+
Gut bewacht: Die Sicherheitskonferenz in München.

Sicherheitskonferenz in München

Klitschko kommt zur Sicherheitskonferenz

  • schließen

50 Jahre Sicherheitskonferenz in München: Ukraine, Syrien, das Verhältnis zu den USA – beim Jubiläumstreffen der Sicherheits- und Außenpolitiker kommen die wichtigsten Krisen auf den Tisch. Gelöst werden sie nicht.

Das Schöne am Bayerischen Hof sei, dass es so eng im Hotel zugehe, dass man sich gar nicht aus dem Weg gehen könne, preist Wolfgang Ischinger eine Besonderheit der Münchner Sicherheitskonferenz. Drei Tage lang droht die Fünf-Sterne-Luxusherberge am Promenadeplatz schier aus allen Nähten zu platzen, wenn 400 Außen- und Sicherheitspolitiker aus aller Welt, na ja, zumindest aus der westlichen Welt, nach Bayern strömen.

Wenn man sich den besonderen Charme erklären will, den diese Konferenz auf Politiker, Manager, Diplomaten und Journalisten auszuüben scheint, dann könnte er in den verwinkelten Gängen des Hotels zu finden sein, auf denen sich auch jene über den Weg laufen, die den direkten Kontakt miteinander sonst vermeiden. Auch so funktioniert informelle Diplomatie.

„Kommt Klitschko?“, lautet zur 50. Auflage des transatlantischen Klassentreffens die häufigste Frage, die Wolfgang Ischinger gestellt bekommt. Der Karriere-Diplomat hat der Sicherheitskonferenz, seit er vor fünf Jahren deren Organisation übernommen hat, neue Relevanz verliehen. Eben weil Ischinger nicht allein über Grundsätzliches und den Zustand der Atlantischen Allianz referieren lässt, sondern auch aktuelle Konflikte der Welt aufs Tapet im engen Festsaal des Bayerischen Hofes bringt – auch auf die Gefahr hin, dass sich das Publikum in diesen Fällen der eigenen Ratlosigkeit und Ohnmacht schmerzlich bewusst wird.

Ob Vitali Klitschko, der populäre Oppositionspolitiker aus der Ukraine, am Sonnabend tatsächlich für ein paar Stunden nach München kommen wird, ist am Donnerstag fraglich. Aber Ischinger und seine Leute wollen nichts unversucht lassen, damit der frühere Boxweltmeister dort über die aktuellen Proteste in Kiew berichten kann. Notfalls per Videoschaltung direkt in den Veranstaltungssaal.

Am Freitagmittag wird dann klar: Klitschko kommt doch - und hat einiges vor: Geplant seien Treffen unter anderem mit US-Außenminister John Kerry, Bundespräsident Joachim Gauck, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton, teilte Klitschkos Partei Udar (Schlag) am Freitag mit. Für diesen Samstag ist eine Rede des 42-Jährigen zur Lage in der früheren Sowjetrepublik vorgesehen. Der Ex-Boxweltmeister ist einer der Anführer der monatelangen Proteste gegen den prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch.

Syrien-Verhandler zu Gast

Aber auch fern der Ukraine und Klitschko gibt es Diskussionsbedarf: Aus Genf soll UN-Sonderbotschafter Lakhdar Brahimi für ein paar Stunden nach München reisen, um über den Stand der laufenden Friedensgespräche zwischen dem syrischen Regime um Machthaber Baschar al-Assad und den Widerstandsgruppen zu berichten, wenn es die Gespräche in der Schweiz zulassen. Für den späten Freitagabend hat Ischinger dafür eigens einen Platz im dichten Konferenzprogramm vorgesehen. Vielleicht, so die vorsichtige Hoffnung der Organisatoren, finden gemeinsam mit Brahimi sogar Unterhändler beider Seiten den Weg nach München.

Den feierlichen Auftakt zur 50. Münchner Sicherheitskonferenz macht am Freitag Joachim Gauck, der die Veranstaltung als erster Bundespräsident für eine außenpolitische Grundsatzrede nutzen möchte. Als weitere Reminiszenz an das Jubiläum sollen am Sonnabend zwei Politiker miteinander diskutieren, die bereits 1963 bei der allerersten Wehrkunde-Tagung in München dabei waren: der frühere US-Außenminister Henry Kissinger und Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD).

Damals, mit Schmidt und Kissinger, sei die Konferenz mitten im Kalten Krieg auch eine Art gegenseitige Versicherung der Verbündeten gewesen, dass man im Kriegsfall wirklich füreinander einstehe, sagt Ischinger. In Zeiten der NSA-Affäre, durch die bekanntgeworden ist, dass der US-Geheimdienst selbst seine Verbündeten systematisch ausspäht, könne die Konferenz ein Ort werden, sich des gegenseitigen Miteinanders erneut zu versichern, hofft der Diplomat.

„Transatlantische Renaissance?“ hat Ischinger diesen Konferenzteil überschrieben – mit Fragezeichen eben. Für die Vereinigten Staaten werden US-Außenminister John Kerry, Verteidigungsminister Chuck Hagel und der frühere CIA-Chef Michael in München diskutieren.

Aus deutscher Sicht dürfte noch der Auftritt von Ursula von der Leyen (CDU) vor den Transatlantikern auf viel Neugierde stoßen. Die neue Verteidigungsministerin will ihre sicherheitspolitischen Vorstellungen erläutern, die sie bisher nur mit einigen Schlagworten vor der Öffentlichkeit skizziert hatte. (mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion