als Verbindungsmann der Crypto AG in Saudi-Arabien installiert.

Kurz vor seiner Ermordung war im Iran der Schweizer Crypto-Vertreter Hans Bühler wegen Spionage festgenommen worden. Erst nach knapp einem Jahr kam er gegen Kaution frei und durfte in die Schweiz zurückkehren. Der Grund für Bühlers Festnahme war, dass Teheran herausgefunden hatte, dass westliche Geheimdienste ihre Crypto-Geräte manipuliert hatten. Denn der Irak hatte dem Mullahregime kurz zuvor mitgeteilt, dass Bagdad im Iran-Irak-Krieg 1980 bis 1988 von Washington mit Informationen über das militärische Vorgehen Teherans auf dem Laufenden gehalten worden sei, weil die USA den iranischen Funkverkehr hatten entschlüsseln können.

Diese Information verbreitete sich auch in anderen Ländern der Region und habe – so steht es in dem BND-Papier zur Operation Rubikon – einen „gewissen Flächenbrand“ in der muslimischen Welt ausgelöst. Mehrere Staaten, darunter auch Saudi-Arabien, Ägypten und Indonesien, stellten die Verwendung von Crypto-Geräten umgehend ein. Nicht ganz auszuschließen sei, so gibt der BND zu bedenken, dass auch die Ermordung eines NSA-Mitarbeiters 1995 im pakistanischen Karatschi einen Bezug zur Crypto AG gehabt haben könnte.

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