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13 Menschen starben, nachdem ein Mann am 17. August 2017 mit einem Lieferwagen in die Menschenmenge auf der Flaniermeile Rambla raste.

Attentat von Barcelona

König Felipe ist nicht willkommen

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Das Gedenken an den Anschlag von Barcelona vor einem Jahr ist überschattet vom spanisch-katalanischen Konflikt.

An diesem Freitag gedenkt Barcelona der Opfer des islamistischen Terroranschlags von vor einem Jahr. Doch der spanisch-katalanische Konflikt, der schon die Aufarbeitung der Attentate überschattet hatte, erschwert ein würdiges Gedenken an die Terroropfer. Heute ist das gegenseitige Misstrauen zwischen Barcelona und Madrid noch größer.

Rückblick: Es ist der Nachmittag des 17. August 2017 als ein 22-jähriger Mann marokkanischer Herkunft mit einem Lieferwagen in die Rambla, Barcelonas berühmte Flaniermeile, rast. 13 Menschen sterben sofort, eine 51-jährige Deutsche erliegt zehn Tage später ihren Verletzungen. Auf der Flucht vor der Polizei tötet der Terrorist einen weiteren Mann mit einem Messerstich.

Mitglieder der Terrorzelle, der auch der 22-Jährige angehörte, unternehmen in der Nacht zum 18. August einen Folgeanschlag im Badeort Cambrils, gut 100 Kilometer westlich von Barcelona, bei dem eine weitere Frau durch eine Messerattacke stirbt. Dreizehn Jahre nach den Bombenanschlägen auf vier Madrider Vorortzüge am 11. März 2004 mit 191 Toten war der islamistische Terror nach Spanien zurückgekehrt.

Die Attentate von Barcelona und Cambrils fielen in eine politisch angespannte Zeit. Gut sechs Wochen danach, am 1. Oktober, ließ die katalanische Regionalregierung mit Unterstützung der separatistischen Mehrheit im Regionalparlament ein Unabhängigkeitsreferendum abhalten – trotz des vom spanischen Verfassungsgericht verhängten Verbots.

Das Rathaus von Barcelona unter der linken Bürgermeisterin Ada Colau will nun versuchen, zumindest für diesen Freitag den politischen Konflikt vergessen zu machen. Die Gedenkfeier am Vormittag auf der Plaça de Catalunya, von der aus der Terrorist in die Rambla hineinraste, werde „schlicht und bewegend“ sein, im Mittelpunkt sollen „die Musik, die Verletzten und die Angehörigen der Todesopfer“ stehen, offizielle Ansprachen seien nicht vorgesehen. Die Stadtverwaltung hat keine Einladungen an Politiker verschickt, kommen dürfen sie aber trotzdem. König Felipe hat seine Anwesenheit angekündigt, was in den vergangenen Tagen einige Diskussionen ausgelöst hat.

Der spanische Monarch ist den katalanischen Separatisten verhasst, seit er ihnen zwei Tage nach dem Unabhängigkeitsreferendum in einer Fernsehansprache die Leviten las: Nach deren „inakzeptablem Versuch, sich der Institutionen Kataloniens zu bemächtigen“ sei es nun Aufgabe „der legitimen Mächte des Staates, die verfassungsmäßige Ordnung sicherzustellen“. Dreieinhalb Wochen später setzte die spanische Regierung die katalanische Regionalregierung ab. Felipe könnte sich an diesem Freitag auf ein Pfeifkonzert gefasst machen. Die großen Unabhängigkeitsinitiativen ANC und Òmnium Cultural haben allerdings darum gebeten, dass die Opfer im Mittelpunkt der Feier stehen sollen.

Der politische Konflikt bricht auch bei der Analyse der möglichen Fehler im Vorfeld und während der Aufklärung der Attentate auf. Die katalanischen Nationalisten neigen dazu, die Arbeit der Regionalpolizei, der Mossos de Esquadra, zu glorifizieren, während ihre Gegner deren Schwächen hervorheben. Das Grundproblem ist aber ein anderes: das der schlechten Koordination unter den verschiedenen Polizeieinheiten, der Policía Nacional, der Guardia Civil, der Mossos und auch des Geheimdienstes CNI. So konnte es geschehen, dass der Kopf der Terrorzelle, ein Imam aus der katalanischen Kleinstadt Ripoll, über viele Jahre immer wieder auf den Radar dieser oder jener Ermittler geriet, ohne dass diese Erkenntnisse an zentraler, für alle zugänglicher Stelle gesammelt wurden. Das Problem ist seit langem bekannt, aber noch immer nicht zufriedenstellend gelöst.

Als der Attentäter der Rambla nach viertägiger Flucht in der Nähe von Sant Sadurní d’Anoia, keine 50 Kilometer von Barcelona entfernt, gestellt wurde, gab die Polizei 24 Schüsse auf ihn ab, von denen mindestens zwei tödlich waren. Sein Tod wäre wahrscheinlich vermeidbar gewesen. Eine Politikerin der linksradikalen CUP sprach von einer „außergerichtlichen Hinrichtung“, wofür sie eine Anzeige wegen Beleidigung erhielt. Eine unempörte Debatte über die Entscheidung zum Todesschuss hat es in Spanien bis heute nicht gegeben.

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