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Kundgebung zum Gedenken an Jitzhak Rabin
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Kundgebung zum Gedenken an Jitzhak Rabin

Israel

Konflikt um Demo für Israel-Premier Rabin

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Ultrarechte Siedlergruppen nehmen an linker Gedenkveranstaltung in Tel Aviv teil.

Sie hatten es gut gemeint, die Organisatoren, die am Samstagabend auf dem Rathausplatz in Tel Aviv die alljährliche Kundgebung zum Gedenken an Jitzhak Rabin ausrichteten. Dort, wo genau vor 22 Jahren der damalige israelische Premier nach einer Friedensdemonstration von einem jüdischen Rechtsextremisten erschossen wurde. Das Attentat hatte nicht nur das linke Lager schockiert, das den von Rabin eingeschlagenen Weg einer Aussöhnung mit den Palästinensern unterstützte.

Doch das diesjährige Motto „Erinnern wir uns: Wir sind ein Volk“, das die „Kommandanten für Israels Sicherheit“ und eine weitere, sich in der politischen Mitte verortende Gruppe als Veranstalter wählten, war denn doch manchen Friedensanhängern des Guten zu viel.

In ihren Ohren klang die harmonische Botschaft einfach falsch. Zumal im ersten Aufruf zu der Veranstaltung nicht mal das Wort „Mord“ vorkam. Man könnte glatt meinen, Rabin sei bei einem Fahrradunfall tödlich verunglückt, merkte ein israelischer Kommentator bissig an. Auch der Beschluss der Initiatoren, keine Politiker als Redner auftreten zu lassen, dafür aber Repräsentanten aus dem gesellschaftlichen Spektrum, einschließlich rechter Siedler, einzuladen, löste bereits im Vorfeld Kontroversen aus.

Am Ende strömten dennoch Zehntausende auf den Rabin-Platz. Fernbleiben sei keine Alternative, beschied auch die Friedensbewegung „Peace Now“. So empörend auch die Geschichtsklitterung sei, man nehme teil, schon um die Öffentlichkeit daran zu erinnern, wer Rabin auf dem Gewissen habe. Ähnlich sahen es die linke Meretz-Partei und die kritische Soldatenorganisation „Breaking the Silence“, die ohne lange um Erlaubnis zu fragen, ihre Stände aufstellten. Aber eine Missstimmung blieb.

Amir Peretz etwa, ehemaliger Chef der Arbeitspartei, fand die apolitische Schönfärberei nicht zum Aushalten und ging. Ebenso verließ Zvia Walden, Tochter von Schimon Peres, der mit Rabin die Osloer Friedensabkommen in den 90er Jahren durchgesetzt hatte, frühzeitig die Kundgebung mit den Worten: „Wir sind nicht ein Volk.“

Sie störten sich nicht zuletzt an der Anwesenheit ultrarechter Siedler-Ideologen wie dem Agrarminister Uri Ariel von der Partei Jüdisches Heim, deren unsägliche Hetzkampagne gegen den „Vaterlandsverräter“ Rabin seinerzeit den drei tödlichen Schüssen vorausgegangen war. Der Todesschütze, der nationalreligiöse Student Jigal Amir, der angab, „den Willen Gottes“ erfüllt zu haben, verbüßt dafür eine lebenslange Haft. Reue scheint er bis heute nicht zu empfinden.

Amair hat wohl auch erreicht, was er gewollt hat: Die Friedensgegner sitzen fest im Sattel – sprich: in der Regierung, die wiederum heute mit diversen Gesetzinitiativen gegen linke NGOs mobilmacht. „Mein Vater“, hat Juval Rabin anlässlich einer Gedenkzeremonie in der Knesset Premier Benjamin Netanjahu vorgehalten, „mein Vater hat niemals versucht, seine Gegner zum Schweigen zu bringen“. Er verstehe seinen Schmerz, erwiderte Netanjahu.

Ein Journalist der Zeitung „Haaretz“ brachte den jetzigen Konflikt auf den Punkt: Eine Gedenkkultur, die zur Versöhnung blase, ohne Fakten zu benennen, sei „Weißwäscherei“.

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