An internationalen Flughäfen – hier Frankfurt – sollen sich Rückkehrer aus Risikogebieten künftig kostenlos testen lassen können.
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An internationalen Flughäfen – hier Frankfurt – sollen sich Rückkehrer aus Risikogebieten künftig kostenlos testen lassen können.

Corona

Kostenlose Tests für Reisende

  • vonChristian Burmeister
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Rückkehrer aus Risikoländern können künftig am Flughafen einen Abstrich machen lassen

Die Sommerferien sind in den ersten Bundesländern fast schon wieder vorbei. Nun haben sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern auf die Einführung von Corona-Tests für Reisende geeinigt. Diese sollen aber vorerst auf freiwilliger Basis erfolgen – und für Urlauber auch aus Risikogebieten kostenlos sein.

So soll verhindert werden, dass das Virus verstärkt durch Urlauber ins Land gebracht wird. Künftig wird es an allen internationalen deutschen Flughäfen auf unbestimmte Zeit große Teststationen für Corona geben. Darauf haben sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Freitag geeinigt. Rückkehrer aus Risikogebieten sollen auch mit Hilfe der Bundespolizei auf die Testmöglichkeiten hingewiesen werden, sagte Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) nach einer Telefonkonferenz.

Aber auch Reisende aus Nichtrisikogebieten sollen das Angebot wahrnehmen können. Das geschehe dann aber nicht im Flughafen, sondern über andere Stellen der Kassenärztlichen Vereinigungen oder an anderen Teststellen außerhalb der Flughäfen. „Wir haben auch die Möglichkeit der Testpflicht erörtert“, erklärte Kalayci. „Die rechtliche Situation ist aber momentan nicht klar genug. Eine solche Möglichkeit wird nun geprüft.“

Das Robert Koch-Institut (RKI) stuft derzeit rund 130 Staaten als Corona-Risikogebiet ein. Das betrifft etwa die Türkei, Israel oder die USA. Wer aus diesen Gebieten einreist, ist momentan verpflichtet, sich zwei Wochen in häusliche Quarantäne zu begeben. Mit dem neuen Angebot werde die Möglichkeit geboten, die sonst vorgeschriebene 14-tägige Quarantäne zu umgehen, erklärte ein Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde nach dem Treffen. Nahezu die komplette EU und einige andere europäische Staaten wie die Schweiz gelten aktuell nicht als Risikogebiet. Verstärkte Corona-Tests wird es künftig nicht nur an Flughäfen geben. Auch im grenzüberschreitenden Bus- und Bahnverkehr sollen in Zukunft Testangebote gemacht werden, erklärte Kalayci.

Außerdem kündigte die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz für grenznahe Gebiete auch auf Straßen stichprobenartige Kontrollen an, bei denen gegebenenfalls auf die geltenden Quarantäneregelungen hingewiesen werden solle. Die Politikerin verwies darauf, dass aktuell nur etwa 50 Prozent der vorhandenen Testkapazitäten in Deutschland genutzt würden. Diese gebe die Möglichkeit, die gefassten Pläne rasch umzusetzen.

Die Kosten für die Tests – sie liegen in der Regel zwischen 100 und 180 Euro – werden durch die Krankenkassen und die Bundesländer übernommen. Die Zahlungen Rückkehrern aus Risikogebieten aufzubürden sei zwar „pädagogisch nachvollziehbar“ gewesen, so Kalayci. „Aber unser erklärtes Ziel war es, so viele Menschen wie möglich zu testen. Und das geht am besten mit einem kostenlosen Angebot.“ Die Bundestestverordnung wird nun entsprechend angepasst. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte nach der Einigung: „Die Tests sind kein Freifahrtschein.“ Die wichtigsten Gebote blieben Abstand halten und Hygiene. Er wies ebenso wie Kalayci auf die bis zu zehn Tage dauernde Inkubationszeit bei Corona hin. Sicherheit über eine Infektion böten also nur weitere Tests.

Die Fluggesellschaften, die mit massiven Geschäftseinbrüchen zu kämpfen haben, halten Fliegen zwar grundsätzlich für sicher. Doch grundsätzlich hatten sie sich für Tests ausgesprochen. Die Chefs großer Airlines, darunter auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr, schlugen jüngst in einem offenen Brief an US-Vizepräsident Mike Pence und EU-Innenkommissarin Ylva Johansson ein koordiniertes gemeinsames Corona-Testprogramm vor.

Die FDP hatte gefordert, die Kosten für Tests bei Rückkehrern aus Risikogebieten den Reisenden aufzuerlegen. „Wenn Urlauber in Länder fahren, von denen vorher bekannt ist, dass es sich um Risikogebiete handelt, dann liegt das Risiko bei den Urlaubern“, sagte FDP-Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann. „Folglich müssten sie die Tests auch bezahlen.“ Die Kosten dürften nicht von den Krankenkassen und damit den Beitragszahlern beglichen werden.

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