Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Mit Beifall werden italienische Soldaten begrüßt, die im Kriegsjahr 1941 in der Nähe des wichtigen albanischen Verkehrsknotenpunktes Alassio gelandet sind. In Italien ist die Aufarbeitung der Geschichte und die Rolle des italienischen Militärs in der Zeit des Faschismus nicht sehr weit fortgeschritten. Es dominiert immer noch ein Bild des "guten italienischen Soldaten", das aber langsam ins Wanken gerät.
+
Mit Beifall werden italienische Soldaten begrüßt, die im Kriegsjahr 1941 in der Nähe des wichtigen albanischen Verkehrsknotenpunktes Alassio gelandet sind. In Italien ist die Aufarbeitung der Geschichte und die Rolle des italienischen Militärs in der Zeit des Faschismus nicht sehr weit fortgeschritten. Es dominiert immer noch ein Bild des "guten italienischen Soldaten", das aber langsam ins Wanken gerät.

Kratzer am Mythos des "guten italienischen Soldaten"

Anti-Bolschewismus und Antisemitismus auch stark unter Italienern verbreitetDie Italiener haben sich nach ihrer Beteiligung am Zweiten Weltkrieg vorwiegend als "Opfer" dargestellt. Auf einer in diesen Tagen vom Deutschen Historischen Institut (DHI) in Rom organisierten Konferenz unter dem Motto "Die Achse im Krieg" ist der selbstpropagierte Mythos des "guten italienischen Soldaten" ins Wanken geraten.

Von JOBST KNIGGE (ROM, DPA)

Die Italiener haben sich nach ihrer Beteiligung am Zweiten Weltkrieg vorwiegend als "Opfer" dargestellt. Sie präsentierten sich als Leidtragende des Faschismus, einer unfähigen Offiziersklasse und schließlich als von den Deutschen verachteter Achsenpartner. Auf einer in diesen Tagen vom Deutschen Historischen Institut (DHI) in Rom organisierten Konferenz unter dem Motto "Die Achse im Krieg" ist der selbstpropagierte Mythos des "guten italienischen Soldaten" ins Wanken geraten.

Der deutsche Historiker Thomas Schlemmer präsentierte Auszüge aus bisher unveröffentlichten Briefen italienischer Soldaten und Berichten der italienischen Zensur von der russischen Front. Daraus ergibt sich, dass Anti-Bolschewismus und Antisemitismus auch stark unter den Italienern verbreitet waren und als Motivation für ihren Kampfeinsatz dienten. Das Klima schlug erst um, als sich nach Stalingrad die Niederlage der Achsenmächte abzeichnete und die auf sich selbst gestellten Italiener sich verlustreich zurückziehen mussten.

So schreibt einer der Soldaten: "Wir Soldaten einer antiken Rasse tragen die Hoheitszeichen des römischen Reiches auf dieses dreckige, nach Bolschewismus stinkende Land." Ein anderer: "Religion und christliche Kultur müssen über die russische Barbarei und die gefährlichen jüdisch-freimaurerischen Minderheiten triumphieren." In einem Tagebuch wird über die Erhängung von Juden berichtet: "Sie zahlen, wie sie es verdienen. Kein Mitleid mit den Mitgliedern einer Rasse, die der gesamten Menschheit nichts anderes als Unheil gebracht hat."

Die Russen werden als eine Art "Untermenschen" in diesen Dokumenten dargestellt: "Dreckige Leute, die mehr vom Tier als vom Menschen haben", wird aus einem Brief zitiert. "Es sind jetzt 14 Monate, dass ich diesen hässlichen Schweinsgesichtern gegenüberstehe." Es blieb aber nicht allein bei Worten. Im Dezember 1941überschütteten italienische Militärpolizisten eine Gruppe von russischen Kriegsgefangenen mit Benzin und verbrannten sie bei lebendigem Leib.

Schlemmer sagte der italienischen Zeitung "La Repubblica":"Ich will nicht im Entferntesten die Nazi-Verbrechen mit der Verantwortung der Italiener vergleichen. Aber vielleicht ist der Augenblick gekommen, die Legende zu korrigieren." In den italienischen Kriegserinnerungen, angefangen von denen General Giovanni Messes, des Befehlshabers der italienischen Truppen in Russland, aus dem Jahr 1947 wird von einem freundschaftlichen Verhältnis der Italiener zu der russischen Zivilbevölkerung berichtet.

Fast so gut wie nie ist von Übergriffen gegen Juden und russische Kriegsgefangene die Rede. Der Historiker Lutz Klinkhammer vom DHIsagt:"Italien hat nie Rechenschaft über die Verbrechen abgelegt, die der Faschismus außerhalb der Grenzen verübt hat." Es habe nie Verurteilungen durch italienische Gerichte für Kriegsverbrechen dieser Art gegeben.

Er verwies auf einen Fernsehfilm, der in diesen Tagen im italienischen Fernsehen über ein Kontingent italienischer Soldaten auf der griechischen Insel Cefalonia lief. Ein Teil der Soldaten hatte nach dem Waffenstillstand der italienischen Streitkräfte mit den Alliierten im September 1943, drei Monate nach deren Landung auf Sizilien, den bisherigen deutschen Bündnispartner angegriffen und war dann brutal zusammengeschossen worden. Auch hier seien die Italiener hauptsächlich als Opfer gezeichnet worden. Es werde nicht gefragt, wie die Italiener nach Griechenland gekommen seien: "Es scheint, als ob es ein humanitärer Einsatz war."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare