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Rassistischer Name: Besitzerin benennt Apotheke im Kreis Kassel um

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M-Apotheken gibt es in ganz Deutschland. Die Besitzerin einer Apotheke in Hofgeismar hat sich jetzt zu einer Umbenennung entschlossen. (Symbolbild)
M-Apotheken gibt es in ganz Deutschland. Die Besitzerin einer Apotheke in Hofgeismar hat sich jetzt zu einer Umbenennung entschlossen. (Symbolfoto) © Peter Steffen/dpa

Weil sie anerkennt, dass der Name ihrer Apotheke in Hofgeismar bei Kassel eine rassistische Konnotation hat, entschließt sich die Besitzerin, sie umzubenennen.

Hofgeismar – Ein großer Teil der weißen Mehrheitsgesellschaft dürfte das M-Wort als neutrale oder gar positive Bezeichnung erlernt haben. Noch heute bringen viele den Begriff mit Schaumküssen und Schokolade in Verbindung und verschließen ihre Augen vor der Kolonialgeschichte dieser Fremdbezeichnung. Zudem wird das M-Wort seit Jahrzehnten vollkommen unkritisch im öffentlichen Raum verwendet. Straßen-, Hotel-, Café- und Apothekennamen, kaum ein Ort an dem es nicht zu finden ist. All dies verleiht dem Begriff eine Normalität, die ihm nicht zusteht.

Bezüglich der Verwendung des M-Wortes im Namen von Apotheken kursieren Geschichten der Ehrung afrikanischer Medizin und der Huldigung des Heiligen Mauritius. Diese und weitere Erzählungen halten jedoch allesamt keiner genaueren Überprüfung stand. Die Apothekerin Cordula Stark vernahm aber nicht nur diese Geschichten, sie sah auch die Veränderungen der letzten Jahre.

M-Apotheke in Hofgeismar (Kreis Kassel): Dialog mit einer Betroffenen leitet Wandel ein

Die Firma Sarotti trennte sich bereits vor einiger Zeit vom Namen ihrer Symbolfigur und demnächst wird auch die Berliner M-Straße samt U-Bahn Haltestelle umbenannt. In Augsburg änderten die Verantwortlichen den Namen eines 5 Sterne Hotels und in Aachen wurde ein Café umbenannt. Die Zahl aller M-Apotheken in Deutschland sinkt zudem kontinuierlich.

Vor dem Hintergrund dieser Ereignisse beschloss die Apothekerin, sich tiefgründiger mit der Thematik zu befassen. Eines wollte sie nämlich auf keinen Fall: Menschen durch den Namen ihrer Apotheke verletzen. Nach einem persönlichen Gespräch mit einer betroffenen Person entschloss sich Frau Stark schließlich, das M-Wort aus dem Namen ihrer Apotheke zu streichen.

Apotheke bei Hofgeismar (Kreis Kassel): Alter Name hat rassistische Konnotation

Zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert wurden Schwarze Menschen, überwiegend als Versklavte des deutschen Adels und Bürgertums in Deutschland lebend, als M-Wort bezeichnet. Sie galten als Statussymbol und Unterlegene ihrer weißen Herren. Das M-Wort ist eine Fremdbezeichnung und war schon immer despektierlich gemeint.

Die Geschichte der wirksamen afrikanischen Medizin bezüglich der M-Apotheken ist hingegen eine Geschichte der Aneignung indigenen Wissens und kolonialer Ausbeutung, nicht der Ehrung Schwarzer Menschen.

Apotheker:innen die bei der Namensgebung den Heiligen Mauritius im Sinn hatten, nannten ihre Apotheke „St. Mauritius Apotheke“, nicht M-Apotheke. (Thomas Hunstock)

Auch in Frankfurt hat sich die Ausländervertretung für die Umbenennung zweier Apotheken mit rassistischem Namen eingesetzt.

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