Krankenhäuser bekommen für jedes leere Bett pro Tag 560 Euro.
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Krankenhäuser bekommen für jedes leere Bett pro Tag 560 Euro.

Kliniken

Krankenkassen werden in der Pandemie entlastet

  • Tim Szent-Ivanyi
    vonTim Szent-Ivanyi
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Weil Intensivbetten bezuschusst werden und weniger Menschen zum Arzt gehen, bleibt Geld übrig – aber die Beiträge könnten trotzdem steigen.

Die Corona-Pandemie führt bei der gesetzlichen Krankenversicherung aller Voraussicht nach zu einer überraschenden Entwicklung: Unterm Strich werden die Krankenkassen bei ihren Ausgaben nicht be- sondern entlastet. Erste Hochrechnungen haben nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland ergeben, dass die Pandemie zwar Mehrausgaben von gut sieben Milliarden Euro verursachen wird. Gleichzeitig sparen die Kassen aber auch fast 7,8 Milliarden Euro. Es verbleibt also ein Plus von knapp 800 Millionen. Dennoch wird die Krankenversicherung am Jahresende ein Defizit in Milliardenhöhe einfahren, weil die Einnahmen durch die Wirtschaftskrise wegbrechen. Ohne zusätzliche Steuerzuschüsse müsste der Beitragssatz dann 2021 deutlich steigen.

Die paradox erscheinende Entwicklung erklärt sich mit den staatlichen Schutzschirmen für das Gesundheitswesen und dem vorsichtigen Verhalten der Versicherten: Um genügend Kapazitäten für die Behandlung von Corona-Patienten zur Verfügung zu haben, bekommen die Krankenhäuser aus Steuermitteln für jedes leere Bett pro Tag 560 Euro. Dadurch ist die Zahl der planbaren Operationen deutlich gesunken, im März um die Hälfte. Zudem gehen viele Versicherte aus Sorge vor einer Ansteckung von sich aus nicht mehr zum Arzt oder zu einer Therapie. Einzelne Kassen berichten von Rückgängen zum Beispiel bei der Physiotherapie um mehr als 40 Prozent. Die Leistungen für Zahnersatz gingen danach im Frühjahr um rund 30 Prozent zurück. Jede ausgefallene Behandlung senkt dabei die Kosten der Krankenkassen.

Zwar wird sich die Inanspruchnahme von Kliniken, Ärzten und Therapeuten in den kommenden Monaten wieder erholen. Doch es wird eine Entlastung übrig bleiben. Die Behandlung der Corona-Patienten fällt bei den hohen Gesamtausgaben der Kassen dagegen bisher kaum ins Gewicht.

Das alles wird dazu führen, dass die Kassen am Ende des Jahres vergleichsweise gut dastehen werden. Dafür sorgt auch das Zusammenspiel mit dem Gesundheitsfonds: Der Fonds überweist den Kassen monatlich Beträge, die unabhängig vom kurzfristigen Konjunkturverlauf sind. Brechen die Einnahmen wegen einer Wirtschaftskrise weg, muss der Fonds diese Verluste verkraften – nicht die Kassen. Sie bekommen ihr Geld derzeit weiter so, als gäbe es die Pandemie gar nicht. Der Fonds wirkt also wie eine Art Puffer.

Gestartet war der Gesundheitsfonds Anfang des Jahres mit einer Reserve von rund zehn Milliarden Euro. Kassenexperten gehen davon aus, dass er bereits im Sommer durch ein Darlehen des Staates gestützt werden muss. Denn aus der Rücklage müssen nicht nur die wegbrechenden Einnahmen gezahlt werden. Auch die Corona-Tests, die massiv ausgeweitet werden sollen, werden so finanziert. Dadurch entstehen zusätzliche Kosten in Milliardenhöhe.

2021 müssen die Defizite und Rückgänge bei den Beitragseinnahmen aber durch höhere Beitragssätze ausgeglichen werden. Bei den Krankenkassen wird davon ausgegangen, dass der insgesamt zu zahlende Beitrag von jetzt im Schnitt etwa 15,6 Prozent um etwa einen Prozentpunkt auf dann mindestens 16,6 Prozent steigen muss. Das wäre bei einem Einkommen von brutto 3000 Euro eine Mehrbelastung von 30 Euro im Monat, wobei sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber den Betrag teilen.

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