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Ibrahim Sunday.

Der Kopfballartist zauberte nur eine Halbzeit lang

Ibrahim Sunday von Werder Bremen war 1975 der erste afrikanische Profi in der Bundesliga - Fuß fasste er nicht

Von JAN CHRISTIAN MÜLLER

Hans Wolff war ein sehr selbstbewusster Mann. Der ehemalige Geschäftsführer von Werder Bremen prägte einmal den Satz "Ich kann jeden Spieler der Welt holen. Egal, ob Indianer, Eskimo oder Chinese." Wolff hat 1975 den Ghanaer Ibrahim Sunday an die Weser geholt. Sunday war der erste Afrikaner im deutschen Profifußball. Er kam als "Afrikas Fußballer des Jahres" und ging ernüchtert. "Unbrauchbar für den Berufsfußball", urteilte der damalige Werder-Trainer Herbert Burdenski.

"Sunday war lieb und nett", erinnert sich Werder-Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer, seinerzeit Vizepräsident bei den Grün-Weißen, "auch technisch hervorragend, aber er war nicht robust genug für die Bundesliga." So kam es, dass der beliebte "Ibi" nur ein einziges Ligaspiel in Deutschland absolvierte: Werder musste sich erst vorm Abstieg retten, ehe der "Farbklecks" (Fischer) im allerletzten Saisonspiel bei Rot-Weiss Essen eine Halbzeit mitmachen durfte. Er wurde in der 46. Minute für Jürgen Röber eingewechselt. Werder verlor 0:2.

Bekannt wurde Sunday, allerdings nicht weit über die Grenzen des kleinsten Bundeslandes hinaus, weil er den Ball auf dem Kopf balancieren konnte wie kein anderer. Zweimal stand er deshalb im Fokus der Fotografen: Beim Bildtermin vor Saisonbeginn, wo man den damals 25-Jährigen, logisch, mit dem Ball auf dem Kopf sah. Und zwar breit lächelnd. Und beim Sportpressefest zur Weihnachtszeit in der Stadthalle, als er mit dem Ball auf dem Kopf über das gesamte Hallenspielfeld spazierte und Begeisterungsstürme entfachte. Sunday musste als Zirkusnummer herhalten. Er wurde nicht ernst genommen. "Mittlerweile", sagt Fischer, "sind die Trainer psychologisch viel besser ausgebildet und gehen in der Regel anders mit solchen Spielern um."

Sunday erlebte immerhin noch die Beurlaubung von Herbert Burdenski im Februar 1976. Für Burdenski kam Otto Rehhagel als Retter, ohne dass sich Sundays Situation deshalb besserte. Bei Werder waren sich die Verantwortlichen danach einig, erst einmal die Finger von afrikanischen Fußballern zu lassen. "Erst mehr als 20 Jahre später haben wir Razundara Tjikuzu als 16-Jährigen aus Namibia geholt", erzählt Fischer, "er war so gut, dass er mit 18 schon einen Profivertrag bekam."Ibrahim Sunday nutzte die Zeit in Deutschland indes, an der Sporthochschule in Köln einen Trainerschein zu machen. Immerhin.

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