Geflügelzucht

Klöckner: Kükentöten soll ab Ende 2021 verboten werden

  • vonMirko Schmid
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Jedes Jahr werden mehr als 40 Millionen männliche Küken geschreddert und vergast, weil sie keine Eier legen. Julia Klöckner will das Kükentöten nun beenden. 

  • Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner nennt das Töten männlicher Küken „ethisch nicht vertretbar“.
  • Klöckner ruft Verbraucher dazu auf, ab Geltung des Gesetzes auf Eier aus dem Ausland zu verzichten. 
  • Die Ministerin verteidigt die Übergangsfrist, da ansonsten Betriebe ins Ausland abwandern würden. 
Proteste gegen das Kükentöten vor dem Bundesverwaltungsgericht 2019

Berlin - Die grausame Praxis, nach der männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen vergast oder geschreddert werden, soll nach dem Willen der Bundesregierung ab Ende 2021 verboten sein. Als Grund dafür gibt Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner an, dass das Kükentöten "ethisch nicht vertretbar" sei und nimmt damit auch höhere Preise im Verkauf der Eier inkauf.

Erreichen will Klöckner den Stopp des Kükentötens durch eine Änderung des Tierschutzgesetzes, die der Bundestag beschließen soll. Nach dieser Änderung wäre es verboten, Küken des Geschlechts wegen zu töten, wodurch Verstöße sanktioniert werden könnten. Den Gesetzesentwurf stellte die Ministerin im Bundestag vor.

Geschlecht der Küken soll vor dem Schlüpfen bestimmt werden

Um das Kükentöten künftig zu verhindern, sollen die Brütereien bis Ende 2021 Verfahren zur Erkennung des Geschlechts noch vor dem Schlüpfen entwickeln und einführen. Das Ei eines Kükens wird über den Zeitraum von 21 Tagen ausgebrütet. Bisher marktreife Verfahren bestimmen laut dem Landwirtschaftsministerium das Geschlecht im Ei zwischen dem 9. und 14. Bebrütungstag. Dennoch soll weiter geforscht werden, um die Geschlechterbestimmung zu einem noch früheren Zeitpunkt vornehmen zu können.

Klöckner verteidigt Übergangszeit: „Hinreichend Zeit, Betriebswege umzustellen“

Doch Klöckner muss sich auch Kritik gefallen lassen. So kritisiert unter anderem der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) die vergleichsweise lange Übergangszeit. Klöckners Ministerium entgegnet, dass „ein Verbot des Kükentötens nur Sinn macht, wenn Betriebe nicht mangels Alternativen ins Ausland abwandern“ und will den Brütereien ausreichend Zeit für die Umstellung einräumen.

Die Verbraucherinnen und Verbraucher ruft Klöckner dazu auf, ab Geltung des Gesetzes nicht auf Eier aus dem Ausland auszuweichen. Schließlich hätten es die Konsumentinnen und Konsumenten in der Hand, ob sich „innovative Verfahren“ wie die Geschlechterbestimmung im Ei zum frühzeitigen Aussortieren der männlichen Küken durchsetzten oder einfach mehr Eier importiert werden, bei deren Erzeugung männliche Küken getötet wurden.

FDP-Politiker Busen spricht von „Ablenkungsmanöver“

Der landwirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Karlheinz Busen, kritisierte den von Klöckner vorgelegten Plan und nannte ihn „ein völlig undurchdachtes Ablenkungsmanöver“, das die Probleme nicht lösen werde. Vielmehr würde Klöckner die Lage damit noch verschlimmern, da ohne feste Vereinbarungen mit der Brüterei-Branche Küken zukünftig kurz hinter der Grenze getötet würden.

Busen sieht grundsätzlich keine Lösung in „nationalen Alleingängen“, die „zur Verdrängung des Tötens“ führten und forderte bereits 2019, nachdem das Bundesverwaltungsgericht das Schreddern von Küken bis auf Weiteres für zulässig erklärt hatte, das Kükentöten europaweit zu unterbinden: „Dass die Bundeslandwirtschaftsministerin die Chance der EU-Ratspräsidentschaft vertut, um ein europaweites Verbot anzustoßen, ist fatal.“

Kükentöten: Ab 2024 noch strengere Regeln

Ab Januar 2024 soll im Rahmen des Gesetzentwurfs noch eine zweite Stufe eingeführt werden. Ab diesem Zeitpunkt müssen in den Brütereien Methoden angewandt werden, die bereits vor dem siebten Bruttag greifen, da Hühnerembryonen vom siebten Tag an Schmerz empfänden. (Von Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Jan Woitas

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