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Koran-Verbrennung in Schweden löst wütende Proteste in Istanbul aus

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Von: Teresa Toth

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Eine Koran-Verbrennung in Stockholm sorgt für Empörung in der islamischen Welt. Die Spannungen zwischen Schweden und der Türkei spitzen sich weiter zu.

Stockholm/Istanbul – Eine antitürkische Demonstration in Stockholm mit Koran-Verbrennung hat die Spannungen zwischen Schweden und der Türkei verschärft. Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) verurteilte die „provokative Aktion“, welche die „heiligen Werte“ der Muslime verletze. Als Reaktion sagte die Türkei einen Besuch des schwedischen Verteidigungsministers ab.

In Istanbul versammelten sich Menschen, um gegen die rechtsextreme Aktion zu protestieren. Einige Demonstrant:innen skandierten vor dem schwedischen Konsulat Parolen und setzten eine schwedische Flagge in Brand. Der Zorn richtet sich vor allem gegen die schwedischen Behörden, welche die Veranstaltung genehmigt hatten und Rasmus Paludan, Gründer der islamfeindlichen Partei Stram Kurs, offenbar erlaubten, einen Koran zu verbrennen. Der Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, schrieb auf Twitter, die Demonstration zu erlauben, entspreche einer „Ermutigung zu Hassverbrechen und Islamophobie“.

Während eines Protests vor dem schwedischen Konsulat in Istanbul setzen Menschen eine schwedische Flagge in Brand.
Während eines Protests vor dem schwedischen Konsulat in Istanbul setzen Menschen eine schwedische Flagge in Brand. © Emrah Gurel/dpa

Koran-Verbrennung in Schweden: Schwedischer Botschafter zum zweiten Mal einberufen

Die Demonstration fand am Samstag (21. Januar) unter großem Polizeischutz vor der türkischen Botschaft in Stockholm statt. Paludan hielt eine knapp einstündige Tirade gegen den Islam und Migranten und zündete danach eine Ausgabe des Koran mit einem Feuerzeug an. „Wenn Sie gegen Meinungsfreiheit sind, müssen Sie woanders leben“, sagte er.

Bereits am Freitag (20. Januar) hatte die Türkei den schwedischen Botschafter in Ankara einbestellt, um die „provokative Aktion zu verurteilen, die eindeutig ein Hassverbrechen darstellt.“ Er war bereits kurz zuvor einberufen worden, nachdem ein Video aus Schweden mit einer kopfüber hängenden Puppe Erdogans veröffentlicht worden war. Zu der Aktion hatte sich eine Gruppe kurdischer Aktivisten bekannt.

Die islamfeindlichen Aktionen belasten die wegen des schwedischen Antrags auf Beitritt zur Nato ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Schweden und Ankara. Die Türkei und Ungarn sind die einzigen der 30 Nato-Staaten, die bislang nicht den Weg für die Mitgliedschaft Schwedens freigemacht haben.

Der schwedische Verteidigungsminister Pal Jonson hatte sich bei seinem ursprünglich für den 27. Januar geplanten Besuch dafür einsetzen wollen, dass Erdogan seine Einwände gegen den Nato-Beitritt Schwedens aufgibt. (tt)

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