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Präsidentschaftswahl 2022: Grüne mit „Klimapräsident“ für Frankreich 

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Von: Stefan Brändle

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Immer ein Optimist: Yannick Jadot, neuer Präsidentschaftskandidat der Grünen Frankreichs.
Immer ein Optimist: Yannick Jadot, neuer Präsidentschaftskandidat der Grünen Frankreichs. © AFP

Frankreichs Grünen steigen mit Yannick Jadot ernsthaft ins Präsidentschaftsrennen 2022 ein. Seine ökofeministische Kontrahentin war ihnen dann wohl doch zu radikal.

Hinter der Kandidatenkür wogte der Richtungsstreit: Die französischen Grünen, die seit den Tagen Daniel Cohn-Bendits „Europe-Ecologie-Les Verts“ (EELV) heißen, hatten per Urabstimmung die Wahl zwischen dem Pragmatiker Yannick Jadot und der Ökofeministin Sandrine Rousseau. Er präsentierte sich schlagzeilentauglich als „Kandidat der Ökologie und Präsident des Klimas“. Sie attackierte das Patriarchat und sorgte damit für Furore, dass sie einem Atomingenieur immer Hexen vorziehe.

Jadot weiß seit seiner Zeit bei Greenpeace, wie man sich vor TV-Kameras geben muss, um zu punkten: locker, lächelnd und leicht verständlich. Rousseau plädierte dagegen für einen Bruch mit dem System, für „décroissance“ (Wachstumsrücknahme) und „déconstruction“ (Abbau). In der Stichwahl diese Woche erhielt die Ökonomin immerhin fast 49 Prozent – ein Zeichen, dass für viele in der EELV gesamtfranzösische Wahlchancen sekundär sind.

Frankreich: Präsidentschaftskandidat der Grünen gewann nur 122 000 Stimmen

Jadot gewann mit 51,03 Prozent der 122 000 Stimmen – das schwächt seine Stellung. Im April hatte er alle linken und grünen Formationen zu Gesprächen eingeladen, um sie zu einer Einheitskandidatur bei den Präsidentschaftswahl 2022 zu überreden. Nur vereint könne man Emmanuel Macron oder Marine Le Pen daran hindern, das Rennen unter sich auszumachen, erklärte Jadot – sicherlich zu Recht.

Schon bei den Gesprächen fehlte allerdings der wichtigste Mann der Linken, Jean-Luc Mélenchon. Der Anführer der „insoumis“ (Unbeugsamen) kommt auf 13 Umfragepunkte und will auf jeden Fall allein ins Gefecht gehen. Die Parti Socialiste dürfte Mitte Oktober die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo (sieben Prozent) auf den Schild heben. Jadot werden derzeit sechs Prozent gutgeschrieben.

Präsidentschaftskandidat aus Frankfreich auf gleicher Linie wie Annalena Baerbock

Der 54-Jährige könnte aber noch zulegen, wenn er in Sachen Klimabekämpfung weiter erfolgreich als „Original“ gegen die „Kopien“ links wie rechts gilt. Politisch liegt er in etwa auf der gleichen Linie wie die deutsche Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Im Bemühen, vom frühen Vormarsch der deutschen Schwesterpartei zu profitieren, war Jadot auch zu Baerbocks Investitur nach Berlin gereist.

Ihr enttäuschendes Resultat bremst nun Jadot. Der grüne Spitzenmann dürfte sich nun bemühen, mit Hidalgo gemeinsame Sache zu machen. Dass er bereit ist, notfalls zurückzustehen, hatte Jadot bei den vorigen Präsidentschaftswahlen bewiesen, als er zugunsten des Sozialisten Benoît Hamon auf die eigene Kandidatur verzichtete. Das legitimiert ihn, Hidalgo zum Verzicht zu veranlassen, falls er weiter punkten sollte. Die Bürgermeisterin gilt indessen als ebenso eigensinnig wie Mélenchon.

Frankreich: Präsidentschaftskandidat für eine „offene, mehrheitsfähige und fröhliche“ Ökologie

Jadot, der für eine „offene, mehrheitsfähige und fröhliche“ Ökologie wirbt, muss sich deshalb eher auf Angriffe von links einstellen. Die „unbeugsame“ Abgeordnete Danièle Obono rief Rousseaus Anhang auf, sich nicht Jadot zuzuwenden, sondern Mélenchon.

Auch in anderen Parteien geht es derzeit um die Frage, wer den Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl 2022 anführen soll. Beispielsweise der Journalist und Autor Éric Zemmour wird als Kandidat der islamfeindlichen Rechten gehandelt. Damit könnte er der Rechtspopulistin Marine Le Pen entscheidende Stimmen nehmen. (Stefan Brändle)

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