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Ruhe nach dem Sturm: Das Schanzenviertel in Hamburg nach dem Gipfel.

G20 in Hamburg

Knapp 500 verletzte Polizisten

Während des G20-Gipfels in Hamburg gingen Krawall-Bilder um die Welt. Die Sicherheitsbehörden betonen, sie hätten alles Menschenmögliche an Vorkehrungen getroffen.

Trotz langer Vorbereitungen auf den G20-Gipfel in Hamburg sind die Sicherheitsbehörden von der Brutalität der Proteste überrascht worden. Man habe es „mit skrupellosen Gewaltakten von Kriminellen“ zu tun gehabt, „die wir in dieser konkreten Form nicht an jeder Stelle vorhergesehen haben. Und die – glaube ich - auch niemand vorhersehen konnte“, sagte Innensenator Andy Grote (SPD) am Sonntag in Hamburg in einer Bilanz.

Hamburgs Regierungschef Olaf Scholz räumte ein, dass es nicht gelungen sei, so für die Sicherheit zu sorgen, wie man sich das vorgestellt habe. „Das erschreckt – jeden, mich auch. Das bedrückt - jeden, mich auch.“

Scholz zeigte sich betroffen, dass sich über den Kreis der brutalen Gewalttäter hinaus viele Menschen an den Krawallen beteiligt hätten. Man habe erlebt, „dass es ganz viele gibt, die dann auf dieser Welle mitgeritten sind“. Sie hätten offenbar in einer „Partylaune“ Flaschen auf Polizeibeamte geworfen, Geschäfte zerstört und geplündert. „Das ist eine Verrohung, die ich völlig inakzeptabel finde, und gegen die wir uns gemeinsam stellen sollten.“

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer wies aber auch darauf hin, dass es bei dem bisher größten Einsatz der Hamburger Polizei gelungen sei, die Sicherheit des Treffens „mit den zahlreichen Störversuchen“ bis zum Schluss zu gewährleisten. Ihn bedrücke jedoch, dass es nicht gelungen sei, Verletzungen der Einsatzkräfte zu vermeiden und den Schutz des Eigentums der Hamburger Bürger umfassend zu gewährleisten.

Rund um das Treffen der großen Wirtschaftsmächte war es zu heftigen Krawallen von Autonomen mit zahlreichen Verletzten gekommen. Nach Angaben der Polizei wurden insgesamt 37 Haftbefehle gegen Verdächtige erwirkt. 476 Beamte seien verletzt worden.

Mehr als 20.000 Beamte waren laut Polizeipräsident Meyer im Einsatz. Es sei „alles, aber auch wirklich alles Menschenmögliche an Vorkehrungen getroffen“ worden. Mit Blick auf den juristischen Streit um Übernachtungscamps für G20-Kritiker betonte Meyer, für die Polizei sei es wichtig gewesen, „keine Schlafstätten für militante Extremisten“ in Hamburg zu haben; das sei letztlich aber nicht gelungen. Es sei schwierig, wenn „Täter ohne Bezug zum Gipfel“ an unterschiedlichen Stellen der Stadt in einer „Kleingruppentaktik“ agierten.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Dietmar Schilff, fordert nach den  Krawallen in Hamburg ein konsequenteres Vorgehen der Politik gegen die autonome Szene in Deutschland. Gegenüber der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Montag) sagte Schilff, er sei „schier entsetzt“ über die Gewalt, die er in der Nacht von Freitag auf Samstag als Augenzeuge beobachtet habe. „Ein derartiges Ausmaß an Gewalt, aber auch den Beifall von Schaulustigen zu den Gewaltexzessen habe ich in meiner Berufszeit noch nicht erlebt.“

 Es sei jetzt an der Zeit mit der „linken politischen Sozialromantik aufzuräumen“, sagte Schilff. „Diese Gewalt hat mit links nicht zu tun. Politiker werden sich jetzt wieder hinstellen, die Einsatzkräfte loben und den Verletzten eine gute Genesung wünschen. Aber wichtiger wäre es Konsequenzen im Umgang mit linksextremistischen Zentren zu ziehen, die es nicht nur in Hamburg gibt, sondern auch in Berlin und Göttingen“, sagte der Polizeigewerkschafter. Wenn nichts getan werde, würden der Anarchie Tür und Tor geöffnet. (dpa)

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