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Pedro Pablo Kuczynski hat’s wohl geschafft.

Peru

Knapper Sieg für Perus Flötisten – vielleicht

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Der Neoliberale Kuczynski liegt bei der Präsidentenwahl vorne. Die Provinzen entscheiden über den Ausgang.

In Peru zeichnet sich nach der Stichwahl am Sonntag ein hauchdünner Sieg des liberalen Ökonomen Pedro Paulo Kuczynski ab. Nach Auszählung von knapp 90 Prozent der Stimmen lag er rund ein Prozent vor der Rechtspopulistin Keiko Fujimori. Sollte er das halten können, wäre das vor allem das Verdienst des Anti-Fujimori-Lagers, das sich in letzter Minute gegen die Tochter des früheren Diktators Alberto Fujimori zusammengerauft hat.

Kuczynski beanspruchte noch am Wahlabend den Sieg für sich. Unter den 900 000 Briefwählern aus dem Ausland, deren Stimmen zunächst nicht ausgezählt waren, könnte zwar auch eine Mehrheit für ihn gestimmt haben. Aber auf der anderen Seite ist Fujimori in den Provinzen stark. Bis alle Ergebnisse in die Hauptstadt Lima gemeldet sind, dürften noch Tage vergehen.

Beim ersten Wahlgang im April hatte die 41-jährige Fujimori fast 40 Prozent bekommen. Der 77-jährige PPK, wie Kuczynski in Peru verkürzt wird, landete mit 21 Prozent auf Platz zwei, und selbst um den musste er bangen, weil die Linke Veronika Mendoza nur knapp hinter ihm landete. Anschließend lagen er und Fujimori wochenlang Kopf an Kopf in den Umfragen. Kurz vor der Stichwahl schien der Sieg Fujimori kaum zu nehmen.

Dass sich das Blatt doch noch mal wendete, wird auf Kuczynskis aggressiveren Auftritt in der letzten TV-Debatte, Mendozas Unterstützungsappell zu seinen Gunsten und eine Massendemo gegen den Fujimorismus zurückgeführt – und die US-Drogenbehörde DEA hat eine der Führungsfiguren der Keiko-Partei ins Visier genommen.

Schlägt das Pendel jetzt endgültig zugunsten PPKs aus, hat Mendoza dem Neoliberalen aber bereits entschiedene Opposition angekündigt. Viel schwieriger jedoch würde es mit dem Fujimori-Lager, denn das verfügt im Parlament mit 73 von 130 Mandaten über die absolute Mehrheit; Kuczynskis Block zählt bloß 18 Abgeordnete.

PPK gilt als Kandidat der Eliten und des Kapitals. Der Eliteschüler hat im Ausland Ökonomie, Philosophie, Flöte und Klavier studiert. Seit Ende der 60er hatte er eine führende Position in der Zentralbank inne und ging 1968, als eine linke Militärregierung die Macht übernahm, in die USA ins Exil, wo er als Geschäftsmann erfolgreich war. Von 1980 an war er dann in verschiedenen Regierungen, mal als Wirtschafts- oder Finanzminister, aber auch als Ministerpräsident.

Keiko Fujimori hängt dagegen die Amtszeit ihres Vaters nach. Alberto Fujimoris Regime in den 90ern war korrupt und durch schwere Vergehen gegen die Menschenrechte gekennzeichnet. Die Tochter Keiko hat sich zwar von der Politik ihres Vaters distanziert. Aber die Rechtspopulistin verspricht heute, mit harter Hand gegen das Verbrechen vorzugehen, womit sie allzu sehr ihrem Vater ähnelt.

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