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Klimakiller Methan: Umweltschaden durch Pipeline-Lecks?

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Von: Joachim Wille

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Aus vier Rohren strömen große Mengen Gas aus - bis nichts mehr drin ist. Die Leitungen haben keine Schließventile.

An den Nordstream-Pipelines ist ein viertes Leck festgestellt worden. Für die Klima- und Umweltbelastung, die durch den Sabotageakt ausgelöst wurde, macht das keinen großen Unterschied. Die Fachwelt geht davon aus, dass das in den betroffenen drei Röhren ursprünglich vorhandene Gas in jeden Fall komplett austritt. Das Umweltbundesamt schätzt, dass durch die Lecks etwa ein Prozent der deutschen Jahres-Gesamtemissionen zusätzlich in die Atmosphäre gelangt.

Die beiden Nordstream-Pipelines verlaufen quer durch die Ostsee, von Anschlussstellen im russischen Oblast Leningrad bis nach Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern, das sind rund 1250 Kilometer. Sie bestehen aus jeweils zwei Stahlröhren, die mit einem Betonmantel geschützt sind. Drei der vier Stränge waren laut Umweltbundesamt bis zu den Explosionen, die die Lecks verursachten, mit Erdgas gefüllt, obwohl Moskau die Lieferungen durch Nordstream 1 gestoppt hat und Nordstream 2 nach Fertigstellung nicht in Betrieb genommen wurde. Der Gasdruck beträgt beim Einspeisen rund 220 bar, er sinkt im Verlauf der Strecke, beträgt am Ende aber immer noch über 100 bar.

Es ist unmöglich, den Gasaustritt zu stoppen, weil die Pipelines auf der ganzen Strecke nicht mit Absperrventilen ausgerüstet sind. Luftbilder der dänischen Marine zeigen drei Flächen mit einem Radius von bis zu einem Kilometer, in denen Gasblasen aufsteigen. Die Wassertiefe an den Stellen der Lecks zwischen der dänischen Insel Bornholm und der schwedischen Küste beträgt bis zu rund 90 Meter.

Das Umweltamt schätzt, dass insgesamt 300 000 Tonnen des Treibhausgases Methan, dem Hauptbestandteil von Erdgas, austreten werden. Da Methan 25-mal klimaschädlicher als CO2 ist, wird Klimaeffekt der Lecks mit etwa 7,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten kalkuliert. Das entspricht knapp einem Prozent der deutschen Jahresemissionen, die 2021 rund 762 Millionen Tonnen betrugen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kommt auf höhere Werte. Danach könnte durch die Lecks 28,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente freiwerden. Dänemarks Regierung geht davon aus, dass Gas eine Woche lang entweichen könnte.

Unklar ist, wie viel von dem ausgeströmten Gas tatsächlich klimawirksam wird. Ein Teil des Methans löst sich auf dem Weg vom Meeresboden nach oben im Wasser und wird nach und nach von Mikroorganismen zersetzt, wie frühere Erfahrungen mit einem kleineren Leck an einem Nordsee-Bohrloch gezeigt haben.

Gemessen an den globalen Methan-Emissionen fallen die zusätzlichen Mengen aus Nordstream 1 und 2 nicht sehr ins Gewicht. Die Internationale Energieagentur beziffert die insgesamt vom Menschen verursachte Menge auf jährlich 570 Millionen Tonnen, Hauptquellen hierbei sind Lecks in Erdgasanlagen, Kohlegruben, Mülldeponien, der Reisanbau und die Rinderzucht. Da die Methanmengen in den letzten Jahren stark angestiegen sind, haben Ende 2021 rund 100 Staaten den auf dem UN-Klimagipfel in Glasgow lancierten Vertrag „Global Methane Pledge“ unterschrieben, der eine Senkung dieser Emissionen bis 2030 um 30 Prozent vorsieht.

Für das Ökosystem Ostsee dürften die Schäden in jedem Fall nur kurzfristig und überschaubar ein, so die gleichlautende Einschätzung von Bundesumweltministerium und Umweltverbänden. Reines Methan zumindest ist nicht giftig. In der direkten Umgebung der Lecks bestehe für Tiere, die nicht fliehen könnten, allerdings die Gefahr des Erstickens, hieß es beim BUND.

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