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Friederike Otto
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Friederike Otto ist geschäftsführende Direktorin des Environmental Change Institute an der Universität Oxford in Großbritannien und Professorin im Climate Research Programme der Universität. Die Physikerin und Philosophin ist Mitbegründerin der Zuordnungsforschung, die den Anteil des Klimawandels an Extremwetterereignissen berechnet.

Bericht des Weltklimarats

Klimawandel: „Mehr Extreme gibt es auch bei 1,5 Grad“

  • VonVerena Kern
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Forscherin Friederike Otto über die Arbeit am Bericht des IPCC und bis wann die Emissionen halbiert werden müssen, um den Klimawandel zu begrenzen.

Frau Otto, bevor gestern der erste Teil des sechsten Sachstandsberichts des Weltklimarats veröffentlicht wurde, haben Forschende und Regierungsvertreter:innen die Zusammenfassung gemeinsam abgestimmt. Sie waren zum ersten Mal dabei. Wie muss man sich das vorstellen?

Der Ablauf ist tatsächlich so, dass wir jeden Satz der Zusammenfassung gemeinsam durchgehen. Wir Autoren stellen den Text vor, beantworten Fragen und erarbeiten dann mit den Delegierten Verbesserungen in der Formulierung. Es ist wichtig zu betonen, dass der Inhalt nicht verändert wird, nur die Präsentation, und zwar zum Besseren.

Die Zusammenfassung wird durch die Abstimmung besser?

Ja, es macht den Bericht wirklich besser, denn die Regierungsvertreter:innen sind in den meisten Fällen selbst Wissenschaftler. Sie kennen die Materie gut, wissen aber auch, was Politiker verstehen und was nicht. Die Fakten stehen für sich.

Die zweiwöchige Abstimmung fand dieses Mal wegen Corona erstmals komplett virtuell statt. Hat das die Arbeit erschwert?

Es war insofern gut, als die geplanten Zeiten deutlich besser eingehalten wurden, anders als bei früheren Berichten. Das macht es insbesondere für die kleineren Delegationen leichter, an allem teilzunehmen. Aber es war auch ganz schön einsam, da die Kollegen eben nur über den Messaging-Dienst Slack da waren. Das macht es schwieriger, sich gut abzustimmen. Aber insgesamt war es eine extrem positive Erfahrung und wir können auf den Bericht sehr stolz sein. Ich habe viel gelernt, auch über mein Spezialgebiet hinaus, und tolle neue Kollegen kennengelernt. Es war aber auch sehr viel Arbeit, die ja unbezahlt und zusätzlich zum Dayjob ist, das ist schon sehr anstrengend. Gerade auch die letzten Wochen.

Der Bericht zeigt noch deutlicher als zuvor die Dringlichkeit des Handelns. Schon in wenigen Jahren könnte die globale Temperatur demnach im Durchschnitt 1,5 Grad Erwärmung erreichen oder sogar überschreiten. Nur wenn die Treibhausgasemissionen sofort, rasch und in großem Umfang verringert werden, ließe sich dies verhindern, heißt es dort klipp und klar. Da müssten viele Regierungsvertreter eigentlich ziemlich erschrocken gewesen sein.

Auch wenn sich die Genauigkeit, mit der wir dies jetzt sagen können, stark erhöht hat, ist die Tatsache an sich nicht neu und vollkommen konsistent mit dem 1,5-Grad-Bericht des IPCC von 2018. Entscheidend ist dieses Jahrzehnt. Bis 2030 müssen die Emissionen um rund die Hälfte sinken.

In dem jetzt vorgelegten ersten Teil des Sachstandsberichts geht es um die physikalischen Grundlagen des Klimawandels. Auch Fortschritte in Ihrem Fachgebiet, der Attributionsforschung, sind eingeflossen. Was sind die wichtigsten neuen Erkenntnisse?

Durch den Klimawandel sind Extremereignisse in allen Regionen der Welt bereits häufiger und heftiger geworden. Das können wir jetzt sehr gut belegen. Und: Auch unter einem 1,5-Grad-Szenario – also wenn es gelingt, das strengere Klimaziel des Paris-Abkommens einzuhalten – wird sich die Wahrscheinlichkeit insbesondere von Hitzewellen deutlich erhöhen. Aber auch das Auftreten von verknüpften Extremen wird wahrscheinlicher, also wenn es gleichzeitig zu Hitze und Trockenheit kommt.

Starkregen und Überschwemmungen, Hitzerekorde und Waldbrände – die aktuelle Weltlage illustriert den Bericht leider gut. Worauf müssen wir uns in Zukunft einstellen?

Die Tatsache, dass wir eine stärkere Zunahme von Extremen beobachten, liegt daran, dass wir immer mehr Treibhausgase emittieren und damit die Erwärmung beschleunigt haben. Wenn die Emissionen zurückgehen, auch das zeigt der Bericht, werden die Veränderungen sich verlangsamen. Allerdings geht das nicht von heute auf morgen. Selbst wenn die Emissionen drastisch und Jahr für Jahr gesenkt werden, wird sich das bei der CO2-Konzentration in der Atmosphäre erst nach fünf bis zehn Jahren bemerkbar machen, bei der globalen Durchschnittstemperatur erst nach 20 Jahren.

In der Vergangenheit waren die Autoren der IPCC-Berichte überwiegend Männer, woran es Kritik gab. Diesmal liegt der Frauenanteil immerhin bei 30 Prozent. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Es gibt wahnsinnig tolle Frauen, die bisher zu wenig wahrgenommen wurden, zum Beispiel Paola Arias aus Kolumbien. Es sind immer noch zu wenige Frauen gerade in der Physik und Klimaphysik vertreten. Aber ganz langsam wird es besser.

Interview: Verena Kern

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