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Wieder Grund zum Lachen. Bernd Stange (r.) und seine irakischen Nationalkicker.
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Wieder Grund zum Lachen. Bernd Stange (r.) und seine irakischen Nationalkicker.

Kneipp-Kur für den irakischen Fußball

Das Team von Bernd Stange sucht mit DFB-Hilfe im bayrischen Bad Wörishofen die Ruhe nach dem Sturm

Von Iris Hilberth (Bad Wörishofen)

Trainer Bernd Stange hat extra Fotos mitgebracht. Damit jeder sehen kann, wie es dort derzeit ausschaut, wo seine Jungs herkommen. Wo sie die vergangenen sechs Wochen trainiert haben. Oder es zumindest versucht haben. So gut das eben geht auf einem staubigen Platz, auf dem an manchen Stellen Gräser eine halben Meter hoch wachsen und Löcher das Sprinten nach dem Ball ungeheuer schwer machen. Ein Bolzplatz irgendwo in Bagdad, Trainingsgelände der Fußballnationalmannschaft des Irak. Stange hatte seine Arbeit als "Captain" nach dem Krieg wieder aufgenommen. Ein mühsamer Job, wenn man seit Februar kein Geld mehr bekommen hat und wenn es eigentlich an allem fehlt, was man zum Fußballspielen so braucht: Bälle, Trikots, Duschen und einen gescheiten Platz halt. Denn das ehemalige Nationalstadion ist kaputt, auf dem, was vom Rasen übrig geblieben ist, parken nun die Panzer.

Stange sitzt im Kurhaus von Bad Wörishofen. Eine Einladung. Ein Glücksfall für sein Team, wie er sagt. Noch dazu ausgesprochen vom Deutschen Fußball Bund (DFB), der den ehemaligen Trainer der DDR-Auswahl so gescholten hatte, als er bei Saddam Hussein im vergangenen November für fünf Jahre unterschrieb.

Natürlich ist die Kritik seines Engagements im Irak heute verstummt, die Lage schließlich eine andere. Es geht um Unterstützung beim Wiederaufbau, beim Neuanfang. "Wenn das alte System noch existieren würde, wäre die Mannschaft nicht bei uns zu Gast", betonte Bürgermeister Klaus Holetschek. Und Armin Klughammer vom bayrischen Fußballverband nickt zustimmend. So ganz begeistert sei man beim Verband anfangs nicht von dieser Idee gewesen, aber man habe sich dann vergewissert, ob eine solche Einladung in Ordnung gehe. Man wollte ja nicht für Verstimmung sorgen. Die amerikanische Botschaft in Berlin hatte nichts dagegen und der DFB übernahm die Flugkosten, nur die Flugkosten, wie der Sprecher des Bayerischen Fußball-Verbands, Helge Günther, unbedingt klarstellen will.

Auch Trainer Stange sprach von Annäherung mit dem Verband in der alten Heimat. Stück für Stück sei man auf einander zugegangen. "Ich empfinde keinen Groll gegen diejenigen, die mich kritisiert haben", sagt er, "ich kann sie auch verstehen, denn die Kritik galt ja nicht meiner Arbeit als Fußballtrainer." Immer und immer wieder wiederholt er im Kurhaus das, was er auch vor dem Krieg entgegnet hatte: er äußere sich nicht zu politischen Fragen, ihm gehe es nur um den Fußball, um den Sport. Daher unterscheide sich seine Arbeit vor dem Krieg auch nicht von der in der Ära nach Saddam. "Irak ist Mitglied der Fifa, die hat die Zustände vor dem Krieg kontrolliert und konnte nichts finden."

Er als Trainer könne natürlich nicht ausschließen, dass vorher "Dinge gelaufen sind." Von Misshandlungen war da in Medienberichten die Rede, vom Auspeitschen, von Folter, wenn ein Spiel verloren ging. So richtig bestätigen wollte das der Kapitän der Mannschaft, Husan Faszi Naji nicht. Bestrafungen habe es gegeben, das schon. "Aber nicht alle diese Berichte sind wahr." Mit 21 Spielern ist Stange nach Bayern gekommen, in diese herausgeputzte kleine Stadt im Unterallgäu, die zumeist ältere Herrschaften anlockt, weil sie in voralpenländischer Idylle auf gesunden 635 Metern Höhe ihre Kneipp-Kuren absolvieren wollen.

Viele der irakischen Spieler waren noch nie in Europa, eine fremde Welt zwischen blumengeschmückten Kurhotels, Kneipp-Anlagen und sauber gefegter Fußgängerzone. "Eine Riesenchance", nennt es Stange. Endlich mal in Ruhe auf die bevorstehenden großen sportlichen Aufgaben vorbereiten und auch ein paar Testspiele, unter anderem gegen den Zweitligisten Unterhaching, bestreiten.

Denn immerhin geht es um die Qualifikation für die Asienspiele 2004 und die Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Der Einladung nach Bayern folgten weitere: nach Kalifornien, nach Australien. Stange meint: "Die Deutschen haben den Weg bereitet."

Dossier: Irak nach dem Krieg

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