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FR vom Juni 1967

Konvent fordert Trauerbeflaggung

Resolution der Berliner Studentenschaft / Vorlesungen an FU abgebrochen

Der durch den Tod des 26jährigen Studenten Ohnesorg am Wochenende entzündete Konflikt zwischen dem Berliner Senat und der Studentenvertretung der Freien Universität hat am Montag an Heftigkeit zugenommen. Die Ankündigung des Regierenden Bürgermeisters Albertz vom Sonntag vor dem Akademischen Senat, daß die Verhinderung studentischer Demonstrationen auch auf Universitätsgelände notfalls mit staatlichen Mitteln erzwungen werde, wurde von den Studentenorganen mit verschärften Protesten und Forderungen an den Senat und an das Abgeordnetenhaus beantwortet. Die Forderung nach dem Rücktritt des Regierenden Bürgermeisters, des Innensenators Büsch und des Polizeipräsidenten Duensing, die am Samstag von einer Studentenversammlung erhoben worden war, wurde am Montag vom Präsidium des Studentenkonvents und vom Allgemeinen Studentenausschuß in einem gemeinsamen Resolutionsantrag an den Konvent offiziell übernommen. Die Resolution fordert im Zusammenhang mit den Vorgängen vom Freitagabend außerdem die "Entfaschistisierung der Berliner Polizei", die Bestrafung der Täter sowie Entlassungen und weitere Untersuchungen, außerdem die Trauerbeflaggung der Stadt.

Von größerer praktischer Bedeutung scheint die Forderung, daß der reguläre Lehrbetrieb an der Freien Universität bis auf weiteres eingestellt werden soll. Bereits am Montag sind die Vorlesungen in den Hörsälen der Freien Universität abgebrochen worden Die Professoren und Dozenten sprachen statt dessen über die Demonstrationen, die anschließenden Tumulte und den Tod des Studenten Ohnesorg. In einer vor dem Konvent am Montag verlesenen Presseerklärung forderte der AStA das Berliner Abgeordnetenhaus auf, die politisch Verantwortlichen der Stadt abzuwählen, weil sie sich schützend vor das rechtswidrige Verhalten der Polizei gestellt und den Ausnahmezustand in Berlin verhängt hätten.

Marburger Studenten veranstalten Schweigemarsch In der Konventssitzung, der außer den gewählten Konventmitgliedern Tausende von Studenten in fünf überfüllten Hörsälen beiwohnten, wurde der Ermittlungsbericht des SDS-Rechtsbeauftragten Mahler verlesen, der auf Grund von 15 Zeugenaussagen zu dem Ergebnis gelangt ist, daß der bei den Zusammenstößen am Freitag getötete Student Ohnesorg das unschuldige Opfer eines polizeilichen Übergriffes geworden sei. Weiterhin wurde ein Gutachten des akademischen Lehrers von Benno Ohnesorg, Schrotthoff, verlesen, das dem Getöteten bescheinigt, daß er, "fern von irgendwelchem wirrköpfigem Radikalismus, ein fleißiger, sich ruhig und diszipliniert verhaltender, sehr begabter Student gewesen sei, dessen letzte Seminararbeit die beste des vergangenen Wintersemesters gewesen sei".

Der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses und Landesvorsitzende des DGB, Sickert, nahm in einer scharfen Erklärung am Montag dagegen Stellung, daß Studenten der gewerkschaftlichen Studentenvereinigung vor Berliner Großbetrieben Flugblätter verteilten, in denen um Verständnis für den studentischen Standpunkt geworben wird. Sickert sprach in diesem Zusammenhang von anarchistischen Minderheiten, die die Arbeiter aufhetzen wollten. Der DGB-Landesvorstand hat sich dieser Erklärung jedoch nicht angeschlossen.

Aus der FR-Sonderausgabe von Anfang Juni 1967

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