Spende

Krawinkel-Familie wehrt sich

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  • Timo Dorsch
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Nach der Großspende an die AfD startet ein Neffe des Immobilienunternehmers eine Gegenaktion.

Der Schock im Rest der Familie saß tief, nachdem am Dienstag bekannt geworden war, dass sich hinter einer Spende an den thüringischen Landesverband der AfD in Höhe von 100 000 Euro der Unternehmer Christian Krawinkel verbarg.

„Wir verspürten eine gewisse Hilflosigkeit, nichts dagegen unternehmen zu können“, teilt sein Frankfurter Neffe Niklas Krawinkel auf Anfrage der FR mit. Schließlich kam der Familie die Idee, einen Aufruf für eine Gegenspende zu tätigen. Seit Freitagmittag steht auf der Internetplattform Leetchi die Spendenaktion „100 00 Euro gegen die AfD“. Die Summe, sofern sie erreicht wird, soll an das Netzwerk Polylux e.V. gehen, ein Verein der sich in ostdeutschen Bundesländern für eine demokratische und antirassistische Zivilgesellschaft stark macht und entsprechende Projekte fördert.

Während Christian Krawinkel seine finanzielle Zuwendung als einen Beitrag „für mehr Demokratie im Land“ verstanden wissen will, wie es in einem Schreiben heißt, das dem „Tagesspiegel“ vorliegt, sieht sein Neffe darin die Unterstützung für einen „offensichtlich faschistischen Politiker.“

Teile seiner Familie haben den Unternehmer seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. „Wir kannten ihn aus den Medien und von seinen Immobiliengeschäften. Das hat nicht dazu beigetragen, dass das Interesse an persönlichem Kontakt wuchs“, sagt Niklas Krawinkel. Als Immobilienentwickler machte Christian Krawinkel ein Millionengeschäft mit öffentlichem Geld, das das Land Berlin seit 2015 in den Ausbau von Flüchtlingsunterkünften steckte. Über Jahre hinweg erhielt Krawinkel für die Restaurierung eines leerstehenden Gebäudes jährlich 1,5 Millionen Euro. Die „Berliner Morgenpost“ berichtete 2017: „Nicht ein einziger Flüchtling ist jemals auf das ausgedehnte Gelände an der Hennigsdorfer Straße gezogen.“ Nun stellt sich die Frage: Wie viel von dem Geld, das für den Ausbau der Infrastruktur der Unterkunft gedacht war, steckt in der Großspende?

Schnelle Boote, teure Häuser

Die Karriere des 1946 in Bad Homburg geborenen Immobilienunternehmers Krawinkel begann vor mehr als 30 Jahren in Frankfurt am Main. In den 90er Jahren machte er unter anderem von sich reden, als er im neuen Frankfurter Stadtteil Riedberg ein „Französisches Viertel“ aus Reihenhäusern verwirklichte, das französisches Flair ausstrahlen sollte, wegen seiner phantasielosen Architektur aber in die Kritik geriet.

Später gab es Schlagzeilen vor allem zum Lebensstil des typischen „Selfmademan“: Ein 3000 PS starkes Rennboot, ein Wohnsitz auf Ibiza mit eigenem Helikopterlandeplatz, eine Sammlung schwerer Motorräder. In der Immobilienszene gilt er deshalb als „bunter Hund“.

Zur Sache: Ominöses Millionenerbe

Das Vermögen in Höhe von 7,3 Millionen Euro, dass der Ingenieur Reiner Strangfeld der AfD hinterlassen hat, kommt für die Partei zur rechten Zeit. Die AfD hat wegen drohender Strafzahlungen für illegale Parteispenden Rückstellungen in Höhe von rund einer Million Euro gebildet. Über die politischen Ansichten des Erblassers ist nichts bekannt – vorsichtshalber hat die AfD nach Kontakten zu rechtsextremen Gruppen gesucht, aber nichts gefunden. Die Tatsache, dass Strangfeld sein Vermögen in gemeinhin als „krisenfest“ bezeichnete Anlagen wie Gold, Grundstücke und Häuser steckte, lässt auf ein Misstrauen gegenüber Staat und Finanzsystem schließen. jps

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