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Auf Madagaskar hungern Menschen seit Monaten. Organisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ versuchen, irgendwie zu helfen. RIJASOLO/AFP
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Auf Madagaskar hungern Menschen seit Monaten. Organisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ versuchen, irgendwie zu helfen. RIJASOLO/AFP

Klima

Klimaschutz: Essen ist die Leerstelle

  • VonJörg Staude
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  • Joachim Wille
    Joachim Wille
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Erzeugung von Lebensmitteln ist für fast ein Drittel der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Das Problem wird vielfach noch ignoriert.

Fast jeder Tag des UN-Klimagipfels in Glasgow hatte einen Schwerpunkt. So gab es den Tag der Wissenschaft und Innovation, den „Gender Day“, auch den „Transportation Day“. Doch ein „Food Day“, also einen ganzen Tag zum Thema Ernährung und Klima? Fehlanzeige. Ein großes Manko, wie sowohl UN-Offizielle wie Umweltschutz-Aktive beklagten. Bei künftigen Gipfeln müsse sich das ändern.

Die UN-Sonderbeauftragte für das Ernährungsthema, Agnes Kalibata, rief jetzt in Glasgow dazu auf, dem Thema deutlich mehr Aufmerksamkeit zu schenkt. Die COP27 im nächsten Jahr in Ägypten solle einen besonderen Schwerpunkt auf die Ernährungssysteme legen. „Es gibt keinen Weg zu einem 1,5-Grad-Ziel, ohne die Ernährung in den Mittelpunkt unserer COP-Gespräche zu stellen“, sagte sie. Es müsse sichergestellt werden, dass sich die Ernährungssysteme an den Klimawandel anpassen und widerstandsfähig genug sind, „um die Menschen weiterhin zu ernähren und Wohlstand und gerechte Lebensbedingungen zu fördern“.

Ganz ähnlich argumentiert die Umweltorganisation WWF. Ihr Ernährungsexperte João Campari forderte, ab COP27 müsse es jedes Mal einen „Food Day“ geben. Die Begründung ist einleuchtend. Da die Ernährung für rund 30 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich ist, sind radikale Veränderung auch in dem Bereich unerlässlich. Zudem gilt: Wenn die anderen Sektoren in den nächsten Jahren ihre Emissionen wie geplant deutlich reduzieren, steigt der „Food“-Anteil relativ an.

In Deutschland zum Beispiel wird sich, so das Klimaschutzgesetz eingehalten wird, der Prozentsatz der Agrar- an den Gesamtemissionen von 1990 bis 2030 verdoppeln: von sechs auf zwölf Prozent.

Ähnlich wie in Deutschland bewegt sich der Agrarsektor auch in Glasgow noch weitgehend unter dem Klimaradar. So stammt zwar, wie auch Campari sagt, die Hälfte der weltweiten Methan-Emissionen aus der Lebensmittelproduktion. Doch der jetzt in Glasgow vorgestellte und hochgelobte „Global Methane Pledge“ zahlreicher Staaten erwähnt diese Emissionen bestenfalls nebenbei. Auch in der Debatte zu dem „Methan-Versprechen“ spielte das agrarische Methan nur eine untergeordnete Rolle, erinnern sich Beteiligte.

Obwohl sich die meisten Länder in ihren Klima-Zusagen auch auf Landwirtschaft oder die Landnutzung beziehen, fehlt es dort an konkreten Zielen und Umsetzungsplänen, kritisiert Campari. In allen 16 der bisher von den G20-Staaten eingereichten Klimaplänen gibt es demnach keine Ziele, die Emissionen aus dem Agrarsektor zu reduzieren.

Schaut man auf die gesamten Treibhausgase aus der weltweiten Lebensmittelerzeugung, so entfällt nach WWF-Angaben mit 30 Prozent der größte Anteil auf die Tierhaltung, einschließlich der Fischzucht. Weitere 27 Prozent der Food-Emissionen verursacht die Pflanzenproduktion für die menschliche Ernährung; darunter ist ein Anteil von sechs Prozentpunkten, der auf den Pflanzenanbau für Tierfutter zurückgeht. Schließlich stammen 24 Prozent agrarischer Treibhausgase von Landnutzungsänderungen wie beispielsweise kultivierten organischen Böden, trockengelegten Mooren oder auch den verbrannten Savannen.

UN-Expertin Kalibata betont noch einen weiteren Aspekt: Ohne ernsthafte Projekte gegen den Klimawandel könnten bis 2030 etwa in Afrika durch Dürren und andere klimatische Schäden weitere 100 Millionen Menschen in die extreme Armut getrieben werden – das wären bis 2030 also jedes Jahr mehr als zehn Millionen Menschen. „Nur wenn wir uns rechtzeitig mit den Nahrungsmittelsystemen befassen, werden wir konkrete Lösungen finden, um weitere Umweltschäden abzuwenden“, sagt sie.

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