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Konservierte Geschichte im Untergrund

In Berlin zeugen noch heute einige dutzend Bunker vom Schrecken des Krieges / Verein setzt sich für deren Erhalt einDie Lampe wirft ein fahles Licht auf die grau-weiße Wand. "Raum 3 - 20 Personen" steht in schmalen schwarzen Lettern auf dem getünchten Beton. Unter den grob gezimmerten Holzbänken stapeln sich große und kleine Koffer. In die Ecke gedrängt steht ein Kinderwagen. "In solchen Räumen saßen bei Luftangriffen bis zu 140 Menschen", sagt Reiner Janick vom Verein Berliner Unterwelten.

Von FRANK ZIELKE (BERLIN, AP)

Die Lampe wirft ein fahles Licht auf die grau-weiße Wand. "Raum 3 - 20 Personen" steht in schmalen schwarzen Lettern auf dem getünchten Beton. Unter den grob gezimmerten Holzbänken stapeln sich große und kleine Koffer. In die Ecke gedrängt steht ein Kinderwagen. "In solchen Räumen saßen bei Luftangriffen bis zu 140 Menschen", sagt Reiner Janick vom Verein Berliner Unterwelten.

"Da lief das Wasser von der Wand." Der Raum unter dem U-Bahnhof Gesundbrunnen ist Teil einer Bunkeranlage aus dem Zweiten Weltkrieg. "Der Untergrund einer Stadt ist konservierte Geschichte", sagt Reiner Janick. Diese Geschichte zu erhalten, ist das Ziel des Vereins, bei dem er aktives Mitglied ist. Deshalb betreiben die Berliner Unterwelten in dem Bunker unter dem U-Bahnhof ein Museum. "Im Untergrund ist die Geschichte einer Stadt gut vermittelbar", sagt Vereinsgründer Dietmar Arnold. Dazu gehören in Berlin auch die Bunker.

Während des Dritten Reiches wurden in der Reichshauptstadt über 1000 Bunker gebaut. Auf Befehl Adolf Hitlers entstanden ab 1940 verteilt über die ganze Stadt Schutzräume. Mit standardisierten so genannten Typenbunkern sollten für möglichst viele Menschen Zufluchtsorte vor den Bomben der alliierten Flugzeuge geschaffen werden. Damit dies möglichst schnell ging, entstanden die Betonfestungen nicht nur unter der Erde, sondern auch oberirdisch.

Es war eines der größten staatlich verordneten Bauprogramme. Während das Volk zusammengepfercht in eher engen Schutzräumen ausharren musste, wurden für die Nazi-Prominenz spezielle Bunker gebaut: "Sämtliche Reichsminister hatten eigene Schutzräume", erzählt Arnold. Der Bekannteste dieser Bunker verbarg sich im Garten der Reichskanzlei an der heutigen Wilhelmstraße: der Führerbunker. Nur wenige Meter entfernt stand der Fahrerbunker für die Leibstandarte der SS Adolf Hitler. Ein unbekannter Künstler verzierte die tristen Wände dort mit ideologisch aufgeladenen Bildern.

Unterkunft für Obdachlose

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden in den Luftschutzanlagen zunächst Ausgebombte und Flüchtlinge Unterschlupf. Gleichzeitig begannen die Alliierten ab 1946 mit der Sprengung der Bunker. "Im Kalten Krieg wurden die bis dahin noch intakt gebliebenen Anlagen reaktiviert", erzählt Arnold. In den Bunkern im Westteil der Stadt wurden etwa die Lebensmittel für den Fall einer Blockade eingelagert, die so genannten Senatsreserven. Auch im Ostteil wurden die Anlagen Teil des Nachkriegs-Sicherheitskonzepts.

Heute sind nur noch wenige der Bunkeranlagen erhalten. Um einige davon kümmern sich die Berliner Unterwelten. Das jüngste Projekt ist der Flakbunker im Humbolthain im Stadtteil Wedding. Durch die monströse Anlage, die nur zur Hälfte gesprengt wurde, werden heute Besuchergruppen geführt. "Ein Teil der Bunker ist aber auch heute noch in Betrieb", sagt Arnold. Einer dieser riesigen Betonbunker steht im Stadtteil Schöneberg, heute überbaut mit einem Mietshaus. "Im Ernstfall passen da 4000 Leute rein."

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