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Datenanalyse

Kommunalwahl in Hessen: Rathäuser und Landratsämter bleiben Männerbastionen

  • Monika Gemmer
    VonMonika Gemmer
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Auf den Spitzenposten der hessischen Rathäuser und Landratsämter bleiben Männer nach der Kommunalwahl in Hessen weitgehend unter sich.

Frankfurt – Ganz Hessen wählte bei der Kommunalwahl neue Parlamente – doch nur ein kleiner Teil der Gemeinden, Städte und Landkreise vergab auch die Spitzenposten in Rathäusern und Landratsämtern neu: In 36 der 422 hessischen Gemeinden und Städte sowie in fünf der 21 Landkreise waren die Wahlberechtigten am 14. März 2021 auch zur Bürgermeister- beziehungsweise Landratswahl aufgerufen. Vier Stunden nach Schließung der Wahllokale steht fest: Bei den Direktwahlen gehen die Spitzenposten fast ausschließlich an Männer.

21 Frauen traten landesweit an, um Bürgermeisterin oder Landrätin zu werden. Drei Amtsinhaberinnen konnten ihren Posten als Rathauschefin behaupten: Christel Sprößler von der SPD in Roßdorf sowie die CDU-Bürgermeisterinnen Eva Söllner in Liederbach am Taunus sowie Marion Frohnapfel in Nüsttal.

In Hessens Rathäusern und Landratsämtern sind Frauen an der Spitze rar.

Kommunalwahl in Hessen: Stichwahlen in mehreren Gemeinden

Vier Bürgermeister-Kandidatinnen erreichten die Stichwahlen: In Friedrichsdorf entscheidet sich das Rennen zwischen Lars Keitel (Grüne) und Katja Gehrmann (CDU), in Michelstadt tritt Sandra Allmann (CDU) in der Stichwahl gegen Tobias Robischon (ÜWG) an, und in Marburg (wo angesichts von neun Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters eine Stichwahl so gut wie sicher war,) findet sich Amtsinhaber Thomas Spies von der SPD in der zweiten Runde mit der grünen Herausfordererin Nadine Bernshausen wieder. In der Gemeinde Glashütten muss die bisherige Bürgermeisterin Brigitte Bannenberg um ihr Amt bangen: Die parteilose Rathauschefin bekam 45,05 Prozent der Stimmen, ihr Herausforderer Thomas Ciesielski (CDU) landete mit 47,77 Prozent auf Platz 1.

Kommunalwahl: Hessen liegt hinsichtlich seiner Rathauschefinnen unter dem Bundesdurchschnitt

Am mageren Frauen-Anteil in den Spitzenämtern hat diese Kommunalwahl also nicht geändert*. Und damit liegt Hessen derzeit noch unter dem Bundesdurchschnitt: Eine Studie, die die Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) im Herbst 2020 veröffentlichte, bezifferte den Anteil der Bürgermeisterinnen in Deutschland auf 9 Prozent – Tendenz sinkend, denn der im Osten immerhin etwas höhere Frauen-Anteil (11 Prozent) ist nach Einschätzung der Autorinnen rückläufig.

Unsere Datenanalyse für Hessen ergibt ein noch düsteres Bild: Frauen besetzen nach der Kommunalwahl 2021* nur 34 hessische Bürgermeisterposten. Lässt man die Kommunen, in denen es zur Stichwahl kommt, außen vor, so beträgt ihr Anteil gerade einmal 8,15 Prozent – also noch unter dem ohnehin mageren Durchschnitt in Deutschland. 

Je kleiner die Gemeinden, umso höher der Anteil der Rathauschefinnen – auch das ist ein Ergebnis der EAF-Studie zu Bürgermeister:innen in Deutschland. „Das heißt auch: Frauen üben das Amt verhältnismäßig häufiger im Ehrenamt aus – auf fast jede zweite Bürgermeisterin trifft das zu, aber nur auf ca. jeden vierten Bürgermeister“, so die Autorinnen der Studie.

Unsere Datenanalyse für Hessen bestätigt zumindest den Bundestrend, dass Frauen vor allem Gemeinden kleiner bis mittlerer Größe führen; die größte hessische Kommune mit einer Bürgermeisterin an der Spitze ist Gießen, mit knapp 90.000 Einwohnerinnen und Einwohnern Hessens siebtgrößte Stadt.

Der einzige ehrenamtliche Bürgermeisterposten in Hessen – bei weniger als 5000 Einwohnern können Gemeinden sich für dieses Modell entscheiden – wurde indes bislang von einem Mann bekleidet: Der parteilose Ottmar Vöpel wurde 2017 mit 86,7 Prozent der abgegebenen Stimmen Bürgermeister in Bromskirchen, einer Gemeinde im nordhessischen Waldeck-Frankenberg mit knapp 2000 Einwohner:innen. Vöpel war dort seinerzeit der einzige Kandidat. Und er wird der letzte Bürgermeister von Bromskirchen gewesen sein, denn die Gemeinde stimmte am 14. März 2021 auch über eine Fusion ab. Das Ergebnis ist deutlich: Bromskirchen wird künftig keine eigenständige Gemeinde mehr sein, sondern ein Ortsteil des benachbarten Allendorf (Eder).

Landratswahlen in Hessen: Keine kam durch

In drei der fünf hessischen Landratswahlen stellten die Grünen eine Kandidatin – alle drei scheiterten gegen die „Jungs“. Petra Neubert im Odenwaldkreis, Evelyn Berg im Landkreis Bergstraße und Stefanie Pies im Schwalm-Eder-Kreis, alle drei teilen das Schicksal der jeweils Drittplatzierten.

19 der 21 Landratsposten in Hessen werden aktuell von Männern ausgefüllt, zwei von Frauen. Die Sozialdemokratin Anita Schneider, seit 2010 Landrätin im Kreis Gießen, und ihre Parteikollegin Kirsten Fründt (Kreis Marburg-Biedenkopf) haben bei dieser Kommunalwahl keine weitere Kollegin dazubekommen.

Kommunalwahl in Hessen: Elf Bürgermeisterkandidat:innen ohne Konkurrenz in Kampf um Rathaus

Dass die Hessinnen und Hessen die (Bürgermeister-)Wahl zwischen mehreren Personen haben, ist keineswegs selbstverständlich. In elf Kommunen des Landes stand am Sonntag auf dem Stimmzettel jeweils nur ein Name – und darunter die Optionen „Ja“ und „Nein“. Entfallen mindestens 50 Prozent plus eine Stimme auf „Ja“, so ist die Kandidatin oder der Kandidat gewählt. Andernfalls geht das Wahlprozedere von vorne los. So sieht es die Hessische Gemeindeordnung vor. Dazu kommt es allerdings nirgendwo in Hessen, alle elf Allein-Kandidaten erreichten die notwendige Zustimmung.

In zehn der elf betroffenen Gemeinden waren es Amtsinhaberinnen (2) und Amtsinhaber (8), die erneut antraten (und gewählt wurden). Die einzige Ausnahme bildet eine kleine Gemeinde im Schwalm-Eder-Kreis.

Kommunalwahl Hessen: Wenn ein Bürgermeister nicht mehr im Rathaus bleiben will

Die kleine Landgemeinde Ottrau mit etwas mehr als 2000 Einwohner:innen ganz im Süden des Schwalm-Eder-Kreises wurde seit 2011 von dem (nach seinem Austritt aus der CDU parteilosen) Norbert Miltz geführt. Doch mitten in seiner zweiten Amtszeit überraschte der Bürgermeister die Bevölkerung vor Ort mit der Ankündigung seines Rücktritts. Seine Begründung damals: Ottrau brauche mit Blick auf eine mögliche Zusammenlegung mit den Gemeinden Oberaula und Neukirchen keinen hauptamtlichen Rathauschef mehr, ein Ehrenamts-Bürgermeister täte es auch – und wäre billiger.

In Ottrau machte sich Miltz damit alles andere als beliebt. Die Gemeindevertretung verabschiedete ihn 2020 auf eigenen Antrag in den vorzeitigen Ruhestand. Neuer Bürgermeister in Ottrau ist nun Jonas Korell (CDU).

Kommunalwahl in Hessen: Parteilos führt die Rathäuser, SPD führt die Landratsämter

Die Zugehörigkeit zu einer Partei oder Wählergruppe spielt in den Kommunen eine untergeordnete Rolle. Unsere Datenanalyse der Kommunalwahl 2021 zeigt, dass die unabhängigen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in Hessen weiterhin die größte Gruppe bilden, gefolgt Rathauschefs, die der SPD oder der CDU angehören. Die Grünen stellen derzeit in Hessen drei Bürgermeister, die FDP zwei Bürgermeister und eine Bürgermeisterin.

Ein ganz anderes Bild zeigt sich bei den Landräten: In 13 und damit mehr als der Hälfte der hessischen Kreise stehen nach der Kommunalwahl SPD-Leute an der Spitze (darunter zwei Frauen), sieben Landräte werden von der CDU gestellt. Mit dem Sieg von Torsten Warnecke im Landkreis Hersfeld-Rotenburg konnte die SPD damit ihre Dominanz bei den hessischen Landräten ausbauen, die CDU hat einen Landratsposten eingebüßt. Der einzige parteilose Landrat in Hessen ist derzeit Frank Kilian (Rheingau-Taunus-Kreis).

(Monika Gemmer) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN MEDIA

Rubriklistenbild: © Nicolas Bruckmann/IPPEN.MEDIA/dpa

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