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Objekte des Hasses: Iraner verbrennen amerikanische und britische Fahnen.

US-Anschlag

Konflikt Iran - USA: Chronik einer Feindschaft

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Der Tod des Generals Ghassem Soleimani durch eine amerikanische Drohne ist nur die jüngste Eskalation eines mehr als 70 Jahre währenden Konflikts.

1953    CIA und MI6 organisieren den Putsch von Schahanhängern gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Mossadegh, der Irans Öl nationalisieren will. Der Schah regiert fortan als absoluter Monarch. Die Zivilgesellschaft arrangiert sich mit dem vom CIA gestützten Regime oder geht ins Exil. Religion spielt keine große Rolle im Iran.

1967    Der Westen wird durch den Besuch von Schah Resa Pahlevi und seiner Frau Farah Diba in Westberlin erstmals auf die Zustände im Iran aufmerksam. Vor ihrer Ankunft organisieren kritische Studenten einen Kongress, bei dem Exilanten von der alltäglichen Gewalt des Geheimdienstes Savak im Iran berichten. Die empörte Jugend Westberlins geht am 2. Juni auf die Straße. Die Polizei lässt mitgereiste Savak-Agenten die Studenten verprügeln, der Zivilfahnder und Stasispitzel Karl-Heinz Kurras erschießt den friedlichen Demonstranten Benno Ohnesorg. Die deutsche Studentenschaft radikalisiert sich fortan.

1977    Der demokratische US-Präsident Jimmy Carter beginnt, auf Distanz zum iranischen Schah zu gehen. Im westlichen Exil streiten religiöse und säkulare Widerstandsgruppen über den rechten Weg im Kampf gegen den Schah. In Paris hält der geflüchtete Ajatollah Khomeni Hof, umgeben von zuerst nationalistischen Auslandsstudenten, die sich immer mehr völkisch-religiösem Extremismus zuwenden.

1978    Studenten beginnen, mit andauernden Protesten das öffentliche Leben im Iran stillzulegen. Auf Streiks folgen Ausschreitungen und Aufstände. Der iranische Staatsterror versagt. Die große Masse des Volkes – und damit von Armee, Polizei und Verwaltung – lässt sich nicht länger bevormunden. Bevor aber der zivile Widerstand wirklich Fuß fassen kann, erscheint Khomeni in Teheran, wo er bald wie ein Heilsbringer verehrt wird. Der Schah und seine letzten Getreuen fliehen, ihnen folgen schließlich auch die zu schwachen säkularen Reformkräfte des Iran.

1979 bis 1981 Studenten besetzen die US-Botschaft in Teheran und halten 52 Diplomaten fast anderthalb Jahre als Geiseln. Die US-Regierung Carter fällt, ihr republikanischer Herausforderer Ronald Reagan sorgt dafür, dass die Geiseln – auf Vermittlung Algeriens – erst am Tag seiner Vereidigung als Präsident „befreit“ werden.

1980 bis 1988  Erster Golfkrieg zwischen Iran und Irak. Angesichts der Revolutionswirren beim Nachbarn versucht Iraks Diktator Saddam, das Ölgebiet um Basra zu erobern, einen kurdischen Pufferstaat dem Iran abzutrotzen und den Persischen Golf unter seine Kontrolle zu bringen. Die USA helfen den Irakern. Aber die Unfähigkeit von Saddams Militär und die Rücksichtslosigkeit, mit der die iranischen Mullahs nicht ausgebildete Freiwillige als „menschliche Sturmwellen“ in den Tod schicken, macht den Konflikt zu einem Stellungskrieg mit insgesamt rund einer Million Toten.

1985 Im Libanon wird auf Betreiben des Iran die Hisbollah als Sammlungsbecken schiitischer Milizen aus dem Bürgerkrieg gegründet. Die massiv aufgerüstete Hisbollah agiert seitdem als Stellvertreter des Iran im Terrorkrieg gegen den US-Verbündeten Israel.

1985/1986 In der Iran-Contra-Affäre kommt heraus, dass die USA ihrem Feind Iran Waffen für den Kampf gegen die Iraker geliefert haben. Das Geld aus dem Iran finanziert den Kampf der Contras gegen Nicaraguas Revolution.

1990/1991 Im Zweiten Golfkrieg („Kuwaitkrieg“) bleibt der Iran neutral. Nachdem der unterlegene Saddam Rache an den aufständischen – und von den USA im Stich gelassenen – Kurden des Irak nimmt, findet fast eine Million von ihnen Aufnahme im Iran.

90er Jahre Die USA verhängen Sanktionen gegen den Iran. Der ökonomische Zusammenbruch kann nur durch Auslandsverschuldung (rund 30 Milliarden Dollar) verhindert werden. Iranische Reformer kämpfen für die Öffnung ihres Landes, die USA aber bleiben hart angesichts der Nuklearwaffenprojekte des Landes und seiner Unterstützung von Terroristen.

2000er Jahre US-Präsident George W. Busch bezeichnet Irak-Iran-Nordkorea als die „Achse des Bösen“. Im Iran lösen zwischen 2003 und 2005 Konservative und Reaktionäre bei den Wahlen die Reformkräfte ab. Mahmud Amadschinedschad, ein extremistischer Veteran des ersten Golfkriegs, wird Präsident. Seine Hetzreden gegen den „Teufel USA“ erlangen Kultstatus. Gleichzeitig verjüngt sich die iranische Gesellschaft ständig: Bald ist mehr als die Hälfte des Volks erst nach der islamischen Revolution von 1979 zur Welt gekommen. Die Jugend steht eher auf der Seite der Reformer.

2004 bis 2013 Der Nuklearstreit mit dem Iran eskaliert. Schließlich aber lässt der Iran UN-Inspekteure in seine Atomanlagen und bricht die Entwicklung von Atomwaffen ab.

Seit 2014 DerIran schickt General Ghassem Soleimani in den Irak, um dort den Kampf gegen den „Islamischen Staat“ gleichzeitig in Konkurrenz zu den USA und im Verein mit ihnen zu koordinieren. Iranische Drohnen, Erdkampfbomber und schließlich auch Bodentruppen kommen zum Einsatz. Die vom Iran ausgebildeten Kommandos und Paramilitärs bilden bei der Rückeroberung der IS-Gebiete in der Regel die Speerspitze.

2016 bis heute Durch die Wahl des rhetorisch ständig gegen den Iran feuernden Donald Trump ins Weiße Haus eskaliert der beigelegte Nuklearstreit wieder, die Lage im zerrütteten Irak verschärft sich.

Gastbeitrag: Gelingt es nicht, den Atomvertrag mit Iran zu erhalten, werden auch Saudi-Arabien und die Türkei nach der Bombe greifen

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