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Klimakatastrophen überall

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Von: Anna-Katharina Ahnefeld

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„Klimaschutz ist Meeresschutz“, hat Baerbock gerade gesagt – mehr davon fordern diese Aktivistinnen bei einer Demonstration im Sommer in Lissabon ein.
„Klimaschutz ist Meeresschutz“, hat Baerbock gerade gesagt – mehr davon fordern diese Aktivistinnen bei einer Demonstration im Sommer in Lissabon ein. © Imago

In Lissabon zeigt sich exemplarisch, warum Annalena Baerbock den Kampf gegen die Erderhitzung zur Chefinnensache erklärt hat

Direkt bei Amtsantritt der Ampel-Regierung hatte Annalena Baerbock die internationale Klimapolitik zur Diplomatinnensache erklärt. Das stellte einen Umbau und eine Aufwertung des Auswärtigen Amtes dar – und beschnitt die Kompetenzen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz der Grünen-Parteifreundin Steffi Lemke. Gleich vier Minister:innen teilen sich nun das Klimathema: Auswärtiges Amt, Umweltministerium, Wirtschaftsministerium und Entwicklungshilfeministerium. Ein kompliziertes Potpourri an Kompetenzen, das die Komplexität und ressortübergreifende Bedeutung der Klimakrise widerspiegelt.

Und Baerbock wäre nicht Baerbock, wenn sie nicht voranpreschen würde. Bereits als Kanzlerkandidatin versprach sie, den Kampf gegen die Klimakrise ganz oben auf die Agenda zu setzen. Jetzt tut sie das eben im Außenministerium. Und so steht auch während ihres 24-stündigen Aufenthalts in Lissabon, ihrer ersten Auslandsreise 2023, die internationale Klimapolitik im Scheinwerferlicht. Portugal verfolgt entschlossen das Ziel der Klimaneutralität – und ist selbst schwer von der Klimakrise betroffen. Das Land wird immer trockener und heißer.

Doch konnte Baerbock bei ihrem Amtsantritt, als sie die internationale Klimapolitik in ihr Haus holte, kaum ahnen, welche anderen Krisenherde sie in der folgenden Zeit noch in Beschlag nehmen würden. Manche kritisierten den Schritt daher nachträglich, denn gerade die Klimakrise kann keinen weiteren Aufschub vertragen. „Kaum Zeit für die Klimakrise“, titelte die Tagesschau kürzlich im Zusammenhang mit Baerbock.

Dem Eindruck, nicht genug Kapazitäten fürs Klima zu haben, versuchte Baerbock in Lissabon nun noch einmal besonders bewusst entgegenzutreten. Vor dem Abflug aus Berlin verkündete die Grünen-Politikerin, dass der neue Beauftragte der Bundesregierung für Meeresschutz, Sebastian Unger, sie begleiten werde: „Portugal stellt sich mit seiner ambitionierten Klima- und Energiepolitik der Realität immer trockenerer und heißerer Sommer. Zudem hat Portugal früh erkannt, welche Schlüsselrolle die Weltmeere für das Klima und unsere Ernährungssicherheit spielen.“

45 Grad an der Algarve

Auch in ihrer Rede bei einer Konferenz der Leiterinnen und Leiter der portugiesischen Auslandsvertretungen am Mittwoch in Lissabon stellte sie klar: „Die Klimakrise ist eines der größten Sicherheitsrisiken unserer Zeit“. Das Ziel, Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen, sei wichtiger denn je.

Um zu verstehen, dass das Thema drängt, muss man nicht mehr in die Südsee reisen. Portugal verzeichnete vergangenes Jahr an der Algarve erstmals 44,6 Grad. Auch deswegen besuchte Baerbock das Ozeanarium von Lissabon, Europas größtes Indoor-Aquarium, das nicht nur als Magnet für Portugalreisende, sondern auch für seine bedeutende Meeresforschung bekannt ist. „Klimaschutz ist Meeresschutz“, sagte Baerbock bei der Pressekonferenz mit ihrem portugiesischen Amtskollegen João Gomes Cravinho. Die grüne Transition sei nicht ohne die blaue möglich. Portugal nehme dabei eine Vorreiterrolle ein, unter anderem mit dem größten Meeresschutzgebiet Europas rund um die Selvagens-Inseln in der Nähe Madeiras.

Tatsache ist dennoch, dass Annalena Baerbocks Zeit für Klimapolitik angesichts multipler globaler Krisenherde tatsächlich begrenzt ist. Ihr erstes Jahr als Außenministerin war bestimmt von Russlands Krieg in der Ukraine, der Energiekrise, den Menschenrechtsverstößen in Iran, und – ganz aktuell – den steigenden Spannungen auf dem Westbalkan. Das ändert nichts daran, dass sich das Fenster für einen erfolgreichen Kampf gegen die Klimaerwärmung immer weiter schließt. Zeit ist eine knappe Ressource, für Baerbock als Außenministerin, aber auch generell im Umgang mit der Klimakrise.

Dennoch wird insbesondere in Portugal klar, dass das Herz der Grünen-Politikerin für die internationale Klimapolitik schlägt. Auch oder gerade als Außenministerin. Hunger, Kriege, Energiekrise, Fluchtbewegungen und Klimawandel sind eng miteinander verzahnt – und das dürfte künftig nur noch mehr werden.

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