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Rene Hildebrandt vom „Germanen Boxstall Kiel“

Boxen im Livestream

Neonazi steigt mit „Kraft durch Freude“-Shirt in den Ring - und will keine Ahnung von der Bedeutung haben

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Neonazi-Skandal bei „ran Fighting“ von Sat.1: Rene Hildebrandt vom Germanen Boxstall Kiel steigt mit einem „Kraft durch Freude“-Shirt in den Ring. 

Am Samstagabend übertrug die ProSiebenSat1-Plattform „ranfighting“ einen Boxkampf aus Friedrichshafen am Bodensee live im Internet. Im Ring standen unter anderem Ali Celik und Islam Ashabov im Kampf der Superweltergewichte. 

Wer den Fight für sich entschied, spielte später jedoch keine große Rolle, Aufmerksamkeit erregte vielmehr Rene Hildebrandt, Eigentümer und Manager vom „Germanen Boxstall Kiel“ und Betreuer von Islam Ashabov. 

T-Shirt-Slogan mit eindeutigem Nazi-Bezug

Der war nämlich mehrfach im Live-Stream zu sehen, inklusive einer Botschaft, die er auf seinem weißen T-Shirt trug: „Kraft durch Freude“ war dort in Fraktur-Schrift zu lesen, ein Slogan mit eindeutigem Nazi-Bezug. Zur Erinnerung: „Kraft durch Freude“ war eine Organisation der Nationalsozialisten, die für die Freizeitgestaltung und Gleichschaltung der Deutschen ab November 1933 zuständig war. 

Der Journalist Arndt Ginzel postete Screenshots auf Facebook mit der Folge, dass sich Sender und Veranstalter vom „Germanen Boxtstall Kiel“ distanzierten. „ranfighting.de“ formulierte in einem Statement in eigener Sache, den Vorfall zu bedauern und sich „in aller Deutlichkeit von extremistischen Inhalten jeglicher Art“ zu distanzieren. Ashabov sei zudem als „kurzfristiger Ersatzgegner“ angetreten, diese Änderungen seien „ranfighting“ nicht mitgeteilt worden. Kämpfer und Trainer seien im Vorfeld überprüft worden, das Teammitglied Hildebrandt aber offenbar nicht. Die Veranstaltung ist mittlerweile gelöscht und nicht mehr im Netz abrufbar. 

Auf Facebook äußerte sich auch der „German Boxstall Kiel“ zu dem Vorfall, wobei hinter dem Post Rene Hildebrand selbst stecken dürfte. Das T-Shirt sei ein Geschenk gewesen, er habe „den Spruch mit Freude am Sport verbunden“. Es sei traurig, dass in diesem Land sofort die „Nazikeule“ herausgeholt werde, „sobald jemand irgendetwas assoziiert“. 

„Völkermord an Deutschland! Rettet eure Kinder! Germanen Boxstall Kiel“

Dass es sich beim Tragen des T-Shirts um ein Versehen handelt bzw. gar als Huldigung an den Sport gedacht war, hält keiner Überprüfung stand. Rene Hildebrand nämlich postet auf Facebook Inhalte, die eindeutig einer rechtsextremen und antisemitischen Gesinnung inklusive sämtlicher Verschwörungstheorien zuzuordnen sind. So veröffentlichte er im Juni 2018 ein Bild von Kanzlerin Merkel, die von einer jüdischen Organisation ausgezeichnet wurde. „Dieser Orden wird nur an Juden verliehen. 2008 erhielt Frau Merkel diesen Orden! Es wird eine neue Mischrasse entstehen, dessen Führer die Juden sein werden!“, hieß es dort in Versalien. 

Rene Hildebrandt auf Facebook.

In einem anderen Post heißt es: „Völkermord an Deutschland! Rettet eure Kinder! Todesstrafe für Volksverräter! Germanen Boxstall Kiel“. 

Doch nicht nur die hier beispielhaft aufgeführten Facebook-Einträge werfen ein rechtes Licht auf Hildebrandt. Auch in sportlicher Hinsicht scheint er in der Vergangenheit nicht immer sauber gearbeitet zu haben. Auf der Startseite von „Germanen Boxstall Kiel“ schrieb er über den Boxer Patrick Rokohl, dass der der größte „Blender im deutschen Boxen“ sei. 

Rene Hildebrandt: „Dass er sich die Kämpfe erkaufte, störte mich zunächst wenig„

Das Pikante: Er hatte den Mann mit Kampfname „Patriot“ acht Profikämpfe lang begleitet und auf in einem Eintrag (der mittlerweile gelöscht wurde) freizügig behauptet, dass sich Rokohl die Kämpfe erkauft habe: „Dass er sich die Kämpfe erkaufte, störte mich zunächst wenig, doch als er immer arroganter und überheblicher wurde, ohne dass etwas dahinter steckte, zog ich mich zurück.“ 

Der letzte Kampf, den er mitorganisiert habe, sei gegen S. gewesen „und auch der wurde dafür bezahlt, dass er nach der dritten Runde sitzen bleibt“. Außerdem schulde ihm Rokohl noch 1000 Euro, die er ihm im Falle eintreffender Erfolge versprochen hatte. „Natürlich musste ich dem kleinen Ohrfeigengesicht ein paar aufs Maul hauen….ich werde ihn natürlich jedes Mal, wenn wir uns treffen, auf die 1000 Euro ansprechen...“ In dem Statement gibt er sich reuig, er wolle nun keine „Ohrfeigengesichter, die nicht mal richtig im Kreis“ laufen können, zu Champions machen. 

Wie sich die Rechte im TV weißwaschen kann, lesen Sie am Beispiel von Alexander Gauland hier

Derweil veröffentlicht Hildebrandt eine Erklärung eines gewissen Peter Möbes, der beteuert, das T-Shirt verschenkt zu haben: „ Rene Hildebrandt (hat) dieses Shirt von mir als Geschenk bekommen ... und er (hat) es nur aus Dankbarkeit mir gegenüber getragen“. „Germanen Boxstall Kiel“ hat ebenso eine Entschuldigung veröffentlicht: „Nachdem ich mich mit der Bedeutung des Schriftzuges ausführlich auseinander gesetzt habe, würde ich heute anders agieren.“

Dass Hildebrandt durch solch eine historisch-politische Unwissenheit glänzte und tatsächlich nicht wusste, was es mit dem Schriftzug auf sich hat, ist angesichts seiner Statements in den sozialen Medien als wenig glaubhaft einzustufen.

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