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Mohammed bin Salman soll wahrscheinlich Ende dieses Jahres neuer König werden.

Saudi-Arabien

Königspoker in Riad

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Monarch Salman will offenbar baldigst seinen Sohn Mohammed als Herrscher installieren. Dafür hat er recht unverfroren seinen designierten Nachfolger demontiert.

In der Sommerhitze von Riad schwirren die Gerüchte nur so: Der betagte König Salman reiste ab in seinen Jahresurlaub nach Marokko, so dass jetzt sein 31-jähriger Sohn Mohammed bin Salman erstmals alleine die Geschicke Saudi-Arabiens lenkt. Normalerweise ist in arabischen Monarchien ein zeitweiser Machttransfer zum Kronprinzen nichts Ungewöhnliches. Nicht so in Saudi-Arabien, wo das Intermezzo offenbar bis Ende des Jahres in eine permanente Machtübergabe münden soll. Das Video seiner Abdankung hat der 81-jährige Herrscher laut „Wall Street Journal“ bereits aufgezeichnet; das Blatt beruft sich dabei auf Palastkreise.

Denn hinter den Kulissen des saudischen Königshofes wird seit fünf Wochen mit harten Bandagen gekämpft, um Mohammed bin Salman den Weg zum Thron zu ebnen. Mitte Juni räumten der alte und der junge Salman auf rüde Weise den bisherigen Kronprinzen, Innenminister Mohammed bin Nayef, beiseite, der seitdem in seiner Residenz in Dschidda unter Hausarrest steht. Nun dringen immer mehr Details über die Palastintrige nach außen. Demnach zitierte König Salman den damaligen Thronfolger eines Nachts in den Safa-Palast in Mekka. Dort wurden dem Ahnungslosen seine Handys abgenommen, alle Kontakte zu Vertrauten gekappt und die Diabetes-Medikamente konfisziert. In einem eisigen Vier-Augen-Gespräch hielt der Monarch bin Nayef vor, er sei drogen- und medikamentenabhängig, tue nichts dagegen und sei deshalb ungeeignet für die Nachfolge.

Die Jugend will die Macht

Eine halbe Nacht eingesperrt im Palast, gab der damalige zweite Mann im Staat schließlich nach. Ein Video am frühen Morgen zeigte, wie er dem siegreichen Rivalen Mohammed bin Salman Gefolgschaft schwor. „Das war ein großer Schock für ihn, ein Schlag, der ihn völlig unvorbereitet traf“, heißt es aus der Umgebung des Geschassten. Wenig später entzog König Salman dem Innenministerium, das als wichtigste Machtbasis bin Nayefs galt, die Kontrolle über alle Geheimdienste und Anti-Terroreinheiten und unterstellte sie seiner persönlichen Aufsicht.

Sollte diese spektakuläre Prinzenrochade gelingen, besteigt mit Mohammed bin Salman der erste Herrscher der dritten Generation den Thron des Königreichs des schwarzen Goldes auf der Arabischen Halbinsel. Wie die rund 9000 Köpfe zählende Königsfamilie auf dieses Palastbeben reagiert, ist bisher unklar. Drei der 34 Familienzweige verweigerten dem Salman-Coup die Zustimmung. Auch in der Bevölkerung ist der neue starke Mann Saudi-Arabiens nicht nur beliebt. Skeptiker nennen ihn impulsiv, unbeherrscht und unberechenbar. Mohammed bin Salman gilt als treibende Kraft hinter dem katastrophalen Kriegsabenteuer im Jemen und der rabiaten Konfrontationspolitik gegenüber Golfnachbar Katar.

Befürworter dagegen preisen seinen Schwung und Reformmut. Für viele junge Saudis, die mehr als die Hälfte der 20 Millionen Einheimischen ausmachen, ist „MBS“, wie sie ihn nennen, ein Hoffnungsträger. Anfang 2016 forderte er in einem „Manifest für Wandel“ eine umfassende wirtschaftliche Modernisierung und mehr Rechte für Frauen. Saudi-Arabien werde gebremst durch „das überkommene Erbe und populäre Traditionen“, schrieb er – über Demokratisierung und Menschenrechte verlor er allerdings kein Wort. Auch in seinem Machtstreben gibt sich der angehende König unbeirrt. Nach Medienberichten sucht er bereits einen eigenen Kronprinzen – und auch der soll ein Jüngerer sein aus der dritten Generation des Königshauses.

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