Kampf gegen Ebola im Kongo: Künftig könnten solche Ressourcen fehlen. dpa
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Kampf gegen Ebola im Kongo: Künftig könnten solche Ressourcen fehlen. 

Malaria, Kinderlähmung und Ebola

Krankheiten in Afrika: Gefährlicher als das Coronavirus

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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Malaria, Masern oder Ebola - Afrika droht ein Rückschlag im Kampf gegen andere Infektionen, weil sich alles um das neue Coronavirus dreht.

  • Afrika: Indirekte Folgen von Corona gefährlicher als das Virus selbst
  • Renaissance von Malaria und Kinderlähmung droht
  • Ebola-Epidemie wieder aufgeflammt

Mit unter 50.000 Infektions- und weniger als 2000 Todesfällen hat Afrika die volle Wucht der Corona-Pandemie bislang noch nicht zu spüren bekommen. Schon heute deutet sich aber an, dass dort die indirekten Folgen der Infektionswelle noch gefährlicher als die direkten werden könnten. Die derzeitige Kräftekonzentration auf den Anticorona-Kampf drohe die Beschäftigung mit anderen Epidemien in den Hintergrund zu drängen, warnen Experten. So stürben derzeit jährlich rund 380.000 Afrikaner an Malaria – eine Zahl, die sich im kommenden Jahr verdoppeln könnte, teilte die Afrika-Direktorin der Weltgesundheitsorganisation, Matshidiso Moeti, kürzlich mit. Malaria ist nur eine von zahlreichen epidemisch auftretenden Krankheiten, mit denen der Erdteil konfrontiert ist: Masern, Pocken, HIV-Aids, Lassafieber und Ebola heißen einige der anderen.

Corona könnte Fortschritte im Kampf gegen Malaria zunichte machen

Im Kampf gegen Malaria wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten beachtliche Fortschritte erzielt. Die „Globale Koalition gegen Malaria“ verteilte weltweit zwei Milliarden imprägnierter Moskitonetze, die westliche Medizin entdeckte die Artemisia-Pflanze als Grundlage eines wirksameren Heilmittels, Forscher standen sogar kurz vor der Einführung eines Malariaimpfstoffs. Seit dem Millenniumswechsel konnten damit die jährlichen Malariatodesfälle von einer Million auf 380.000 verringert werden. Ein Fortschritt, der nun zunichte gemacht zu werden droht. Das befürchtet auch Francis Kimani von Kenias Medizinischem Forschungsinstitut: Wenn Fachkräfte, Ressourcen und Logistik statt gegen Malaria gegen Corona eingesetzt würden, sei bei Malaria mit einem Rückfall in Zustände des vergangenen Jahrhunderts zu rechnen. Für mehr als 600000 Afrikaner würde das den Tod bedeuten.

Noch vor einigen Wochen stand außerdem das Ende der Kinderlähmung bevor: Die weltweiten Impfkampagnen hatten das Poliovirus fast ausradiert. Doch jüngst wurden aus dem Niger und anderen afrikanischen Staaten wieder neue Fälle gemeldet: Sie werden der Aussetzung der Impfungen wegen der Corona-Pandemie zugeschrieben. Sowohl aus Kapazitätsgründen wie aus epidemiologischen Überlegungen sah sich die WHO gezwungen, ihre Impfkampagnen zumindest vorübergehend auszusetzen: Zu groß war auch die Gefahr, dass das Corona-Virus mit den Kampagnen verbreitet werden könnte.

Afrika: Auch Ebola-Epidemie wieder aufgeflammt

Auch die Ebola-Epidemie im Osten der Demokratischen Republik Kongo ist im Schatten der Corona-Pandemie wieder aufgeflammt: Die Bevölkerung des afrikanischen Riesenstaats hat es gegenwärtig gleich mit vier Epidemien zu tun: Corona, Ebola, HIV-Aids sowie Masern. Denn auch diese haben in Afrika noch immer tödliche Folgen. Nach Schätzungen der WHO haben sich auf dem Kontinent allein im Jahr 2018 rund 1,7 Millionen Menschen damit angesteckt, 50 000 starben. Die derzeit im Kongo grassierende Masern-Epidemie kostete mehr als 6000 Menschen das Leben. Impfkampagnen gegen Masern wurden in vielen afrikanischen Staaten wie dem Südsudan, Äthiopien und Nigeria ausgesetzt. Dadurch seien heute 21 Millionen Kinder nicht mehr gegen das Virus geschützt, kalkuliert die WHO. Und dabei war von anderen vernachlässigten tropischen Krankheiten noch nicht einmal die Rede – wie vom Lassafieber, der Elefantiasis, der Schlafkrankheit oder der Bilharziose. Schon in „normalen“ Zeiten werden für diese Infektionserkrankungen, von denen weltweit rund 600 Millionen Menschen betroffen sind (davon fast die Hälfte Afrikaner), nur lediglich 0,6 Prozent der globalen Gesundheitskosten aufgewendet – obwohl diese Krankheiten mit vergleichsweise geringen Mitteln entweder ganz ausradiert oder wirkungsvoll bekämpft werden könnten. Die riesigen Löcher, die die Corona-Pandemie gegenwärtig in die Gesundheitsbudgets reißt, schließen aus, dass diese Krankheiten in absehbarer Zeit ausgerottet werden.

In den kommenden Monaten werden die UN-Hilfswerke außerdem Probleme haben, trotz des Kollapses des Luftverkehrs die 76 Millionen schon heute auf Hilfe angewiesenen Afrikaner zu erreichen – durch die Corona-Pandemie droht sich diese Zahl in den kommenden Monaten noch zu verdoppeln.

Johannes Dieterich

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