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Im April 2018 fordern Demonstranten in Kuala Lumpur, Malaysia, die Festnahme des korrupten Investors Jho Low.

FinCEN-Files

Korrupt? Macht ja nichts …

In den FinCEN-Files finden sich die Namen vieler Bankkunden, die auf fragwürdige Weise zu Prominenz gekommen sind. Eine Auswahl internationaler Beispiele.

Mehr als zwei Billionen Dollar verdächtige Zahlungen finden sich in den am Sonntagabend veröffentlichten FinCEN-Files, einer gemeinsamen Recherche von Buzzfeed News, dem „International Consortium of Investigative Journalists“ (ICIJ) und 108 Redaktionen auf der ganzen Welt. In Deutschland müssen sich vor allem die Deutsche Bank und die Commerzbank kritische Fragen zu ihrer Geldwäschebekämpfung gefallen lassen. Weltweit finden sich in den Dokumenten jedoch zahlreiche weitere Skandale und Personen, die zum Teil milliardenschwerer Straftaten verdächtigt werden und trotzdem weiter mit renommierten Banken arbeiten konnten.

Einer der mutmaßlich dreistesten Betrüger der vergangenen Jahre ist der mittlerweile 38-jährige Jho Low. Ihm wird vorgeworfen, fast fünf Milliarden Dollar aus dem Entwicklungsfonds 1MDB der malaysischen Regierung abgezweigt zu haben. In den FinCEN-Files finden sich Zahlungen an und von Low und dessen Firmen im Wert von mehr als 2,5 Milliarden Dollar. Das Geld wusch er offenbar über verschiedene amerikanische Banken. Low kaufte sich riesige Villen, Gemälde von van Gogh und Monet, eine große Jacht – und feierte wilde Partys mit Paris Hilton, Leonardo DiCaprio oder Jamie Foxx. Sein Betrug ist in einem Bestseller-Sachbuch unter dem Titel „Billion Dollar Whale“ verewigt. Jho Low war für das ICIJ nicht zu erreichen.

Alejandro Ceballos Jiménez ist ein venezolanischer Bauriese und Patriarch der reichen Ceballos-Familie, die seit Jahren immer wieder große Aufträge der Regierung Venezuelas bekommt. Banken haben verdächtige Zahlungen an mit Ceballos verbundene Firmen über mehr als 260 Millionen Dollar gemeldet. Diese Firmen wiederum hätten exzessive Zahlungen an Mitglieder der Familie Ceballos geleistet und erfunden wirkende Überweisungen getätigt – obwohl das Geld eigentlich für den Bau von Sozialwohnungen bestimmt war. Ceballos hat sich auf Anfrage des ICIJ nicht geäußert.

Mehr als 170 Millionen Dollar sollen mit dem nordkoreanischen Regime verbundene Firmen durch US-Banken geschleust haben. Damit hätten die Banken dabei geholfen, die Sanktionen gegen Nordkorea zu umgehen. Ein Geldwäscheexperte nannte die Aktion der nordkoreanischen Firmen eine organisierte Attacke auf das US-Finanzsystem.

Die Zahlungen liefen von 2008 bis 2017 – also in einer Phase, in der die USA sich sehr viel Mühe gaben, Nordkorea den Zugang zum internationalen Finanzsystem durch Sanktionen zu verschließen.

Der brasilianische Konzern Odebrecht ist eine der größten Baufirmen Südamerikas – und in einen riesigen Korruptionsskandal verwickelt. Dutzende Politiker in mehreren Ländern mussten zurücktreten. US-Ermittler nannten den Fall sogar den „größten internationalen Bestechungsskandal aller Zeiten“. In den FinCEN-Files finden sich fast 700 Millionen Dollar an Überweisungen für Odebrecht, davon große Summen bei der Deutschen Bank.

Eine weitere Drehscheibe für die Zahlungen Odebrechts war die Meinl Bank Antigua. Die Bank war bis 2011 eine Tochter der Meinl Bank in Wien, ehe Odebrecht sie de facto übernahm. Und auch die Raiffeisen Bank International soll in die Zahlungen verwickelt gewesen sein, berichtete der Projektpartner ORF. Odebrecht schrieb auf Anfrage, sie würden heute ethisch arbeiten und mit Behörden zusammen die Vergangenheit des Konzerns aufklären.

Reza Zarrab ist ein türkisch-iranischer Goldhändler, der die türkische Halkbank mit Bestechung dazu brachte, es den Iranern zu erlauben, in der Türkei Gold zu kaufen. Das Gold wiederum brachte Zarrab in Aktenkoffern nach Dubai, verkaufte es dort – und ermöglichte es dem Iran so, in US-Dollar international zu bezahlen, also die eigentlich geltenden Sanktionen zu umgehen. Zarrab gab all das 2017 vor einem US-Gericht zu. In den FinCEN-Files finden sich Überweisungen im Wert von knapp 150 Millionen Dollar. Die Banken ließen Zarrab und seine Firmen auch Jahre nach dessen Festnahme noch Millionensummen überweisen. Auf Anfrage hat sich Zarrab nicht geäußert.

Auch der langjährige Präsident des internationalen Leichtathletikverbandes IAAF, Lamine Diack, taucht in den FinCEN-Files auf. Er ist vor wenigen Tagen in Paris zu vier Jahren Haft wegen Korruption verurteilt worden. Vorwürfe und Untersuchungen gegen ihn und seinen Sohn gibt es seit Jahren. So soll Diack auffällige Dopingtests vernichtet haben, wenn Athleten ihn dafür bezahlten. Auch aus einem Sponsoringvertrag soll er sich zehn Millionen Dollar abgezweigt haben.

In den Dokumenten finden sich in Zusammenhang mit Diack mehr als 55 Millionen Dollar verdächtige Überweisungen. Die Banken meldeten die auffälligen Zahlungen erst Jahre, nachdem Diack öffentlich der Korruption beschuldigt wurde. Diack antwortete nicht auf eine Anfrage des ICIJ.

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