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Der Wissenschaftler Pascal Abb und die Journalistin Amelie Richter auf dem FR-Podium.
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Der Wissenschaftler Pascal Abb und die Journalistin Amelie Richter auf dem FR-Podium.

Podium der FR

Konflikt mit China: Wenn der knuffige rote Drache zulangt

  • Peter Rutkowski
    VonPeter Rutkowski
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Auf dem FR-Podium in Frankfurt wird der wachsende Konflikt zum Thema. Eine Analyse von Peter Rutkowski

Wie nähert man sich einem Thema an? Wissenschaftlich? Diplomatisch oder politisch? Journalistisch? Jürgen Trittin, versierter grüner Außenpolitiker, der dann und wann auch mal sagt, „wie es ist“, hätte die politische Perspektive in Sachen China im Haus am Dom in Frankfurt sicherlich äußerst pointiert dargestellt. Hat er aber nicht. Koalitionsverhandlungen in Berlin. Leider unabkömmlich.

Also moderierte für die journalistische Seite Andreas Schwarzkopf, Ressortleiter Meinung der Frankfurter Rundschau, ein diplomatisches und wissenschaftliches Podium. Für den diplomatischen europäischen Umgang mit dem kommunistischen Reich war die in Straßburg stationierte Journalistin Amelie Richter da, die an dem werktäglichen Newsletter „China.Table“ beteiligt ist, der nach ihrem Bekunden „ausgewogen und balanciert“ zu sein versucht. Also diplomatisch. Für die Wissenschaft trat Pascal Abb an, der bei der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung zur Volksrepublik arbeitet. Die HSFK war mit FR und Katholischer Akademie Rabanus Maurus Veranstalterin des Podiums.

Pascal Abb über die USA und China: „Wir sind sehr direkt dem Druck von beiden Seiten ausgesetzt“

Aber zur Sache: „China. Ist das Rivale für uns? Konkurrent? Partner?“, wollte Moderator Schwarzkopf gleich wissen. „Alle drei, hätte Trittin geantwortet“, meinte Abb. Noch immer gibt es gemeinsame wirtschaftliche Interessen mit dem Westen, China ist aber auch nicht zimperlich – oder geradenach grob –, wenn es sich einen Vorteil auf der Weltbühne in egal welcher Rolle verschaffen will. Mithin also außenpolitisch aggressiv.

Richter aber warnte davor, in der Nomenklatura-Diktatur generell eine Bedrohung zu sehen: „,Der Feind‘ – das trifft so nicht zu.“ Zwar sei nicht von der Hand zu weisen, dass das Land „sehr wohl Ambitionen hat, normativ weltweit den Ton anzugeben“ – übersetzt aus dem Diplomatischen: China will die Welt dominieren –, aber es gebe doch auch Grauzonen „zwischen dem roten Drachen, der seine Krallen ausstreckt, und dem knuffigen Panda“. In den Grauzonen findet dann hoffentlich von allen Seiten akzeptierte Realpolitik statt.

In eine solche Grauzone suchen Abb wie Richter, die europäischen Antworten auf China zu situieren. Denn über Europa hinweg lieferten sich die USA und China einen wortwörtlich ausgesprochenen Großmachtkonflikt. Abb: „Wir sind sehr direkt dem Druck von beiden Seiten ausgesetzt.“ Und dass China immer häufiger bei Vorhaltungen zu seinem Verhalten direkt zurückschlägt und dabei diplomatisches Porzellan zerdeppert, vereinfacht die Lage auch nicht.

Amelie Richter zu Menschenrechten in China: „Europäische Ermahnungen interessieren in Peking nicht“

Nur auf solchen Schaden hinweisen, das geht dann auch wieder nicht. Nach den Menschenrechten in der Volkrepublik fragen? Gar auf die Verfolgung der muslimischen Uiguren hinweisen? Richter: „Europäische Ermahnungen interessieren in Peking nicht.“ Höchstens werden Vorwürfe wie der des Neokolonialismus (den Abb wie Richter als verfehlt bis degoutant empfinden) retourniert. Tatsächlich haben westliche Mächte auch eine verbrecherische Historie der Unterdrückung anderer Völker. Warum dann aber eine andere Macht sich das ebengleiche Verhalten zugestehen darf...? Wie gesagt: Solche Argumente „interessieren in Peking nicht“.

Abb und Richter können einige Ungenauigkeiten im westlichen China-Bild geraderücken – und diverse faktische Publikumsfragen ausführlich beantworten –, als da wären: China als politischer Kredithai, der aber eigentlich gar nicht so reich sei, wie alle annehmen. China als Provokateur für Territorialkonflikte an jeder seiner Grenzen, der aber ausgerechnet mit Russland eine solche Auseinandersetzung beilegen konnte.

Alles richtig und bedenkenswert. Und doch bleibt auch nach einem so instruktiven Abend auf dem FR-Podium das ungute Gefühl, dass man mit China in diesem Jahrhundert noch gehörig wird rechnen müssen. Aber nicht gut Freund werden wird.

Das Gespräch im Nachhinein verfolgen: youtube.com/hausamdom/videos

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