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Fährt ein Rekordergebnis ein: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (die Grünen).
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Fährt ein Rekordergebnis ein: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (die Grünen).

Landtagswahl in Baden-Württemberg

Kretschmann mit Rekordergebnis

  • Bernhard Honnigfort
    VonBernhard Honnigfort
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Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist mit den Grünen die stärkste Kraft. Eine Deutschlandkoalition könnte seine Partei dennoch aus der Regierung drängen. Kretschmann will als Ministerpräsident weitermachen.

Natürlich dauert der Applaus minutenlang und Ehefrau Gerlinde klatscht so kräftig mit, als würde sie in der Pressestelle des Bundesjustizministers arbeiten. Aber irgendwann kommt Gemahl Winfried Kretschmann dann doch zu Wort. Wie vom Donner gerührt steht er da. „Ein furioser Sieg“, entfährt es ihm im rappelvollen Saal der Stuttgarter Staatsgalerie, wo die Grünen ihn und sich und diesen verrückten Sonntag lärmend feiern. Baden-Württemberg habe ein zweites Mal Geschichte geschrieben, sagt Kretschmann. „In Demut“, formuliert er ganz kretschmannhaft, werde er mit dem Resultat umgehen.

So kennt man ihn im Ländle, den 67-jährigen Regierungschef. So mag man ihn. Geschichte haben auch andere geschrieben. Die CDU, die zwischen 1953 und 2011 ganze 58 Jahre regierte: Schlechtestes Ergebnis, erstmals hinter den Grünen. Mit einem unglücklichen Spitzenkandidaten Guido Wolf angetreten, der am Sonntag auch noch fast ungültig gewählt hätte, weil er einen Briefumschlag in die Urne stecken wollte.

Der bisherige Koalitionspartner SPD: Ein Resultat wie bei den mickrigen Landesverbänden im Osten und auch noch hinter der AfD auf Platz vier. „Ein bitterer Tag“, urteilt Nils Schmid blass, der scheidende Minister für Finanzen und Wirtschaft. Volkspartei SPD? „Da muss man ein dickes Fragezeichen setzen“, meint verbittert ein Genosse.

Noch ein Geschichtsschreiber: Die AFD mit ihrem Bundessprecher Jörg Meuthen. Auf Anhieb zweistellig im Landtag, ein Erfolg, auch wenn keiner im Traum daran denkt, mit den Rechtspopulisten zu regieren. Das Ergebnis in Stuttgart ist derart verwirrend, dass es auf allen Wahlpartys ein Weilchen braucht, um ins Bewusstsein einzusickern. Ein übergroßer Kretschmann. Und ansonsten: Wie geht es weiter? Grün-Rot ist vorbei. Was geht, was eher nicht? Am schnellsten scheint sich Kretschmann gefangen zu haben. Er erklärt sofort, eine Regierung bilden zu wollen. „Vor der Wahl muss man sagen, was man will“, ruft er. „Und danach macht man, was man tun muss.“

Selten war eine Landtagswahl im deutschen Südwesten so spannend wie diese, selten aber auch gab es einen entspannteren Amtsinhaber. Egal, wie es am Wahlabend aussehen würde: „Irgendjemand muss das Land ja regieren“, hatte Kretschmann vorher mitgeteilt – und Sonntagabend mit noch breiterem Grinsen wiederholt.

Über Wochen hatten sich die Grünen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU geliefert. Nach Schließung der Wahllokale dauert es keine zehn Minuten, bis sich die Union als Koalitionspartner anbietet. Eher theoretischer Natur sind die anderen Möglichkeiten: Grüne plus SPD plus FDP, ein Bündnis, für das sich der grüne Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer wortreich einsetzt. Aber das will die FDP offensichtlich nicht, ihr Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke spricht sich für die „Deutschland“-Option aus: CDU, SPD, FDP – aber dafür reicht es nicht einmal mehr. Noch nie hat es in Baden-Württemberg einen beliebteren Politiker gegeben als diesen knarzigen Bio- und Chemielehrer, der als er studierte ein wilder Kommunist war, später im Kirchenchor sang und auf seine alten Tage ein beliebter Landesvater geworden ist, wie ihn sein Ländle noch nicht hatte – einen Grünen.

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