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Klimaschutz im 14-Sitze-Jet: Rishi Sunak empört mit Kurzstreckenflug

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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Rishi Sunak sorgt mit einem Kurzstreckenflug für Unmut. Neue Daten aus Deutschland zeigen: Auch hier gibt es einen besorgniserregenden Trend bei Privatflügen.

London – Premierminister Rishi Sunak sorgt einmal mehr für Aufregung in Großbritannien. Hintergrund ist der Flug des Regierungschefs von London nach Leeds im RAF-Jet – der 14 Sitzplätze fasst. Im Kontext aktueller Klimadebatten, die auch auf der Insel hohe Wellen schlagen, macht der Premier aus Sicht von Kritikern eine schlechte Figur.

Aktuelle Daten zeigen: Sunak steht sinnbildlich für einen besorgniserregenden Trend weit über Großbritannien hinaus. In Deutschland hat die Zahl der Kurzstreckenflüge in Privatjets im vergangenen Jahr massiv zugenommen, ein fatales Signal an Ottonormalverbraucher – und ein Indiz dafür, wer besonders große Verantwortung für die schlechte Klimabilanz trägt.

Klimaschutz: Rishi Sunak erregt mit Flug von London nach Leeds die Gemüter in Großbritannien

Rishi Sunak und seine regierenden Tories haben derzeit einen schweren Stand in der Bevölkerung von Großbritannien, wie Umfragen und Streiks zeigen. Nun zieht Regierungschef Sunak auch noch mit einem Kurzstreckenflug von London nach Leeds die Aufmerksamkeit auf sich, berichtet kreiszeitung.de. Immer wieder war in der Vergangenheit bereits die Frage nach der Ernsthaftigkeit seiner Bemühungen in Sachen Klimaziele aufgekommen. Sunak war kürzlich nach Leeds aufgebrochen, um dort Investitionen über 200 Millionen Pfund für tausende zusätzliche Pflegebetten zu verkünden. Zu diesem Zweck hatte er mit der Ministerin für Soziales, Helen Whately, ein Gesundheitszentrum in Leeds besucht, wie der Guardian berichtet.

Rishi Sunak
Rishi Sunak sorgt mit einem Kurzstreckenflug für Ärger. (Symbolbild) © Jane Barlow/PA Wire/dpa

Das staatliche Gesundheitswesen NHS liegt brach, es bedarf großer Investitionen, wenngleich die Regierung eine Krise leugnet. Für Sunak war es ein wichtiger Termin. Für die Strecke, die er dabei von London zurücklegte, hätte er mit dem Zug allerdings kaum mehr als zweieinhalb Stunden gebraucht. Neben der klimapolitischen Dimension stellt sich Kritikern in Großbritannien auch die Frage nach dem Umgang der Regierung mit Steuergeldern. Downing-Street verwies laut Guardian auf effektive Zeitnutzung des Premiers, ein Argument, was Kritikern ob der kurzen Reisezeit via Zug kaum einleuchtet. Kritik aus der Klimabewegung an Sunak ist kein Novum: Erst kürzlich hatten Aktivisten von Greenpeace Bilder der Klima-Armut auf das Haus des Premierministers projiziert.

Rishi Sunak: Britischer Premier ist das Gesicht eines Problems mit Privatflügen – nicht nur in Großbritannien

Der Fall Rishi Sunaks wirft nicht nur in Großbritannien ein Schlaglicht auf seine Person und die Tories, sondern steht stellvertretend für ein generelles Problem: Die Zahl an Kurzstreckenflüge in Privatjets nimmt auch in Deutschland zu, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Klimaexperten warnen vor einem gefährlichen Trend. Von Flughäfen in Deutschland sind im vergangenen Jahr mehr Privatflüge aufgestiegen als je zuvor, im Vergleich zum Vorjahr wird ein Anstieg von etwa neun Prozent registriert. Insgesamt stiegen 2022 über 94.000 Mal Flugzeuge auf, die laut der Luftkontroll-Organisation Eurocontrol dem Business-Segment zugeordnet werden.

Auf den einzelnen Tag heruntergebrochen sind das 260 Flüge dieser Art. Bezeichnend ist auch der Anteil von Privatflügen am gesamten Flugverkehr in Deutschland: Privatjet-Flüge machten im vergangenen Jahr rund 12 Prozent des gesamten deutschen Flugverkehrs aus. In Großbritannien geht der Premierminister mit schlechtem Vorbild voran, unabhängig der Tatsache, dass es sich in seinem Fall um einen dienstlichen Termin handelte. Die Regierung findet Erklärungen, doch der Flug hat Symbolcharakter. Eines wird indes deutlich: Es handelt sich keineswegs um ein rein-britisches Problem, das zeigen die Zahlen aus Deutschland.

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