1. Startseite
  2. Politik

Klassenfahrten dürfen jetzt 900 Euro kosten: Geraten finanzschwache Familien so unter Druck?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Peter Hanack

Kommentare

Für Reisen mit der Schulklasse ist die Kostenobergrenze in Hessen deutlich angehoben worden.
Für Reisen mit der Schulklasse ist die Kostenobergrenze in Hessen deutlich angehoben worden. © Shotshop/Imago

Die Kostenobergrenze für Klassenfahrten in Hessen sind verdoppelt worden. Maximal darf eine Schulreise nun 900 Euro kosten. Der Elternbund kritisiert das scharf.

Frankfurt/Wiesbaden – Das Hessische Kultusministerium hat die Kostenobergrenzen für Klassenfahrten verdoppelt. Das stößt weitgehend auf Zustimmung. Aber es gibt auch mahnende Worte. Mehrtägige Exkursionen, Wandertage oder Abschlussfahrten dürfen ab sofort bis zu 600 Euro im Inland und 900 Euro im Ausland kosten. Voraussetzung ist, dass das Geld dafür über einen längeren Zeitraum angespart wird. Ansonsten liegen die Obergrenzen bei 300 Euro bzw. 450 Euro.

Damit hat das Hessische Kultusministerium mit Erlass vom 2. Februar die Obergrenzen für Klassenfahrten verdoppelt. Gleichzeitig mahnt das Ministerium, die Gesamtkosten müssten sich auch an den finanziellen Möglichkeiten der Eltern bzw. der volljährigen Schüler und Schülerinnen orientieren. Der Hessische Philologenverband (hphv) sieht damit eine langjährige Forderung erfüllt. „Endlich werden die Obergrenzen den in der Corona-Pandemie* stark gestiegenen Preisen sowie der derzeitigen Inflationsentwicklung angepasst“, sagte Verbandsvorsitzender Reinhard Schwab.

Kostenobergrenze bei Klassenfahrten: Gewerkschaft sieht „längst überfälligen Schritt“

Auch aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist die Erhöhung der Obergrenzen „ein längst überfälliger Schritt“. In den letzten Jahren sei es für Lehrkräfte immer schwieriger geworden, innerhalb des bisherigen Kostenrahmens lehrreiche und interessante Fahrten zu organisieren, sagte der hessische Landesvorsitzende Thilo Hartmann.

Der nun verdoppelte Höchstbetrag setze allerdings finanzschwache Familien unter Druck, mahnte Hartmann. Die Armutsquote von Kindern in Hessen sei zuletzt deutlich angestiegen. Die Mittel aus dem Bildungs- und Teilhabepaket kämen kaum bei den Kindern und Jugendlichen an. Bund und Land seien in der Pflicht dafür zu sorgen, dass niemand aus Kostengründen von einer Klassenfahrt ausgeschlossen werde.

Schule in Hessen: Elternbund kritisiert neue Kostenobergrenze bei Klassenfahrten

Diese Gefahr sieht auch der Elternbund Hessen. „Eine moderate Erhöhung wäre für uns nachvollziehbar gewesen, aber Kosten von 900 Euro für eine Klassenfahrt halten wir für völlig überzogen“, sagte Volker Igstadt vom Vorstand. Es sei zu befürchten, dass immer mehr Kinder nicht teilnehmen könnten. Dabei seien Klassenfahrten laut Ministeriumserlass „wichtige Elemente des Bildungs- und Erziehungsauftrags der Schulen“.

Der Landeselternbeirat empfiehlt, Klassenfahrten früh und ausführlich auf einem Elternabend zu besprechen. Eltern sollten geheim darüber abstimmen können, welche Klassenfahrt in welcher Form stattfinden solle. Zugleich solle auf die Möglichkeiten zur Unterstützung durch Fördervereine und durch Teilhabe-Regelungen, etwa durch das Job-Center, hingewiesen werden. Erst im September 2021 sind Klassenfahrten während der Corona-Pandemie an Schulen in Hessen wieder erlaubt* worden. (Peter Hanack) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare