Genesene müssen manchmal wieder laufen lernen.
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Genesene müssen manchmal wieder laufen lernen.

Corona

Was kommt nach der Beatmung?

  • vonAnna Schughart
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Covid-19-Patienten kämpfen nach ihrer Genesung mit teilweise schweren Folgen – doch es gibt noch nicht genug Reha-Angebote.

Etwa 167 300 Menschen gelten laut Robert-Koch-Institut (Stand 3. Juni, 0 Uhr) als von der Lungenkrankheit Covid-19 genesen. Doch „genesen“ ist in diesem Zusammenhang ein trügerisches Wort. Es bedeutet eigentlich nur: Die ehemals positiv Getesteten haben keine Covid-19-Symptome mehr, das Virus wurde bei ihnen nicht mehr nachgewiesen. Dabei kann die Erkrankung ganz unterschiedlich verlaufen. Manche merken sie gar nicht, bei anderen ist sie mit einer schweren Grippe vergleichbar, manche müssen ins Krankenhaus, einige sogar auf die Intensivstation. Wie es diesen Menschen nach der akuten Erkrankung geht, welche Einschränkungen sie haben, mit welchen Folgen sie kämpfen, welche Unterstützung sie brauchen, das alles ist – wie so oft bei Corona – noch gar nicht klar.

„Wir beginnen gerade erst, die akute Phase von Covid-19 zu verstehen, über die Reha-Phase gibt es noch gar keine richtigen Daten“, erklärt Rembert Koczulla, Chefarzt am Fachzentrum für Pneumologie der Schön Klinik in Schönau am Königssee und Lehrstuhlinhaber der einzigen pneumologischen Rehabilitationsstelle in Deutschland an der Philipps Universität Marburg. „Aus dieser Not heraus haben wir selbst Konzepte erstellt.“

Die Schön Klinik ist eine der ersten, die mit der Reha-Behandlung von Covid-19-Patienten begonnen hat. Koczulla greift dafür auf seine Erfahrungen mit Patienten mit anderen schweren Lungenerkrankungen zurück – und auf die Erkenntnisse, die man während der Sars-Epidemie 2002/03 gewonnen hat. Jetzt muss geprüft werden, welche Teile davon auf die Covid-19-Reha-Patienten übertragbar sind, und die Konzepte in Studien erproben.

Schon jetzt aber zeichnet sich ab: Die üblichen drei Wochen Reha reichen im Fall der schwer betroffenen Covid-19-Patienten möglicherweise nicht. „Wir sehen, dass die Patienten viele verschiedene Einschränkungen haben“, sagt Koczulla. Man weiß inzwischen, dass das Coronavirus nicht nur ein einziges Organ befällt, sondern im ganzen Körper Schaden anrichtet. Tatsächlich, so berichten es Rainer Glöckl und Stefan Dewey, Sprecher der Sektion „Rehabilitation, Prävention und Tabakkontrolle“ der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), nähmen die Anfragen nach einer Rehabilitation von Patienten mit milderen Krankheitsverläufen zu. Ob die Plätze reichen würden, dass lasse sich derzeit nur abschätzen. Je nachdem wie häufig Covid-19-Patienten künftig eine Reha verordnet würde, seien aber in naher Zukunft Engpässe bei den Kapazitäten denkbar. „Zumal zu berücksichtigen ist, dass der Rehabilitationsbetrieb aufgrund der gegebenen Hygienemaßnahmen nur eingeschränkt stattfinden kann.“

Aktuell besteht jedoch eher das Problem, das zu selten eine Reha verordnet wird. Eine Verordnung einer Anschlussbehandlung nach einem überstanden Covid-19-Krankenhausaufenthalt habe sich leider noch nicht etabliert.

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