Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ein Naturschutzgebiet am Amazonas brennt im August 2020 lichterloh.
+
Ein Naturschutzgebiet am Amazonas brennt im August 2020 lichterloh.

Klimawandel

Klimaschutz: Die allerletzte Chance ist jetzt

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
    schließen

Vor dem UN-Klimagipfel ist klar: Das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, ist ohne drastischere Schritte unerreichbar.

Die Regierungen der Welt haben 2015 beschlossen, den Klimawandel in beherrschbaren Bahnen zu halten. Doch sie halten das nicht ein. Sie steuern den Globus sehenden Auges in die Klimakrise hinein. Das ist der zentrale Kritikpunkt, der die Fridays-for-Future-Aktivisten auf die Straße treibt. Und die jüngsten offiziellen Zahlen, veröffentlicht von den UN und der Weltmeteorologieorganisation WMO, geben ihnen recht.

Das „Sicherheitslimit“ beträgt 1,5 Grad. Es soll die Menschheit davor schützen, dass bestimmte Kippelemente des Klimas ausgelöst werden – zum Beispiel das Austrocknen des Amazonas-Regenwaldes, das Auftauen der Permafrostböden, das komplette Abschmelzen des Grönland-Eisschildes. Dieses Limit möglichst anzupeilen, haben fast alle Staaten der Welt versprochen, im Pariser Klimavertrag von 2015. Tatsächlich steuert der Globus auf 2,7 Grad zu. Das zeigt eine aktuelle Bilanz des UN-Klimasekretariats in Bonn zum UN-Klimagipfel in Glasgow, der Ende Oktober beginnt. Das heißt: Selbst das Zweigradlimit, das laut Paris-Vertrag zumindest „deutlich“ unterschritten werden soll, würde ohne ein schnelles Steigen auf die globale CO2-Bremse weit verpasst.

Klimaschutz: 45 Prozent weniger Emissionen sind nötig

Als der Paris-Vertrag vor sechs Jahren geschlossen wurde, sah es noch trüber aus. Die parallel eingereichten CO2-Reduktionsziele der 197 Unterzeichnerstaaten bedeuteten eine Erwärmung um drei Grad oder mehr. Tatsächlich sind, um eine reelle Chance zu haben, den Temperaturanstieg auf 1,5 respektive zwei Grad zu begrenzen, laut dem Weltklimarat IPCC bis 2030 globale Emissionssenkungen um 45 beziehungsweise 25 Prozent erforderlich, gemessen am Basisjahr 2010.

Inzwischen haben 131 Regierungen ihre nationalen Klimapläne (Nationally Determined Contributions, NDCs) aktualisiert, darunter die Industriestaaten EU, Großbritannien, USA und Kanada. Diese Staaten zusammen schaffen bis 2030 einen Rückgang ihrer Treibhausgasemissionen um zwölf Prozent im Vergleich zu 2010, wenn sie ihre Ziele einhalten. Doch der Rest, darunter Obereinheizer China, steigert den CO2-Ausstoß sogar noch. Das Klimasekretariat schätzt, dass die globalen Emissionen 2030 um etwa 16 Prozent über dem Wert von 2010 liegen könnten.

Klimawandel: „Die Wissenschaft schreit es von den Dächern“

Die frühere Chefin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres, appellierte an die Weltgemeinschaft: „Die Wissenschaft schreit jetzt von den Dächern, dass es an der Zeit ist, Maßnahmen in einer Größenordnung zu ergreifen, die der Herausforderung gerecht wird.“ Die weltweiten Emissionen müssten bis 2030 um bis zu 50 Prozent gesenkt werden, zudem brauche es entschlossene Maßnahmen zur Wiederherstellung der Natur. „Alle anderen geopolitischen Fragen werden zur Bedeutungslosigkeit verblassen, wenn wir es nicht schaffen, uns der existenziellen Herausforderung zu stellen, die der Klimawandel darstellt.“

Tatsächlich zeigt eine aktuelle Analyse der Wissenschaftler:inneninitiative „Climate Action Tracker“ (CAT), dass nur ein einziges der von ihr analysierten Länder auf einem 1,5-Grad-Pfad ist: das westafrikanische Gambia. „Fast ausreichend“ sind demnach die Ziele von sieben Ländern, darunter Großbritannien als einziges Industrieland. Deutschland und auch die EU als Ganze finden sich trotz der nachgeschärften Ziele in der Kategorie „unzureichend“. CAT hat 37 Länder im Detail betrachtet, die zusammen für mehr als 80 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich sind.

Klimaschutz: Corona hat nur vorübergehend geholfen

Damit haben sich die Hoffnungen nicht erfüllt, die Corona-Krise und die viele Milliarden schweren Konjunkturhilfen zu ihrer Überwindung könnten zu einem Startpunkt für ein grünes Umsteuern werden. Ein in der vorigen Woche vorgelegter Report der WMO unterstreicht, dass die aktuellen Emissionstrends nicht mit den Paris-Zielen vereinbar seien. Die Lockdowns im letzten Jahr hätten nur für eine vorübergehende Reduktion des CO2-Ausstoßes gesorgt, heißt es. Die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre nimmt demnach inzwischen wieder so stark zu wie vor der Pandemie.

Es werde immer wahrscheinlicher, dass das 1,5-Grad-Limit verfehlt werde. UN-Generalsekretär Antonio Guterres kommentierte, die WMO-Ergebnisse seien „alarmierend“. Der CO2-Ausstoß müsse nun rasch und umfassend reduziert werden. „Das ist ein entscheidendes Jahr für den Klimaschutz.“

Klimaschutz: Die Industriestaaten geizen mit Hilfen für Entwicklungsländer

Nicht gut sieht es auch beim zweiten Hauptthema des internationalen Klimaschutzes aus: bei der Finanzierung. Die Industriestaaten sind laut Paris-Vertrag verpflichtet, den Entwicklungsländern von 2020 an jährlich 100 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen – für die Umstellung auf Ökoenergien und die Anpassung an den Klimawandel. Diese Summe wird offenbar deutlich verfehlt. Im Jahr 2019 kamen allerdings nach einer Aufstellung des Industrieländerclubs OECD nur knapp 80 Milliarden zusammen.

„Nachgeprüfte Daten für 2020 werden erst Anfang des kommenden Jahres verfügbar sein, aber es ist klar, dass die Klimafinanzierung weit hinter der Zielsetzung zurückbleibt“, sagte OECD-Chef Mathias Corman. Das sei enttäuschend – vor allem vor dem Glasgow-Gipfel. Dort soll Bilanz gezogen werden. Einige Länder wie Deutschland, Großbritannien und die USA haben inzwischen mehr Geld zugesagt. Die Lücke bleibt aber groß.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare