Krieg & die Bundeswehr

Nach der Posse rund um den Puma: Das würde besser zur deutschen Rüstungsindustrie passen

  • Peter Rutkowski
    vonPeter Rutkowski
    schließen

Bittere Lehre für die Bundeswehr: Früher ging es nicht nur schneller, es war auch keineswegs schlechter. Eine Glosse.

  • Bundeswehr: Generäle schlagen stets die Schlachten des vergangenen Krieges.
  • Man könnte die deutsche Rüstungsindustrie zivilen Zwecken zuführen.
  • Eine Glosse zur deutschen Rüstungsindustrie.

Es ist eine der vielen traurigen Ironien des Puma-Projekts, dass ein gleichnamiger Radpanzer der Wehrmacht sehr viel schneller entwickelt, billiger und besser gebaut sowie – leider erfolgreich – eingesetzt wurde. Dessen technische Konzeption wurde dann dem Bundeswehr-Spähpanzer Luchs zugrunde gelegt, entwickelt ab 1968, eingesetzt von 1974 bis 2009. Fällt etwas an den Zahlen auf? Verglichen mit der nebenstehenden Entwicklungs-Tragikomödie des Puma?

Die Lobbyarbeit der deutschen Rüstungsindustrie und die Bundeswehr

Eben: Früher ging es nicht nur schneller, es war auch keineswegs schlechter. Früher aber wollte man auch gewappnet sein gegen „den Russen“, was ja die vielen Väter der Bundeswehr seit 1944 schon als ihre Kernaufgabe hatten sehen wollen. Dumm für sie, dass sie zwischendrin bedingungslos kapitulieren mussten. Jedenfalls war früher keine Zeit für die extensive Lobbyarbeit in Bundestag und Bundesministerien, wie sie die volkswirtschaftlich eigentlich eher marginale deutsche Rüstungsindustrie heute betreibt. Früher musste Ausrüstung funktionieren, passen, schießen, alles. Rüstungsskandale waren so selten, dass die Aufdeckung eines solchen durch die Presse eben jene in die Königsklasse des Journalismus katapultierte. Früher halt.

Pumas der deutschen Bundeswehr

Heute scheint immer noch eine Uralt-Regel zu gelten: Generäle schlagen stets die Schlachten des vergangenen Krieges. Nur gibt es für die Bundeswehr keinen vergangenen Krieg. Dafür gibt es Erfahrungen noch und nöcher mit Friedensmissionen, Aufbauhilfe und Guerilla (Letzteres nennt man heute euphemistisch „asymmetrische Kriegsführung“). Allesamt Einsätze, bei denen Generäle sich mit wenig Kriegerruhm bekleckern können. Ungeliebt mögen solche Einsätze für Kommissköppe sein, sinnvoller als teurer Schrott sind sie allemal.

Krieg und die Bundeswehr - das bedingt einsatzbereite „Kanonenfutter“

Politisch gesehen – und die Sichtweise geht in einer Demokratie selbstverständlich absolut vor – sind die deutschen Auslandseinsätze seit 1989 das beste Argument für eine friedensstrategische Sanierung der Bundeswehr vom „bedingt einsatzbereiten“ Kanonenfutter eines nie gewesenen Nuklearkrieges zu etwas, ... das tatsächlich noch nie da gewesen ist: eine „Truppe“ geschulter Soldatinnen und Soldaten, gebildet in Handwerk, Psychologie und Sozialarbeit, bewaffnet mit israelischen Gewehren (die funktionieren auch bei Staub), mobil und sicher dank leichter französischer VHL-Buggies, vielleicht bekleidet mit etwas, das nicht dezent an die Tarnjacken der Waffen-SS erinnert, gewappnet mit ausdauernden und robusten britischen Challenger-Panzern ...

Dann könnte man die deutsche Rüstungsindustrie zivilen Zwecken zuführen – da wird jede Expertise gebraucht. Und man könnte endlich Schluss machen mit den unzeitgemäßen Tiernamen.

Rubriklistenbild: © Holger Hollemann / dpa

Mehr zum Thema

Kommentare