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Rasmussen wird neuer Nato-Generalsekretär.
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Rasmussen wird neuer Nato-Generalsekretär.

Nato-Amtsantritt Rasmussen

Kreuzritter als Brückenbauer

  • Hannes Gamillscheg
    VonHannes Gamillscheg
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Anders Fogh Rasmussen hat in der islamischen Welt keinen guten Ruf. Er hatte zwei Botschaften: respektvoll nach außen, beinhart nach innen - als neuer Nato-Generalsekretär muss er umdenken. Von Hannes Gamillscheg

Kopenhagen. Fast triumphierend kommentierten Afghanistans Taliban die Ernennung von Anders Fogh Rasmussen zum Nato-Generalsekretär: "Der große Feind des Propheten" führe nun das westliche Militärbündnis, hieß es auf den Websites der radikalen Bewegung. Dies werde unumgänglich "den Glauben aller Muslime an den Kampf gegen die Nato" stärken und den Krieg in Afghanistan intensivieren, prophezeiten die Taliban-Führer. Für sie steht der ehemalige Ministerpräsident Dänemarks in der Reihe der verhassten "Kreuzritter" auf einer Stufe mit George Bush und Tony Blair.

Rasmussens umstrittene Rolle im Karikaturenstreit verfolgt den 56-Jährigen nun bis auf den Nato-Posten. Die Türkei hatte ihren Widerstand gegen seiner Ernennung lange mit dem Verhältnis zur islamischen Welt begründet: Mit Rasmussen an der Spitze habe die Allianz dort keine Glaubwürdigkeit. Der Gescholtene selbst eilte tags darauf nach Istanbul, um auf einer Konferenz über den Dialog der Zivilisationen sein Image zurechtzurücken. Dort bezeichnete er Meinungsfreiheit als Voraussetzung für einen ehrlichen Dialog und Zensur als dessen Feind.

Dann aber fügte er mit Blick auf den Karikaturen-Streit hinzu, er verurteile jede Handlung, die darauf abziele, Menschen auf Grund ihrer Religion oder ethnischen Herkunft zu dämonisieren. "Ich respektiere den Islam als eine der großen Religionen." Niemals würde er eine religiöse Gestalt wie den Propheten Mohammed so darstellen, dass "die Gefühle anderer verletzt werden könnten". Das habe er "vor, während und nach der Krise" stets so gesehen.

Hätte er das damals auch so gesagt, hätte sich die Veröffentlichung von zwölf Karikaturen des Propheten in der Zeitung Jyllands-Posten kaum zum Flächenbrand in der islamischen Welt entwickelt. Doch damals tönte Rasmussen anders. Als die Botschafter aus elf islamischen Ländern ihn um ein Treffen baten, um die Karikaturen und die "antiislamische Stimmung" in Dänemark zu erörtern, lehnte der Premier dies schroff ab: Die Pressefreiheit sei unantastbar und er könne sich nicht in "redaktionelle Belange einmischen".

Was er in Istanbul sagte, hatte er zwar fast wörtlich auch drei Jahre früher zum Ausdruck gebracht in einem Interview mit dem TV-Sender Al-Arabija. Doch dies geschah in einem Versuch, die Krise einzudämmen, als schon dänische Botschaften in Damaskus, Beirut und Teheran brannten, Millionen Muslime in Protestkundgebungen auf die Straßen gingen und dänische Waren im Nahen Osten aus den Supermarktregalen verbannt waren.

Rasmussen hatte zwei Botschaften: respektvoll nach außen, beinhart nach innen. Einerseits gab er den großen Verteidiger der Meinungsfreiheit. Doch andererseits warf er denen, die anderer Ansicht waren als er, Verrat vor.

Als er 2001 als liberaler Oppositionsführer die Regierungsmacht eroberte, hatte er den "Kampf der Werte" propagiert. Doch er verbündete sich mit der ausländerfeindlichen Rechten, die seiner Regierung im Parlament den Rücken freihielt und dafür mit stets neuen Verschärfungen des Einwanderungsrechts belohnt wurde. Er bewundert die USA als Hort der Freiheit und blieb George Bushs treuester Vasall, auch als dieser grundlegende Freiheitsrechte missachtete.

Doch Rasmussen ist anpassungsfähig, pragmatisch und liebt die Macht. Er weiß, was nötig ist, um sie zu erhalten. So sagt er nun, dass "Dialog und Zusammenarbeit mit der muslimischen Welt" zu seinen Prioritäten als Nato-Generalsekretär zählen werden. Der Kreuzritter spielt jetzt den Brückenbauer.

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