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Klimafreundliches Bauen mit Bäumen statt Beton

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Von: Joachim Wille

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Stapelweise Brennholz - teilweise werden Stämme schon mit GPS-Geräten versehen, um im Falle eines Diebstahls Alarm zu geben. dpa
Wenn ein Baum wächst, nimmt er CO2 auf. Das zahlt sich auch beim Bauen aus. © Uwe Zucchi/dpa

Bauen mit Holz könnte entscheidend sein für den Klimaschutz. Doch es gibt einige Hürden.

Häuser müssen nicht aus Stein sein, selbst Hochhäuser nicht. Auch Holz taugt als Baustoff dafür. Das derzeit höchste Holzhochhaus der Welt steht im norwegischen Brumunddal, es ist 85 Meter hoch. Das höchste deutsche Holzhaus mit 65 Metern entsteht derzeit in Hamburg.

Bisher ist diese Bauweise die Ausnahme. Neue Häuser werden fast durchweg mit Stein, Beton und Stahl gebaut. Doch das ist ein großes Umwelt- und Klimaproblem. Der Gebäudesektor hat weltweit einen Anteil von rund 40 Prozent an den globalen Treibhausgas-Emissionen; sogar 70 Prozent des Rohstoff- und Ressourcenverbrauchs werden durch den Bausektor verursacht, wenn man den gesamten Zyklus von Konstruieren über Bauen und Betreiben bis hin zum Abreißen betrachtet.

Werden Gebäude für die mehr als zwei Milliarden Menschen, die bis 2050 zusätzlich auf der Erde leben dürften, in Stahlbeton gebaut, belastet das das Klima extrem. Da die Herstellung von Stahl und Zement hohe CO2-Frachten verursacht, würde alleine damit das CO2-Restbudget gesprengt, das die Menschheit noch ausstoßen darf, ohne das 1,5- bis Zwei-Grad-Limit der Erderwärmung zu reißen.

Klimafreundliches Bauen mit Holz macht klimaschädlichen Stahlbeton überflüssig

Der renommierte Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber glaubt, dass im Bausektor der Schlüssel zum Schutz vor der Erderwärmung liegt. Der Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Co-Geschäftsführer der Initiative „Bauhaus Erde“ hat zu einer „globalen Bauwende und einer Transformation der gebauten Umwelt“ aufgefordert. Ein neues Bauwesen müsse auf nachwachsende Rohstoffe setzen. Es gelte, „die Klimakrise mithilfe natürlicher und gemanagter Kohlenstoffsenken zu überwinden – indem neben Landnutzung und Forstwirtschaft auch der Bausektor transformiert wird“.

Schellnhuber erläutert: „Die Rechnung ist simpel. Wenn ein Baum wächst, nimmt er CO2 auf. Bauen wir daraus ein Haus, wird nicht nur klimaschädlicher Stahlbeton substituiert, sondern auch CO2 langfristig gespeichert.“ Weltweit könne man rund zwei Milliarden Gebäude aus Biomasse erschaffen, in der CO2 aus der Atmosphäre dauerhaft gespeichert ist – mit Baustoffen wie Holz oder Bambus. Auf diese Weise sei es möglich, in den nächsten 100 bis 200 Jahren wieder ein Klima wie in vorindustrieller Zeit herzustellen – durch eine allmähliche Absenkung der CO2-Konzentration.

Eine Studie des PIK hat analysiert, dass mittels dieses Vorgehens bis zum Jahr 2100 mehr als 100 Milliarden Tonnen CO2-Emissionen eingespart werden – etwa zehn Prozent des verbleibenden globalen Kohlenstoffbudgets. Um die Versorgung mit Bauholz zu sichern, werden neben natürlichen Wäldern auch neu angelegte Holzplantagen benötigt. Die Studie, an der Schellnhuber beteiligt war, ist soeben im Fachjournal „Nature Communications“ erschienen.

Klimafreundliches Bauen mit Holz: Die Biodiversität muss erhalten bleiben

PIK-Wissenschaftler Florian Humpenöder, Mitautor der Studie, erläutert: „Es kann genügend Holz für neue mehrstöckige Häuser in der Stadt produziert werden, ohne dass das größere Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion hat.“ Gedacht ist dabei an Gebäude mit vier bis zwölf Stockwerken. Der größte Teil der zusätzlich benötigten Holzplantagen von rund 140 Millionen Hektar soll nach dem PIK-Konzept auf bereits früher abgeholzten Waldflächen angelegt werden, die es vor allem im globalen Süden gibt. Dies gehe somit nicht auf Kosten landwirtschaftlicher Flächen.

Ein weiteres Problem ist das Erhalten der Biodiversität. Studien-Co-Autor Alexander Popp sagt: „Es ist wichtig zu klären, wie und woher das Holz für den Bau von Holzstädten kommt. In unseren Computersimulationen haben wir eine klare Grenze für die Holzentnahme und die Anlage neuer Baumplantagen gesetzt: In unberührten Wäldern und Schutzgebieten für die biologische Vielfalt darf nichts abgeholzt werden.“ Das PIK-Team betont daher: Um negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt zu begrenzen und einen nachhaltigen Übergang zu Holzstädten zu gewährleisten, bedürfe es einer sorgfältigen Planung und einer starken politischen Steuerung.

Klimafreundliches Bauen: „Dies könnte die Klimalösung werden, nach der wir so verzweifelt suchen.“

„Dies könnte die Klimalösung werden, nach der wir so verzweifelt suchen“, meint Schellhuber. Freilich ist klar, dass es noch einige Hürden gibt, bis sie in großem Stil umgesetzt werden könnte. So ist zum Beispiel noch unklar, wie die Klimaerwärmung sich auf die Vitalität der Wälder und Holzplantagen und damit auf die Verfügbarkeit von Holz auswirkt. Einerseits kann sie das Wachstum anheizen, andererseits durch mehr Dürren Wälder gefährden. Auch muss bedacht werden, dass es Jahrzehnte dauert, bis neu gepflanzte Bäume „erntereif“ sind.

Ökologie-Professorin Christine Fürst von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg verweist auf weitere Probleme. Sie hält die PIK-Studie für „hoch relevant“, sieht aber Schwierigkeiten bei der Umsetzung: „Zu glauben und zu hoffen, man könne mal eben im globalen Süden Flächen aufforsten, ist ökologisch, rechtlich und hinsichtlich der Landeigentümerschaften ein Irrläufer“, sagt die Leiterin des Fachgebiets Nachhaltige Landschaftsentwicklung vom Institut für Geowissenschaften und Geographie. Als Beispiel zitiert sie Brasilien. Dort sei Aufforstung und nachhaltige Forstwirtschaft eigentlich absolut lohnend. Sie werde aber zugunsten der Soja- und Fleischproduktion auf den gerodeten Flächen „total zurückgedrängt“. Holz für die „Bauwende“ hier wachsen zu lassen, wäre alles andere als einfach.

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