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Rauchwolke eines Luftschlags durch Assads Truppen in Hamuria in der Region Ost-Ghuta.

Syrien

Der Krieg aller gegen alle

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Syrien ist ein riesiges grausames Schlachtfeld ? allen Friedensrufen und Initiativen zum Trotz.

Seit nun sieben Jahre wird in Syrien gekämpft und gestorben und kein Ende ist in Sicht. Der „Islamische Staat“ ist nach einem dreijährigen Ringen besiegt, dafür aber gehen seit Beginn des Jahres die Beteiligten der internationalen Anti-IS-Allianz heftiger denn je aufeinander los. Die Lage in dem Bürgerkriegsland gerät mehr und mehr außer Kontrolle – mit unabsehbaren Folgen für seine Bewohner, für die nahöstliche Region und für das Machtgefüge des Globus. Viele Lunten lodern an dem Pulverfass Syrien. Wir dokumentieren die fünf wichtigsten Konfrontationen in diesem Vielfrontenkrieg.

Assad-Regime vs. Opposition

Die schrecklichsten Bilder kommen derzeit aus Ost-Ghuta. Seit Tagen und Wochen wird die Rebellen-Enklave östlich von Damaskus rund um die Uhr bombardiert. „Was hier passiert, ist jenseits jeder menschlichen Vorstellungskraft“, sagte der UN-Hilfekoordinator für Syrien, Panos Moumtzis. „Dieser Alptraum muss aufhören und zwar sofort.“ Allein in dieser Woche kamen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bereits mehr als 300 Frauen, Männer und Kinder ums Leben, die meisten begraben unter den Trümmern ihrer Häuser. Drei weitere Krankenhäuser wurden durch den syrisch-russischen Bombenhagel zerstört. Zehntausende der 400 000 Eingeschlossenen hungern. Inzwischen massiert Baschar al-Assad rund um Ost-Ghuta die Elite-Division „Tiger“, die das gesamte Gebiet zurückerobern sollen. Der Diktator bleibt dabei, dass alle seine Gegner „Terroristen“ seien und er ihnen „jeden Zentimeter“ syrischen Bodens abringen werde, nicht nur Ost-Ghuta, auch die Rebellen-Enklave Idlib.

USA vs. Russland und Assad

Nach den Siegen in Rakka und Deir as-Saur tobt der Feldzug gegen die Reste des IS nun am syrischen Unterlauf des Euphrat. Entlang des östlichen Ufers rücken die arabisch-kurdischen Einheiten der Syrisch Demokratischen Front (SDF) vor, die von den USA ausgerüstet und aus der Luft unterstützt werden. Parallel dazu operieren am westlichen Ufer syrische Truppen zusammen mit iranisch-irakischen Milizen und russischen Söldnern. Am 7. Februar kam es zwischen beiden Seiten zu einem bisher beispiellosen Zwischenfall: Nachdem Assads Leute die SDF mit Panzern und Artillerie angegriffen hatten, wurden sie von US-Hubschraubern und Kampfbombern unter Feuer genommen. Mindestens 200 Soldaten kamen ums Leben, darunter mehrere Dutzend russische Söldner der „Wagner-Gruppe“, die im Auftrag Moskaus in Syrien operieren. Ein solches US-Massaker an Russen könnte leicht in eine direkte Konfrontation münden. Derzeit sind 2000 US-Soldaten in Syrien.

Türkei vs. Kurden

Am 20. Januar gab Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan den Marschbefehl. Die türkische Armee überquerte die Grenze zu Syrien und marschierte in die kurdische Enklave Afrin ein. Die gehört zu dem quasi-autonomen syrischen Gebiet Rojava, welches aus den drei kurdischen Kantonen Al-Jazira, Kobane und Afrin besteht. Den Türken geht es vor allem darum, die kurdischen „Volksverteidigungseinheiten“ (YPG) aus dem Grenzgebiet zu vertreiben, die sie wegen ihrer engen Verbindungen zur PKK als Terrororganisation deklariert. Die YPG jedoch sind das Rückgrat der US-geführten Anti-IS-Kräfte. Am Dienstag kündigte Erdogan an, seine Armee werde Afrin direkt angreifen und abriegeln. „Auf diese Weise wird die Hilfe von außen blockiert“, erklärte er als Reaktion auf die Ankündigung Assads, den Kurden militärisch beizuspringen.

Assad vs. Türkei

Die bedrängten YPG-Kurden von Afrin riefen die syrische Regierung zu Hilfe, weil die USA ihnen in diesem Konflikt mit Ankara die Unterstützung verweigert und Russland sich demonstrativ abseits hält. Seit Dienstagmittag rücken Assads Milizen in der Enklave von Afrin vor – unter türkischem Artilleriefeuer. Diese syrischen „Volkseinheiten“ sollen die Türken vertreiben und entlang der Grenze Position beziehen, was eine direkte Konfrontation zwischen Damaskus und Ankara praktisch unausweichlich macht. Für die Kurden hat diese heikle Intervention der ungeliebten syrischen Staatsmacht einen hohen politischen Preis. Denn Assad riskiert die Aktion nur, um die Autonomie-Wünsche der kurdischen Minderheit zu beschneiden.

Israel vs. Iran und Hisbollah

Zwar tat der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif den Auftritt von Benjamin Netanjahu auf der Münchner Sicherheitskonferenz als Zirkus ab. Aber der Krieg der Worte eskalierte. Wütend hielt Israels Premier allen Kameras ein Metallstück entgegen, Teil einer iranischen Drohne, die seine Luftwaffe am 10. Februar über dem Golan abgeschossen hatte. Im Gegenzug flogen israelische F-16 Angriffe gegen iranische und syrische Stellungen. Auf dem Heimflug gelang es der syrischen Luftabwehr, einen der Jets abzuschießen. Nach Telefonaten Ne-

tanjahus mit Donald Trump und Wladimir Putin beruhigte sich die Lage zunächst wieder. Doch Israels Regierungschef versicherte, sein Land werde es nicht hinnehmen, dass der Iran eine „dauerhafte militärische Präsenz in Syrien“ etabliert. Etwa 3000 Revolutionäre Garden sind zurzeit dort – plus zumindest 10.000 von Teheran geworbene Milizionäre, überwiegend Iraker und Afghanen. Die libanesische Hisbollah ist mit 6000 Kämpfern vor Ort. „Testen Sie nicht unsere Entschlossenheit“, drohte Netanjahu den Iranern in München: Israel werde, wenn nötig, auch den Iran selbst angreifen.

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