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Mehrere rechtsgerichtete Gruppierungen demostrieren in Köthen

Demonstrationen in Köthen

Köthen im Krisenmodus

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Mehr als 1000 Polizisten sichern in Köthen Demonstrationen nach dem Tod eines jungen Mannes ab. Der Protest verläuft laut Polizei "weitestgehend störungsfrei". Der Oberbürgermeister beklagt einen Kontrollverlust.

Eine Woche nach dem Tod eines 22-Jährigen nach einem nächtlichen Streit in Köthen (Anhalt-Bitterfeld) hat es dort am Sonntag erneut Proteste gegeben. Mehrere rechtsgerichtete Gruppierungen, darunter das fremdenfeindliche Pegida-Bündnis, hatten  dazu aufgerufen, am Abend durch die Stadt zu ziehen. Auch die AfD Sachsen-Anhalt beteiligte sich an dem Appell, dem nach Schätzungen 1300 Personen folgten. Parallel demonstrierten in Köthen aber auch mehrere Hundert Menschen gegen Rechts.   Beide Kundgebungen verliefen laut Polizei bis zum Abend „weitestgehend störungsfrei“. Ein Zusammenstoß beider Gruppen konnte später verhindert werden.

Henriette Quade, Landtagsabgeordnete der Linken, warf der AfD vor, „gemeinsam mit den Neonazis zu marschieren“. Der Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby (SPD) aus Halle sagte: „Die breite Mehrheit ist gegen Rassismus und Gewalt. Die Demokraten müssen heute zeigen, dass kein Platz für Hitlergrüße ist.“ Am Nachmittag  nahmen bereits Hunderte Menschen an einem Friedensgebet in der Jakobskirche teil.

Die Polizei war am Sonntag mit mehr als 1 000 Kräften im Einsatz. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) erklärte, die Polizei habe bereits im Vorfeld „hervorragend geplant und gearbeitet“.  Zugleich bedankte er sich bei den Bundesländern, die Kräfte nach Köthen geschickt haben. „Wir haben da ein hohes Maß an Solidarität erfahren.“

Oberbürgermeister Bernd Hauschild (SPD) sagte derweil dem MDR, er sei nicht mehr Herr in Köthen. „Es diktieren Fremde, was passiert - die Polizisten, die Demonstranten.“ Die Hochschule Anhalt warnte vorab vor „potenziell gefährlichen Demonstrationen“ und rief Studenten auf, „großzügig Straßenzüge zu meiden, die  durchlaufen werden“. 

Nach Behördenangaben starb der herzkranke 22-Jährige bei der Auseinandersetzung vor einer Woche an einem Infarkt. Er hatte sich schlichtend in einen Streit mehrerer Afghanen eingeschaltet und wurde  selbst ins Gesicht geschlagen. Zwei 18 und 20 Jahre alte Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Nach dem Tod des Mannes zogen am vergangenen Sonntag 2500 Menschen durch Köthen, darunter 500 Rechtsextremisten. Dabei sprach der Chef der rechtsextremen Thügida-Bewegung, David Köckert, von einem „Rassenkrieg gegen die Deutschen“.

Oberbürgermeister Hauschild erklärte anschließend, es sei traurig, dass auch viele Köthener den Neonazis applaudiert hätten. Das Bündnis „Halle gegen Rechts“ erklärte in seinem Aufruf für die Proteste am Sonntag ebenfalls, dass vor einer Woche  „Teile der bürgerlichen Stadtgesellschaft mit Neonazis, Hooligans und Anhängern der AfD“ auf die Straße gegangen seien. „Wir müssen feststellen, dass die extreme Rechte sich hier von Neonazis bis hin zur AfD vereint und kampagnenfähig zeigt“, erklärte  Bündnis-Sprecher Valentin Hacken.

„Die Stimmung in der Stadt ist ganz ohne Zweifel angespannt“, sagte der Kirchenpräsident der Anhaltischen Landeskirche, Joachim Liebig, beim Friedensgebet am Sonntag. Er hoffe, dass sich die Köthener nicht dem rechten Protest anschließen. Landtagsvizepräsident Wulf Gallert (Linke) sagte, Fremdenhass und Rassismus dürften nicht die Straßen erobern. Aus Protest gegen die anreisenden Demonstranten hatten Köthener am Vortag ihren Marktplatz mit Friedenssymbolen bunt angemalt. „An diesem bürgerschaftlichen Engagement sollten Köthen und Sachsen-Anhalt gemessen werden“, betonte Ministerpräsident Haseloff.

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