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Hintergrund

Wie Körperscanner funktionieren

Körbchengröße oder Speckröllchen, künstlicher Darmausgang oder amputiertes Bein: Dem sogenannten Körperscanner bleibt nichts verborgen. Genau deshalb wurden

Körbchengröße oder Speckröllchen, künstlicher Darmausgang oder amputiertes Bein: Dem sogenannten Körperscanner bleibt nichts verborgen. Genau deshalb wurden diese Geräte entwickelt - um beispielsweise Sprengstoff zu entdecken, den herkömmliche Detektoren nicht erkennen würden.

Die Bundespolizei testet seit rund einem Jahr in ihrer Forschungsstelle in Lübeck verschiedene Geräte, deren Anschaffungskosten in Medienberichten zwischen 70000 und 150.000 Euro schwanken. "Ergebnisse der Tests sollen im Laufe des nächsten Jahres vorliegen", sagt Jörg Kunzendorf, Sprecher der Bundespolizei. Die bisher getesteten Geräten hält die Behörde für noch nicht einsatzbereit. Denn sie dürften einerseits nicht so scharfe Bilder liefern, dass die Persönlichkeitsrechte der Kontrollierten verletzt würden. Andererseits müssten die Bilder so klar sein, dass Waffen oder Sprengstoff zu identifizieren seien.

Experimentiert wird nun mit einer Software, die lediglich Oberflächenbilder der Fluggäste liefert. Die Aufnahmen seien so verpixelt, dass keine intimen Details sichtbar würden. Allerdings könnten diese Geräte Sprengstoff noch nicht ausreichend sicher erkennen.

Weitere Probleme: Manche Geräte brauchen für das Scannen zu lang. Zudem geht man in dem Lübecker Labor der Frage nach, ob das Scannen gesundheitliche Risiken birgt. Letzteres hängt davon ab, mit welcher Technik die Geräte arbeiten: mit Röntgenstrahlen oder mit Terahertz-Strahlen.

Bei den Röntgen-Scannern, 2005 in den USA erstmals getestet, ist die mittlere Gesamtstrahlenbelastung zwar geringer als beim konventionellen Röntgen, gesundheitliche Folgen sind aber nicht auszuschließen. Denn die Strahlen können durch ihre ionisierende Wirkung Zellschäden verursachen, die Krebs auslösen können. Anders als medizinische Röntgengeräte misst der Bodyscanner nicht die Strahlung, die durch den Körper hindurchgeht, sondern erfasst die Rückstreuung und erstellt daraus Bilder.

Die Terahertz-Wellen sind weniger schädlich als die Röntgenstrahlen, weshalb diese Methode als vielversprechender gilt. Terahertz-Strahlen sind elektromagnetische Wellen, die im Spektrum zwischen Infrarotlicht, also Wärmestrahlung, und Mikrowellen liegen. Die Strahlung ist erst seit wenigen Jahren nachweisbar. Doch seither weiß man: Nahezu jeder Gegenstand sendet Terahertz-Wellen aus, jedoch in unterschiedlicher Intensität - am stärksten strahlen beispielsweise Metalle, auch die menschliche Haut gibt solche Wellen ab. Diese unterschiedlichen Strahlungen machen sich spezielle Kameras zunutze. Dabei gibt es zwei Methoden: eine sogenannte aktive und eine passive.

Bei der aktiven Methode scannt ein Strahl den Körper ab und konstruiert aus der Rückstreuung ein Bild. Bei der passiven Methode wird nur die natürliche Wärmestrahlung des Körpers erfasst, wodurch ein Bild ohne anatomische Details erzeugt wird. Bereits vor sieben Jahren hat QinetiQ, das Forschungsinstitut der britischen Regierung, eine solche Terahertz-Kamera entwickelt und am Londoner Flughafen Gatwick getestet.

In Deutschland tüfteln mehrere Hochtechnologiefirmen der Sicherheitsbranche an derartigen Geräten, aber auch Universitäten wie die Goethe-Universität in Frankfurt am Main entwickeln solche Kameras. Das Institut für Photonische Technologien in Jena feierte sich Ende November für seine Spezialkamera: Die passiv arbeitende Kamera erfasse die Terahertz-Strahlung des menschlichen Körpers in Echtzeit und erzeuge Bilder in schneller Folge, aber anders als die Röntgen-Scanner stelle die in Jena entwickelte Kamera keine anatomischen Details dar, so Institutsdirektor Jürgen Popp: "Die Terahertz-Kamera wird das Niveau der Sicherheit in der zivilen Luftfahrt revolutionieren."

Sicherheitsexperten sind sich sicher, dass die Scanner an Weihnachten den Sprengstoff am Körper des verhinderten Attentäters entdeckt hätten. Kurioserweise sollen solche Geräte sowohl auf dem Flughafen im nigerianischen Lagos, wo der Attentäter losflog, installiert sein wie in Amsterdam, wo er in Richtung Detroit umstieg. Schiphol gehört neben Zürich zu den wenigen europäischen Airports, auf dem Scanner eingesetzt werden - zu Testzwecken. Der verhinderte Flugzeugbomber hat die Scanner möglicherweise mit einem Diplomatenpass umgangen. Susanne Rost

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