Drohen Schanghai in Zukunft solche Bilder öfter?
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Drohen Schanghai in Zukunft solche Bilder öfter?

Eisschilde schmelzen rasant

Klimawandel: „Das Schlimmste bereits in Gang gesetzt“ 

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Das Eis der Erde schmilzt, die Meere steigen – der Klimawandel nimmt an Fahrt auf. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Kipppunkte bereits erreicht wurden.

  • Der Klimawandel schreitet immer schneller voran
  • Kipp-Punkte sind wahrscheinlich schon erreicht
  • Meeresspiegel steigt um mehrere Meter - ganze Städte müssen weichen

Der Kölner Dom – zur Hälfte überflutet. Nur noch die Türme und das Kirchendach ragen aus den Nordsee-Fluten heraus. Mit diesem Horrorbild begann 1986 die Medienkarriere des Themas Klimawandel, auf dem Cover des Magazins „Der Spiegel“.

Dass das mächtige Bauwerk wegen der Erderwärmung tatsächlich einmal im Meerwasser steht, ist ein Extremszenario, das erst in Tausenden von Jahren eintreten könnte. So lange würde es dauern, bis alle Eismassen der Erde geschmolzen wären.

Völlig undenkbar ist das Szenario allerdings nicht mehr. Köln liegt im Schnitt 53 Meter über null, und das Wasser, das global im Eis gespeichert ist, würde den Meeresspiegel um 65 Meter ansteigen lassen.

Kippelemente der Erde fangen an zu schmelzen

Neue Forschungen zeigen, dass das Abschmelzen nicht nur bei den Gletschern auf den Bergmassiven, etwa in den Alpen, in den Anden oder im Himalaya, sondern auch bei den großen Eismassen der Erde bereits irreversibel eingesetzt haben könnte – bei den Eisschilden auf Grönland und am Südpol. Beide gelten als „Kippelemente“ des Erdsystems. Werden diese ausgelöst, gibt es kein Zurück mehr.

In der Öffentlichkeit am besten bekannt ist die Situation am Nordpol. Das arktische Meereis schwindet rasant – die Ausdehnung und vor allem auch die Dicke des Eises gehen zurück.

Im September 2019 erreichte die Fläche mit nur 3,9 Millionen Quadratkilometern die zweitkleinste seit Beginn der Satellitenmessungen im Jahr 1979. Dünnes Eis baut sich zwar in kalten Jahren schnell wieder auf, es ist jedoch sehr empfindlich gegenüber warmen Sommern. Wissenschaftler rechnen damit, dass die zentrale Arktis etwa ab 2040 im Sommer weitgehend eisfrei und damit schiffbar sein wird, falls die globalen Emissionen auf dem derzeitigen Stand bleiben.

Klimaerwärmung schreitet in nördlichen Breiten doppelt so schnell voran

Hauptgrund dafür ist, dass die Erderwärmung in den nördlichen Breiten etwa doppelt so schnell verläuft wie im globalen Durchschnitt. Während der Globus in den letzten 100 Jahren etwa ein Grad wärmer geworden ist, sind es in den nördlichen Breiten über zwei Grad, so das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, das auf Spitzbergen eine Dauer-Messstation unterhält. Man spricht von der „arktischen Verstärkung“.

Schmelzendes Eis verstärkt dabei die Erwärmung, weil die freigelegte dunklere Meeresoberfläche mehr Sonnenwärme als das Eis aufnimmt und an die Atmosphäre abgibt, was wiederum den Schwund des restlichen Eises beschleunigt. Der Mechanismus gilt als klassisches Beispiel eines selbstverstärkenden Prozesses: Ein und dasselbe Phänomen, nämlich der Eisverlust, ist sowohl Folge als auch ein Teil der Ursache der Temperaturerhöhung.

Kipp-Punkte wahrscheinlich schon erreicht

Diese „Eis-Albedo-Rückkopplung“ spielt auch eine große Rolle beim Eisverlust in Grönland, der in den letzten Jahren durch ins Meer fließende Gletscher und verstärktes Abschmelzen im Sommer stark zugenommen hat. Der Eisschild, der stellenweise drei Kilometer dick ist, enthält 2,6 Millionen Kubikkilometer Wasser. Schmilzt er komplett ab, würde das den Meeresspiegel über Jahrhunderte oder Jahrtausende um sieben Meter anheben.

Inzwischen gibt es Hinweise, dass das Grönland-Eis seinen Kipppunkt bereits erreicht haben könnte. US-Forscher fanden 2018 heraus, dass der jährliche Eisverlust im letzten Jahrzehnt teilweise viermal so hoch war wie 2003, in der Spitze waren es 400 Milliarden Tonnen.

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Ein Grund dafür ist, dass auch das grönländische Inlandeis zu schmelzen begonnen hat – aufgrund eines Wetterphänomens, der „nordatlantischen Oszillation“, die in Abständen warme Luftströmungen in die West-Arktis leitet, sich inzwischen aber mit der globalen Erwärmung überlagert.

„Wir werden auf absehbare Zeit einen immer schnelleren Meeresspiegelanstieg erleben“, sagt der Wissenschaftler Michael Bevis von der Ohio State University. „Sobald wir den Wendepunkt erreicht haben, ist die einzige Frage: Wie schlimm wird es?“ Klimamodelle hatten den Kipppunkt für den Grönland-Eisschild erst bei zwei Grad plus errechnet.

Abschmelzen der Arktis würde den Meeresspiegel um 58 Meter anheben

In der Antarktis sind die Eismassen noch gigantischer. Ihr komplettes Abschmelzen würde den Meeresspiegel sogar um 58 Meter anheben. Lange galten die Eisschilde im Westen und Osten des „weißen Kontinents“ als relativ ungefährdet. Das hat sich geändert. Klimaforscher befürchten, dass das Abtauen der größten Gletscher der West-Antarktis, des Pine-Island- und des Thwaites-Gletschers, bereits irreversibel ist. Diese beiden allein würden drei Meter plus beim Meeresspiegel bringen – und zwar im Laufe der nächsten 200 bis 900 Jahre. Aber auch die Eisschmelze in der östlichen Antarktis, wie eine Nasa-Studie Ende 2018 zeigte.

Bisher hat sich der Meeresspiegel durch die Erderwärmung um rund 25 Zentimeter erhöht, bis 2100 könnte der Anstieg laut dem Weltklimarat IPCC bis zu 110 Zentimeter betragen.

Das Schlimmste steht uns noch bevor

Sind die Kippelemente erst einmal aktiviert, werden künftige Generationen mit ganz anderen Dimensionen konfrontiert sein. Die Küstenregionen werden nicht mehr bewohnbar sein, Metropolen wie New York, Schanghai oder Rotterdam müssten aufgegeben werden. „Wir denken oft, dass uns beim Verlust von Eis in der Antarktis das Schlimmste noch bevorsteht“, kommentiert Professor Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. „Das stimmt auch. Aber es scheint, dass dieses Schlimmste bereits in Gang gesetzt wurde.“

Die Klimaschutzziele der Regierungen reichen nicht, um eine gefährliche Kettenreaktion zu verhindern. Der Mensch verliert die Kontrolle über den Klimawandel.

Ein Rekord jagt den anderen:In der Antarktis wurde der wärmste Tag seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen. Es ist warm genug für ein T-Shirt.

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