Griselda Lobo Silva im Kongress von Bogota.
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Griselda Lobo Silva im Kongress von Bogota.

Kolumbien

Kolumbien: Ex-Guerillera wird Vizepräsidentin des Senats

  • Klaus Ehringfeld
    vonKlaus Ehringfeld
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Griselda Lobo, 35 Jahre lang Farc-Rebellin, hat jetzt eines der höchsten politischen Ämter in ihrer Heimat inne. Ein Porträt.

Der am wenigsten erwartete Glückwunsch für Griselda Lobo kam von jemandem, der die Farc-Guerilla bis aufs Messer bekämpfte. Ex-Präsident Álvaro Uribe, Rechtsaußen und beflissener Hassprediger gegen das Friedensabkommen mit der linken Ex-Kämpferin, fand lobende Worte. „Ich bin nicht einverstanden mit dem Abkommen, aber ich begrüße die Wahl von Lobo zur zweiten Vizepräsidentin des kolumbianischen Senats. Sie streitet mit Argumenten und Genauigkeit“, schrieb Uribe auf Twitter.

Es ist eine Art Ritterschlag für die 56-Jährige, ehemalige Frontfrau der Guerillaorganisation, die in dieser Woche gewählt worden war. Der Posten ist nicht mit großer Machtfülle versehen, aber Lobos Ernennung mit einer breiten Mehrheit von 66 Stimmen hat große symbolische Bedeutung in einem Land, das tief zerrissen ist zwischen Falken und Tauben, Befürwortern und Bekämpfern des historischen Friedensvertrags von 2016 mit den „Revolutionären Streitkräften Kolumbiens“ (Farc).

Lobo selbst, besser bekannt unter ihrem Kampfnamen „Sandra Ramírez“, ordnete die Wahl als einen großen Schritt in Richtung Aussöhnung ein: Es sei „ein Triumph des Friedens, ein Triumph der Versöhnung, es zeigt, dass der Frieden der Weg ist“. Tatsächlich ist es das erste Mal, dass ein Politiker oder eine Politikerin der zur politischen Partei Farc konvertierten Guerilla einen Funktionsposten in Abgeordnetenkammer oder Senat erhält.

Die Wahl kommt gerade recht in Zeiten, in denen die Rechtsaußen-Regierung um Präsident Iván Duque die Umsetzung des Friedensvertrags boykottiert, wo es geht. In der Folge ziehen sich immer mehr demobilisierte Rebellen aus dem Abkommen zurück und nehmen die Waffen wieder auf. Diese „Farc-Dissidenz“ genannte Organisation hat nach einer Untersuchung des kolumbianischen Geheimdienstes inzwischen mehr als 4500 Kämpfer und urbane Unterstützer. Damit wäre sie die zweitgrößte bewaffnete Gruppe Kolumbiens nach der kleinen Linksguerilla „Nationales Befreiungsheer“ (ELN).

Zudem werden zunehmend ehemalige Kämpfer Opfer von Mordanschlägen. Mehr als 220 der Demobilisierten wurden in Kolumbien seit Unterzeichnung des Abkommens ermordet. Lobo bekennt, dass sich der Friedensprozess „in einer schwierigen Phase“ befindet und es den Versuch gäbe, die Farc „systematisch auslöschen zu wollen“.

„Sandra Ramírez“, die aus dem nordkolumbianischen Department Santander stammt, hat mit 35 Jahren den Großteil ihres Lebens in der Rebellenorganisation verbracht. Die Frau aus einer Bauernfamilie mit 17 Geschwistern war dabei fast ein Vierteljahrhundert die Lebensgefährtin von Manuel Marulanda, alias „Tirofijo“, einem der Gründer der Farc. Er starb 2008 eines natürlichen Todes. Innerhalb der Guerilla genoss Lobo daher auch Privilegien. Sie arbeitete als Krankenschwester, Fotografin und später als Assistentin von Tirofijo, als dieser sein Augenlicht zu verlieren begann. Lobo bereitete seine Dokumente vor und las ihm aus seinen geliebten Büchern vor.

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